Laktat

Laktat ist ein Salz der Milchsäure. Im menschlichen Organismus entsteht es beim sauerstofffreien (= anaeroben) Abbau des Traubenzuckers (Glukose), insbesondere bei vermehrter Muskelarbeit und gleichzeitig bestehendem Sauerstoffmangel.

Außer den Muskeln sind auch das Gehirn, der Darm und die roten Blutkörperchen Laktatbildner. Die Leber, die Nieren und das Herz können die Substanz verstoffwechseln.

Kommt es zu einem Ungleichgewicht zwischen der Laktatbildung und der Weiterverwertung (Metabolisierung) im Körper, so steigt die Laktatkonzentration im Blut an. Man spricht dann von einer Hyperlaktatämie. Diese kann bei eingeschränkter Nieren- oder Leberfunktion in eine Übersäuerung – eine sogenannte Laktatacidose – münden.

Was kann Anlass der Laktatbestimmung sein?

Die Bestimmung des Laktatwertes aus dem Blutplasma oder Vollblut wird aufgrund folgender medizinischer Fragestellungen durchgeführt:

  • Prognose und Verlaufsbeurteilung bei Kreislaufschock und Vergiftungen;
  • Abklärung unklarer metabolischer Azidosen (= Übersäuerungszustände);
  • Beurteilung einer schweren, akuten Sauerstoffunterversorgung von Geweben, beispielsweise bei chronischen Lungenerkrankungen oder bei Herzinsuffizienz;
  • Diagnose akuter intestinaler (= zum Darm gehörend) Gefäßverschlüsse;
  • Erkennung von kindlichen Notsituationen während der Geburt;
  • Ermittlung der optimalen Trainingsintensität von Leistungssportlern.

Die Laktatbestimmung aus dem Liquor (Rückenmarkflüssigkeit) dient der Unterscheidung zwischen einer akuten bakteriellen und nicht-bakteriellen Gehirnhautentzündung (Meningitis).

Was sind die Referenz- Normalwerte von Laktat?

Laktat kann aus Vollblut, Kapillarblut (Ohrläppchen), dem Blutplasma und aus der Rückenmarkflüssigkeit (Liquor) bestimmt werden.

Folgende Werte liegen im Normbereich:

Neugeborene (Kapillarblut):                       2,4 – 20 mg/dl           oder    0,27 – 2,2 mmol/l

Erwachsene und Kinder:

  • arterielles Vollblut oder Plasma:           < 16 mg/dl                 oder    1,8 mmol/l
  • venöses Vollblut oder Plasma:              4,5 – 20 mg/dl           oder    0,5 – 2,2 mmol/l

Liquor (Erwachsene und Kinder):              11 – 19 mg/dl            oder    1,2 – 2,1 mmol/l

Was können veränderte Laktatwerte bedeuten?

Erhöhte Laktatwerte im Vollblut oder Blutplasma können auftreten bei:

  • schwerer Blutvergiftung (Sepsis), Schock oder schweren Infektionen (Malaria);
  • schwerer Herzinsuffizienz oder Herz-Kreislauf-Versagen;
  • Nierenversagen und schweren Leberfunktionsstörungen;
  • Krebserkrankungen (vorwiegend des blutbildenden Systems);
  • Darmkrankheiten (Darmverschluss, Überwucherung des Dünndarms mit anaeroben Bakterien, längere Einnahme von Lactobacillus acidophilus);
  • Einnahme von Antidiabetika (Biguanide) oder von Arzneimitteln, die Isoniazid, Nikotinsäure oder Lactulose enthalten;
  • HIV-Infektion:
  • Vergiftungen mit Alkohol, Kohlenmonoxid, Acetaminophen, Salizylaten;
  • Thiamin (Vitamin B1)-Mangel bei Intensivpatienten, Alkoholikern, Beriberi;
  • Glykogenspeicherkrankheit oder angeborenen Enzymdefekten;

Erhöhte Laktatwerte im Liquor können auf folgende Erkrankungen hindeuten:

Hirnhautentzündung, epileptischer Krampfanfall, Schlaganfall oder Hirntumoren.

Erniedrigte Werte haben keine Krankheitsbedeutung.

Was kann die Laktatwerte zudem beeinflussen?

Leicht erhöhte Laktatwerte finden sich bei intensiver Muskelarbeit (Leistungssport), Hyperventilation oder bei Infusionen von basischen Lösungen oder von Kohlenhydraten.

Quelle: Thomas, Labor und Diagnose
med. Redaktion Dr. med. Werner Kellner
Aktualisierung 22.02.2009

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