Tic (frz. Gesichts- und Nervenzucken)

         

Tic (frz. Gesichts- und Nervenzucken) Tics sind schnelle, meist abrupt einsetzende und bisweilen sehr heftige Bewegungen oder zwecklose Lautäußerungen. Die unwillentlichen Muskelzuckungen lassen sich durch folgende Eigenschaften näher charakterisieren: Meist handelt es sich um unwillkürliche Bewegungen, die dem Betroffenen aber bewusst werden und die er gelegentlich willkürlich – zumindest für eine gewisse Zeit – beeinflussen kann. Gänzlich abgewöhnen kann man sich Tics nicht. Die Muskelzuckungen oder verbalen Äußerungen können immer wieder einzeln in gleicher Weise oder in Serien auftreten.

Während des Schlafes, bei der Beschäftigung mit fesselnden Aufgaben oder in einer entspannten Situation sind Tics seltener. Dagegen können emotionale Erregung (Freude, Ärger), innere Anspannung und Stress eine Häufung der Tics bewirken. Tics können auch durch die Anwesenheit bestimmter Personen oder durch spezielle Umstände provoziert werden.

Im Kinder- und Jugendalter handelt es sich meist um eine vorübergehende Störung, die von selbst wieder verschwindet. Jungen sind häufiger betroffen als Mädchen. Oft haben die Betroffenen mehrere Tics am Tag. Sie können auch für ein paar Wochen oder Monate verschwinden und dann wieder auftauchen. Ferner gibt es Krankheitsbilder, bei denen diese unwillkürlichen Körperäußerungen länger als ein Jahr bestehen bleiben und mehrere Formen von Tics gleichzeitig auftreten. Bekanntester Vertreter ist das Tourette-Syndrom, dessen Behandlung medikamentös, als auch psychotherapeutisch erfolgt.

Durch die unwillkürlichen Bewegungen und Lautäußerungen stoßen die Betroffenen oft auf Ablehnung im öffentlichen Leben. Familienmitglieder, Freunde, Lehrer oder Fremde können oft nicht glauben, dass die bizarren Bewegungen und Lautäußerungen unwillkürlich erfolgen. Die Betroffenen haben daher häufig Probleme am Arbeitsplatz oder in der Schule. Sie neigen zum sozialen Rückzug, was weitere psychische Probleme nach sich zieht.

Formen von Tics

Grundsätzlich können Tics vier Ausprägungen (Formen) zugeordnet werden, wobei man einfache von komplexen Tics unterscheidet:

  • einfache motorische Tics: Augenblinzeln, Schulterrucken, plötzliches Öffnen des Mundes; Kopf- oder Schulterrucken, plötzliches Zusammenkneifen der Augen, Verziehen des Mundwinkels.
  • einfache vokale Tics: Zungenschnalzen, Räuspern, Fiepen, Quieken, Grunzen, Schnüffeln.
  • komplexe motorische Tics: Körperverdrehungen, Springen, Berühren von anderen Leuten oder Dingen, manchmal selbstverletzende Verhaltensweisen (z. B. Kopf schlagen, kneifen, sich selbst schlagen).
  • komplexe vokale Tics: Plötzliches Sagen oder Schreien von Worten oder kurzen Sätzen, die nicht im Zusammenhang mit dem Gespräch stehen. Man unterscheidet das Ausstoßen obszöner Worte (Koprolalie), Wiederholung von Lauten oder Wortfetzen, die gerade gehört wurden (Echolalie), Wiedergabe von gerade selbst gesprochenen Worten (Palilalie), Ausführen obszöner Gesten (Kopropraxie).

Ursachen

Die genauen Ursachen von Tics sind bis heute nicht abschließend geklärt. Nachweisbar ist aber, dass Tics spezifische hirnorganische Ursachen (Veränderung der Gehirnströme, gestörte Regulation des Gehirnstoffwechsels usw.) haben können.

Diagnose, Behandlung

Sollte eine Tic-Störung länger als ein Jahr andauern oder sich verstärken, muss auf jeden Fall ein Facharzt (Kinder- und Jugendpsychiater, Neurologe) aufgesucht werden. Je nach Schwere der Erkrankung werden verschiedene Medikamente oder neuere, experimentelle Verfahren (Hirnschrittmacher) eingesetzt. (Weitergende Erläuterung zur Diagnose und Behandlung von Tic-Störungen lesen Sie bitte unter Tourette-Syndrom.)

med. Redaktion Dr. med. Werner Kellner
Aktualisierung 5.11.2007

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