Ursachen der Galaktorrhoe

Vor allem, wenn nur eine Brustseite betroffen ist, können Veränderungen in der Brust selbst dafür verantwortlich sein. Zu denken ist hier beispielsweise an ein Milchgangpapillom, eine gutartige Wucherung des Milchgangs.

Weitaus häufiger ist die Galaktorrhoe jedoch Ausdruck hormoneller Dysbalancen im Körper. Bei den Betroffenen kann meist ein erhöhter Prolaktinspiegel im Blutserum (= Hyperprolaktinämie) festgestellt werden. Prolaktin ist ein Hormon und wird im Vorderlappen der Hypophyse (= Hirnanhangdrüse) gebildet. Seine Biosynthese wird durch zwei weitere übergeordnete Hormone gesteuert: das PIP (Prolaktin-Inhibiting-Hormon) und das PRH (Prolaktin-Releasing-Hormon).

Natürlicherweise wird dieses Hormon verstärkt in der Schwangerschaft und Stillzeit gebildet und regt den Milchfluss an. Nach der Geburt eines Kindes unterdrückt es das Wiedereinsetzen des Menstruationszyklus und kurbelt den Stoffwechsel an.

Die Ausschüttung des Prolaktins wird noch von weiteren Faktoren gefördert. Dazu zählen Stress, mechanische Brustwarzenreizung („saugen“), Hunger und das TRH (= Thyreotropin-releasing-Hormon), ein Hormon des Schilddrüsenregelkreises.

Weitere Gründe für zu hohe Prolaktinkonzentrationen sind:

  • ein Prolaktinom. Es handelt sich um einen seltenen Tumor des Hypophysenvorderlappens, der selbstständig Prolaktin produziert.
  • bestimmte Medikamente, wie Reserpin (sedierendes Pharmakon), spezielle Mittel gegen Bluthochdruck (Methyldopa), Opioide und auch Heroin.
  • Formen einer Schilddrüsenunterfunktion, bei denen verstärkt das Schilddrüsenhormon TRH (= Thyreotropin-releasing-Hormon) gebildet wird.
  • Akromegalie. Dabei handelt es sich um extremes Wachstum bei Erwachsenen, welches durch einen Überschuss an Wachstumshormonen bedingt ist. Ursache ist fast immer ein gutartiger Tumor der Hirnanhangdrüse.

Die Hyperprolaktinämie hemmt die Produktion anderer Hormone (LH, Progesteron, Testosteron). Auf diese hemmende Wirkung lassen sich das Ausbleiben der Menstruation und das Fehlen eines Eisprungs im Zyklus zurückführen. Bei Männern kann die übermäßige Hormonproduktion zu Impotenz und Hypogonadismus (= Unterfunktion der Hoden) führen.

med. Redaktion Dr. med. Werner Kellner
Aktualisierung 23.9.2007

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