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Zöliakie (engl. celiac disease)

Die Zöliakie oder einheimische Sprue ist eine Erkrankung der Dünndarmschleimhaut, die durch eine Lebensmittelunverträglichkeit gegenüber Gluten hervorgerufen wird. Das Kleberprotein Gluten kommt beispielsweise in den Getreidearten Weizen, Roggen, Gerste, Hafer und Dinkel vor.

Im Säuglings- und Kindesalter wird üblicherweise die Krankheitsbezeichnung „Zöliakie“ verwendet, das entsprechende Krankheitsbild bei einem Erwachsenen heißt „einheimische Sprue“. Den Begriff „Zöliakie“ für jedes Erkrankungsalter zu verwenden, setzt sich jedoch immer mehr durch. Auch „nichttropische Sprue“ und „glutensensitive Enteropathie“ charakterisieren die gleiche Erkrankung. Als Ursache für die Zöliakie geht man von einer genetischen Disposition aus, da die Erkrankung familiär gehäuft auftritt.

Der Anteil der betroffenen Bevölkerung ist weltweit sehr unterschiedlich. Zöliakie kommt vor allem in Amerika und Europa vor. Auf dem europäischen Kontinent wird eine Häufigkeit von 1:3000 bis 1:4000 angenommen. Besonders betroffen von dieser Erkrankung sind Menschen westirischer Abstammung (Häufigkeit von 1:300). In Schwarzafrika, Japan und China kommt Zöliakie so gut wie gar nicht vor. Frauen erkranken dreimal häufiger als Männer.

Was sind die Ursachen der Zöliakie?

Das Getreideeiweiß Gluten führt im Dünndarm zu einer Immunreaktion (Antikörperbildung), in deren Folge es zu einer Entzündung und Zerstörung der Dünndarmschleimhaut kommt. Die Dünndarmwand verliert ihre starke Fältelung (= Zottenatrophie). Der Mangel an schleimhautgebundenen Verdauungsenzymen und die Verminderung der Dünndarmoberfläche führt zu einer stark verminderten Aufnahme von vielen Nährstoffen, einschließlich Mineralien und Vitaminen.

Was sind die Symptome bei Zöliakie?

Bei Säuglingen und Kleinkindern treten die ersten Symptome meist zwischen dem 6. und 21. Lebensmonat auf, wenn sie im Anschluss an die Stillzeit getreidehaltige Nahrung bekommen. Die Kinder sind auffallend reizbar, kontaktscheu, weinerlich und misslaunig, der Appetit fehlt. Kennzeichnend sind auch Gedeihstörungen. Das Körpergewicht ist häufig unter der Altersnorm. Große Mengen an übel riechendem, fettglänzendem Stuhl werden produziert. Die Kinder haben Leibblähungen und einen vorgewölbten Bauch. Durchfälle, das markanteste Leitsymptom, bestehen dauerhaft oder nur von Zeit zu Zeit. Hinzu kommen Übelkeit und Erbrechen sowie Bauchschmerzen. Mit der Zeit verkümmern die Muskeln und Gliedmaßen. Minderwuchs deutet darauf hin, dass die Mangelernährung meist schon jahrelang bestanden hat.

Nicht alle Symptome treten immer gleichzeitig auf. Es ist durchaus möglich, dass nur ein Symptom im Vordergrund steht. Eine gewisse Altersabhängigkeit besteht. Bei Teenagern kann es zusätzlich zu einer Verzögerung der Pubertät oder Ausbleiben der 1. Monatsblutung und Haarausfall kommen. Im Erwachsenalter stehen ebenfalls Durchfall, Müdigkeit, Antriebsschwäche, Gewichtsverlust und Blähungen im Vordergrund. Ausgeprägter Eisenmangel lässt die Betroffenen auffallend blass erscheinen. Aufgrund des fortbestehenden Vitaminmangels sind auch schuppige Haut, Blutungsneigung, Blut im Urin, Kribbeln und Taubheitsgefühle sowie Muskelkrämpfe und Knochenschmerzen zu beobachten. Auch Osteoporose lässt sich bei Zöliakiepatienten häufig feststellen.

Wie wird die Diagnose bei Zöliakie gestellt?

Eindeutig diagnostiziert wird die Zöliakie durch eine Dünndarmbiopsie. Die endoskopische Untersuchung muss vor dem Beginn einer glutenfreien Ernährung erfolgen. Mittels eines Endoskops entnimmt man winzige Gewebeteilchen aus der Dünndarmschleimhaut. Unter dem Mikroskop lässt sich erkennen, ob die Darmzotten im Bereich des entnommenen Dünndarmabschnitts normal ausgebildet sind. Erscheinen die Zotten flach, so ist dies das sicherste Zeichen für eine Zöliakie. Die Bestimmung von speziellen Antikörpern aus dem Blut geben auch eindeutige Hinweise auf die Erkrankung. Spezifisch für Zöliakie sind Antikörper (IgG und IgA) gegen Gliadin (= alkohollösliche Komponente des Gluten) und Strukturen der Dünndarmschleimhaut (Retikulin-, Endomysium-, Gewebetransglutaminase- Antikörper). Die Werte der gemessenen Antikörper lassen sich zur Verlaufskontrolle der Erkrankung heranziehen. Durch Blutuntersuchungen lassen sich auch oft ein Mangel an Eisen, Vitamin B12, Vitamin K, der zur Blutungsneigung führt, sowie ein Kalzium-, Magnesium- und Zinkdefizit feststellen.

Wie wird die Zöliakie behandelt?

Die derzeit einzige Therapie besteht in der lebenslangen Meidung von glutenhaltigen Lebensmitteln. Die Umstellung auf glutenfreie Ernährung ist nicht einfach, da sich Gluten in sehr vielen Lebensmitteln finden. Dazu zählen alle aus Weizen- und Roggenmehl sowie aus Gerste, Dinkel und Hafer hergestellten Produkte. Dies sind beispielsweise Brot, Nudeln, Müsli und Bier. Auch viele Fertigprodukte enthalten Gluten. So können Süßigkeiten, Erdnussbutter, Gewürze und Joghurt kritisch sein. Selbst Medikamente können Gluten in Spuren enthalten. Erlaubt sind Maismehl, Hirse, Reis, Soja und reine Stärke. Die Ernährungsumstellung muss fachärztlich überwacht werden. Selbsthilfegruppen können wertvolle Tipps geben. Dort sind Lebensmittellisten mit unbedenklichen Lebensmitteln verfügbar, aber auch Koch- und Reiseratschläge. Glutenfreie Nahrungsmittel findet man beispielsweise in spezialisierten Versand- und Reformhäusern. Inzwischen weisen sogar Einkaufsketten auf ihre glutenfreien Produkte hin. Zu Beginn der glutenfreien Ernährung sollten auch Milchprodukte gemieden werden, da oft gleichzeitig eine Laktoseintoleranz (= Überempfindlichkeit gegen Milchzucker) besteht. Der Abbau des Milcheiweißes ist gestört.

Diätfehler können schnell zu erneuten Krankheitssymptomen führen. Sie erhöhen auch das Risiko, an Darmkrebs zu erkranken.

Bereits wenige Tage nach der Ernährungsumstellung werde die Symptome schwächer. Das Allgemeinbefinden bessert sich. Die Darmschleimhaut regeneriert sich wieder. Die Zeit bis zum Eintritt der völligen Beschwerdefreiheit kann jedoch individuell verschieden sein. Sie ist abhängig vom Ausmaß der Darmschädigung, dem Alter des Erkrankten und eventuell versteckten Diätfehlern.


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