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Schlafkrankheit (engl. African trypanosomiasis)

Die Schlafkrankheit ist eine Tropenkrankheit, die durch tierische Einzeller, die so genannten Trypanosomen ausgelöst wird. Sie wird auch als Afrikanische Trypanosomiasis bezeichnet. Unbehandelt kann die Schlafkrankheit tödlich verlaufen. Die Erkrankung kommt im gesamten Tropengürtel Afrikas vor. Nach Schätzungen der WHO sind mehr als 500.000 Menschen von ihr betroffen. Bei Aufenthalten in Afrika sollte man immer an vorbeugende Schutzmaßnahmen denken, um sich nicht anzustecken.

Welche Erreger gibt es und wie erfolgt die Übertragung?

Es werden zwei verschiedene Arten von Trypanosomen unterschieden: Trypanosoma brucei gambiense ist der Erreger der Westafrikanischen Schlafkrankheit, Trypanosoma brucei rhodesiense ruft die Ostafrikanische Schlafkrankheit hervor. Die beiden Formen unterscheiden sich nicht nur durch die Erregerart, sondern auch durch die Dauer des Krankheitsverlaufs.

Das Erregerreservoir der tierischen Einzeller sind unter anderem Menschen, Rinder, Hausschweine und Antilopen. Die Trypanosomen werden von tagaktiven Stechfliegen, den Tsetsefliegen, übertragen. Die Insekten leben in Feuchtgebieten, aber auch in trockenen Savannenlandschaften. Der Stich der Fliege ist schmerzhaft und kann auch durch die Kleidung erfolgen. Die Erreger der Schlafkrankheit gelangen mit dem Fliegenspeichel in den menschlichen Körper. Durch einen einzigen Stich werden meist tausende von Einzellern übertragen.

Was sind die Symptome der Schlafkrankheit?

Die Inkubationszeit liegt zwischen 3 bis 20 Tagen. Das Auftreten von Symptomen, die vom zentralen Nervensystem ausgehen, kann bei der westafrikanischen Form jedoch Wochen bis Jahre dauern. Die ostafrikanische Form der Erkrankung verläuft wesentlich schneller und aggressiver. Beide Formen der Schlafkrankheit können in drei Stadien eingeteilt werden:

1. Stadium

Um die schmerzhafte Einstichstelle kommt es zur lokalen Infektion mit Erregervermehrung. Es entsteht ein roter, teigiger Fleck, der anschwellen kann. Er heilt nach einiger Zeit (Tagen, Wochen) von selbst ab. Die Hauterscheinung wird Trypanosomenschanker genannt. Die Parasiten werden über die Blut- und Lymphwege im ganzen Körper verteilt. Bei der westafrikanischen Erkrankungsvariante oft erst nach Wochen oder Monaten, bei der ostafrikanischen Form schon nach Tagen.

2. Stadium

Das 2. Stadium ist durch immer wieder aufflackerndes Fieber gekennzeichnet. (Bei der ostafrikanischen Form verläuft der Krankheitsbeginn mit hohem, plötzlichem Fieber.) Kopf- und Gliederschmerzen können hinzukommen. Charakteristisch sind Lymphknotenschwellungen im Halsbereich (Winterbottomsches Zeichen). Ein fleckiger Ausschlag, Juckreiz und Schwellungen in den Beinen und im Gesicht sowie eine Vergrößerung der Leber und Milz können sich anschließen. Die Betroffenen nehmen oft ab. Eine schwere Komplikation bei der ostafrikanischen Variante ist die Entzündung des Herzmuskels (Myokarditis).

3. Stadium

Das letzte Krankheitsstadium ist durch das Eindringen der Erreger in das Zentrale Nervensystem gekennzeichnet. Bei der westafrikanischen Form geschieht dies frühestens nach 6 Monaten, meist zwei oder mehr Jahre nach Beginn des 2. Stadiums. Bei der ostafrikanischen Variante ist dies schon nach ein paar Wochen möglich. Ein markantes Zeichen dieser Phase ist das erhöhte Schlafbedürfnis, welches dieser Erkrankung seinen Namen gegeben hat. Zudem treten dann eine Vielzahl neurologischer Symptome auf, wie Krampfanfälle, Bewusstseinseintrübung, Geh- und Sprechstörungen. Diese Krankheitszeichen sind die Folge einer diffusen Gehirn- und Rückenmarkentzündung. Die Erkrankten magern extrem ab. Unbehandelt ist die Prognose für die Schlafkrankheit vom westafrikanischen Typ 9 Monate bis mehrere Jahre. Die ostafrikanische Variante ist durch einen kurzen Verlauf von 3 bis 9 Monaten gekennzeichnet. Bei ihr ist die häufigste Todesursache Herzversagen.

Wie wird die Diagnose gestellt?

Die Parasiten sind mikroskopisch nachweisbar. Im 1. und 2. Stadium kann eine Blutprobe oder ein Lymphknotenpunktat Aufschluss geben. Im 3. Stadium finden sich die Erreger im Liquor (Gehirn-Rückenmark-Flüssigkeit). Moderne serologische Methoden (Enzymimmunoessay, Immunofluoreszenz) können die Diagnose unterstützen.

Wie wird behandelt?

Die Behandlung der Schlafkrankheit sollte immer stationär erfolgen, da die eingesetzten Medikamente schwere Nebenwirkungen haben können. Vorab muss vor jeder Behandlung eine Liquorpunktion erfolgen. Ist das Zentrale Nervensystem befallen, kommen andere Präparate zum Einsatz. Befindet sich die Infektion in Stadium 1 oder 2, so wird Suramin oder Pentamidin, gegebenenfalls in Kombination verabreicht. Diese Medikamente sind nicht liquorgängig. Liegt bereits ein Befall des Zentralen Nervensystems vor, so werden stärker toxische Mittel wie Melarsoprol, Nitrofural oder Eflornithin eingesetzt.

Was kann prophylaktisch gemacht werden?

Die individuelle Prophylaxe besteht im Tragen von schützender Kleidung, Verwendung von Repellents („Anti-Mücken-Mittel“) und Benutzung von Moskitonetzen. Eine Chemoprophylaxe mit Pentamidin ist möglich, wird aber nicht empfohlen. Weitere Schutzmaßnahmen zielen auf die Bekämpfung des Überträgers – der Tsetsefliege – ab.


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