AFP – Alpha-Fetoprotein

Alpha-Fetoprotein (AFP) ist ein Eiweiß (Glykoprotein). Es wird normalerweise in der Leber des ungeborenen Kindes und im Dottersack während der Schwangerschaft gebildet. Geringere Mengen produziert auch der fetale Magen-Darm-Trakt.

Das Ungeborene scheidet das Protein größtenteils über die Nieren aus, wodurch die Konzentration des Alpha-Fetoproteins im Fruchtwasser und schließlich im mütterlichen Blut ansteigt. In beiden Körperflüssigkeiten ist AFP daher ab der vierten Schwangerschaftswoche nachweisbar.

Als biologische Aufgabe wird dem Protein während der Schwangerschaft eine gewisse Schutzfunktion vor einer immunologischen Abstoßung durch den mütterlichen Organismus zugeschrieben.

Gesunde Erwachsene bilden nur noch geringe Mengen dieses Proteins. Das Wiederauftreten fast fetaler Werte bei nicht-schwangeren Frauen und Männern deutet auf krankhafte Leberveränderungen (tumoröse Lebererkrankungen, Leberentzündung, Leberzirrhose) sowie auf Tumoren der Keimzellen (Hoden, Eierstöcke) hin.

Was kann Anlass der Untersuchung auf Alpha Fetoprotein sein sein?

Bei nicht-schwangeren Frauen und bei Männern stellt das AFP einen Tumormarker für Leberkrebs sowie Tumoren der Keimzellen (Hoden oder Eierstöcke) dar.

AFP wird bei Risikopatienten zum Screening (Suche) auf die Erkrankung genutzt. Die Bestimmung des Wertes dient aber vorwiegend der Therapie- und Verlaufskontrolle der Krebserkrankungen.

Bei schwangeren Frauen wird der AFP-Wert im Rahmen der pränatalen Diagnostik bestimmt. Er dient dann der Früherkennung von Neuralrohrdefekten (bsp. „offener Rücken“- Spina bifida, Anenzephalie – Gehirnschäden), Bauchwanddefekten oder dem Down-Syndrom.

Was sind die Referenz- Normalwerte von Alpha Fetoprotein?

Das Alpha-Fetoprotein wird aus dem Blutserum und unter bestimmten Voraussetzungen bei Schwangeren aus dem Fruchtwasser bestimmt. Die Bestimmung in der Schwangerschaft erfolgt zwischen der 16. und 21. Schwangerschaftswoche, da vorher und nachher Missbildungen übersehen werden können, weil der AFP-Wert – trotz Missbildung – normal sein kann.

Die Konzentrationsbestimmung aus dem Fruchtwasser geschieht im Rahmen einer Chromosomenanalyse (Amniozentese), oder wenn zwei Blutwerte im krankhaften Bereich liegen und die Ursache mithilfe des Ultraschalls nicht abgeklärt werden kann.

Als normal werden folgende Werte angesehen:

  • nicht-schwangere Frauen und Männer (Blutserum): bis 10 µg/l oder circa 7 IU/ml;
  • schwangere Frauen:

Blutserum: Der AFP-Wert steigt von der 16. bis zur 21. Schwangerschaftswoche (= SSW) im Blut kontinuierlich an. Als Grenzwert wird die 2,5-fache Konzentration des Wertes angenommen, der normalerweise in einer unauffälligen Schwangerschaft vorhanden ist. Er beträgt zu Beginn der 16. SSW 69 IU/ml und gegen Ende der 21. SSW 141 IU/ml.
Fruchtwasser: In dieser Körperflüssigkeit fällt zwischen der 16. und 21. SSW die Konzentration an AFP ab. Als Grenzwerte gelten zu Beginn der 16. SSW 48,6 x 103 IU/ml und gegen Ende der 21. SSW 20,4 x 103 IU/ml.

Was können erhöhte Werte bedeuten?

Erhöhte Blutwerte bei Männern oder nicht-schwangeren Frauen können folgende Ursachen haben:

Erhöhte Werte, die im Rahmen der Pränataldiagnostik (= vorgeburtliche Diagnostik) gewonnen werden, können auf Neuralrohr- bzw. Bauchwanddefekte oder andere Missbildung hinweisen. Es schließen sich dann eine erneute Bestimmung des AFP-Blutwertes und evtl. weitergehende Untersuchungen (Ultraschall, Fruchtwasseruntersuchung) an.

Was können erniedrigte AFP-Werte bedeuten?

Eine Abweichung nach unten tritt bei Männern und nicht-schwangeren Frauen für gewöhnlich nicht auf.

Erniedrigte Werte im Rahmen der Pränataldiagnostik können ein mögliches Zeichen für ein Down-Syndrom sein (80% des Medianwertes von Normalschwangerschaften). Dabei stützt man sich jedoch nicht allein auf den AFP-Wert, sondern ermittelt im sogenannten Triple-Test auch die Hormonwerte HCG und Östriol. Mithilfe einer Fruchtwasseruntersuchung kann das Down-Syndrom bestätigt oder ausgeschlossen werden.

Erniedrigte AFP-Werte nach der 10. SSW können auch ein Hinweis auf eine irreversible Störung der Schwangerschaft sein; nach der 32. SSW deuten sie auf eine mögliche Plazentainsuffizienz hin.

Was kann die Werte noch beeinflussen?

Erhöhte AFP-Werte in Schwangerschaft können auch folgende Gründe haben:

  • eine Mehrlingsschwangerschaft (Zwillinge, Drillinge,..),
  • eine falsche Einschätzung der Schwangerschaftswoche,
  • der Übertritt von kindlichem Blut in den mütterlichen Kreislauf (Fruchtwasserentnahme, Verletzungen, Gewebsentnahme).

Quelle: Thomas, Labor und Diagnose
med. Redaktion Dr. med. Werner Kellner
Aktualisierung 22.02.2009

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