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Lungenemphysem - Emphysema pulmonum (engl. pulmonary emphysema)

Bei einem Lungenemphysem, das auch als Lungenüberblähung bezeichnet wird, kommt es zu irreversiblen Schädigungen an den kleinsten Verästelungen der Atemwege, den kleinen Bronchiolen und den Lungenbläschen (= Alveolen). Die Trennwände der Lungenbläschen werden zerstört, sodass aus vielen Bläschen größere Blasen (Emphysemblasen) entstehen. Ein effektiver Gasaustausch ist dann nicht mehr möglich, vielmehr wird die Luft im Lungengewebe zurückgehalten und das Ausatmen ist beschwerlich. Hauptursache für diesen in der Regel allmählichen destruktiven Umbau der Lunge ist das Rauchen. Die Erkrankung tritt vorwiegend ab dem 50. Lebensjahr auf. Die Schädigung des Lungengewebes ist nicht mehr rückgängig zu machen. Ein plötzlich auftretendes, heilbares Lungenemphysem entsteht während eines Asthmaanfalls. Hier ist eine Verengung der Atemwege die Ursache dafür, dass die eingeatmete Luft nur erschwert abgeatmet werden kann. Tritt eine chronische Form des Lungenemphysems vor dem 40. Lebensjahr auf, so kann ein seltener angeborener Enzymdefekt (Alpha-1-Proteinase-Inhibitor-Mangel) der Grund für das Emphysem sein (1 - 2 Prozent aller Emphysemfälle). Ein Lungenemphysem ist eine relativ häufig auftretende Erkrankung, von der bis zu fünf Prozent der Bevölkerung betroffen sein sollen. Männer erkranken häufiger als Frauen.

Ursachen

Als Auslöser wird ein sogenanntes Proteasen-Antiproteasen-Ungleichgewicht angenommen. Bestimmte weiße Blutkörperchen (neutrophile Granulozyten), die der Körperabwehr dienen, setzen immer wieder Proteasen (vor allem Elastase) in den Lungenbläschen frei. Diese Enzyme sind in der Lage, Strukturen des Lungengerüstes, wie die Wände zwischen den Lungenbläschen, anzudauen und aufzulösen. Normalerweise werden diese Proteasen durch sogenannte Antiproteasen, vor allem Alpha-1-Antitrypsin oder Alpha-1-Proteinase-Inhibitor, inaktiviert. Zu einer vermehrten Freisetzung der Proteasen kommt es beispielsweise bei einem Infekt. Sind in dieser Krankheitssituation gleichzeitig die Antiproteasen durch oxidative Vorgänge aufgrund des Zigarettenkonsums vorgeschädigt, so resultiert daraus ein Übergewicht der zerstörerischen Proteasen. Die Wände zwischen den Lungenbläschen können angedaut werden.

Gründe, die schließlich zu einem Emphysem führen können, sind folgende:

  • Rauchen: Im Rauch sind Substanzen enthalten, welche die schützenden Antiproteasen deaktivieren; zudem haben Raucher eine erhöhte Infektanfälligkeit und Infekte führen zu einer vermehrten Ausschüttung der Proteasen!
  • Angeborener Enzymmangel: Das Enzym Alpha-1-Proteinase-Inhibitor kann genetisch bedingt in vermindertem Maße gebildet werden. Eine schwere Form des Lungenemphysems ist die Folge.
  • Chemikalien, Stäube: Ein berufsbedingtes Einatmen von bestimmten Stäuben, wie sie im Steinkohlebergbau oder in der Futtermittelindustrie entstehen, oder der Kontakt zu bestimmten Chemikalien, wie bsp. Aluminium, Cadmium oder Beryllium, können ebenfalls ein Emphysem bedingen.
  • Druckbelastungen: Überdehnungen der Lungenbläschen können ebenfalls zu einem Emphysem führen. Exponierte Berufe sind Berufsmusiker oder Glasbläser.
Als weitere Risikofaktoren gelten chronische Lungenerkrankungen, wie Asthma oder eine chronische Bronchitis.

Symptome

Das Lungenemphysem entwickelt sich für gewöhnlich langsam fortschreitend. In einem beginnenden Stadium sind folgende Symptome typisch:
  • Atemnot, die zunächst von der körperlichen Belastung oder von der Jahreszeit und dem Wetter abhängig ist.
  • Husten: Er muss nicht auftreten;
  • Bläuliches Hautkolorit: Finger und Lippen erscheinen bläulich (zyanotisch). Grund dafür ist ein Sauerstoffmangel im Blut.
  • Antriebslosigkeit: Die Erkrankten sind oft müde und schlapp.
  • Infektanfälligkeit: Infekte kommen häufiger vor, die Atemnot nimmt bei Erkrankung zu.

Schreitet die Erkrankung weiter fort, so treten folgende Symptome auf:

  • Die Luftnot tritt nicht nur bei Anstrengung auf, sondern ist auch in Ruhe vorhanden.
  • Der Husten besteht ständig ("Raucherhusten"). Besonders nach Infekten tritt vermehrt eitriger Auswurf auf.
  • Der Brustkorb nimmt eine fassförmige Gestalt an, da die Atemmuskulatur in der Stellung verharrt, die bei der Einatmung entsteht.
  • Der Allgemeinzustand verschlechtert sich zusehens. Muskeln werden abgebaut und es kommt zu Gewichtsverlust.
  • Folge der schlechten Lungenfunktion kann eine Rechtsherzinsuffizienz sein.

Diagnose

Die Befragung des Erkrankten zu seinen Beschwerden, seinem Zigarettenkonsum und zu seinen beruflichen und familiären Belastungen geben erste Hinweise auf die Erkrankung. Wichtig sind dabei folgende Fragen:
  • Tritt die Atemnot nur bei Belastung oder auch schon in Ruhe auf? Wie wirken sich Infekte aus?
  • Bestehen Husten und Auswurf? Wann tritt der Husten auf? Wie sieht der Auswurf aus?
  • Wie oft tritt die Atemnot auf? Wie oft kommt es zu einem extremen Leistungsabfall?
  • Gab es eine Gewichtsveränderung?
Bei der körperlichen Untersuchung fallen die bläulichen Lippen und Finger sowie der fassförmige Brustkorb auf. Bisweilen bestehen auch deutliche Zeichen einer Rechtsherzinsuffizienz (geschwollene Beine, deutlich hervortretende Halsvenen). Auch die Geräusche beim Abhören der Lunge sind für den behandelnden Mediziner charakteristisch. Zudem sind im Röntgenbild typische Veränderungen sichtbar (tief stehende, abgeflachte Zwerchfellhälften, "dunkleres" Röntgenbild, "Tropfenherz"). Weitere erforderliche Untersuchungen, die sich anschließen, können ein hochauflösendes CT und ein Lungenfunktionstest sein. Ein EKG ist bei Herzbeteiligung sinnvoll.

Behandlung

Ziel der Therapie ist es, dass die Erkrankung nicht weiter voranschreitet. Absolut notwendig sind Rauchverzicht und die Vermeidung von Lungeninfekten. Vorbeugend werden für diese Patienten daher bestimmte Impfungen (Pneumokokken, Grippe) empfohlen. Weitere Maßnahmen sind:
  • antibiotische Therapie von Lungeninfekten;
  • sonstige medikamentöse Behandlung: Sie ist abhängig vom Stadium der Erkrankung. Denkbar sind beispielsweise bronchienerweiternde Medikamente oder Kortison. Bei Rechtsherzinsuffizienz kommen Diuretika (= entwässernde Mittel) zum Einsatz;
  • Atemtherapie: Sie dient der Verbesserung der Atemfunktion.
  • Sauerstoff-Langzeittherapie: Bei schwerer Erkrankung inhaliert der Patient bis zu 18 Stunden am Tag Sauerstoff. Der Krankheitsverlauf wird so günstig beeinflusst, da die inneren Organe besser mit Sauerstoff versorgt werden.
  • Volumenreduktionschirurgie: Besonders bei Patienten, die unter großen Emphysemblasen leiden, wird diese Therapie angewendet. Dabei werden seitliche Lungenabschnitte entfernt; die Dehnbarkeit der Lunge und die mechanische Atemfunktion bessert sich. Ein weiterer Effekt ist, dass große Emphysemblasen, die platzen können, präventiv (= vorbeugend) entfernt werden. Somit wird einer möglichen akuten Komplikation des Lungenemphysems - einem Pneumothorax (= Luft zwischen Lungen- und Rippenfell) - vorgebeugt. Ein Nachteil ist, dass die Verbesserungen der Lungenfunktion oft nicht lange anhalten;
  • Lungentransplantation: Diese Therapie kann bei Patienten unter 60 Jahren erwogen werden. Die 1-Jahres-Überlebensrate liegt bei circa 60 %;
  • Substitution des Alpha-1-Proteinase-Inhibitor-Mangels: Ist ein ausgeprägter Mangel dieses Enzyms die Ursache für das Lungenemphysem, so kann es wöchentlich zugeführt werden, bis sein Spiegel auf über 35 % der Norm ansteigt. Voraussetzung bei dieser sehr teuren Therapie ist Rauchverzicht.

Komplikationen

Zu den akuten Komplikationen bei einem Lungenemphysem gehören immer wiederkehrende Infekte und das Platzen einer großen Emphysemblase. Die Folge können dann ein Pneumothorax und ein Kollaps der Lunge sein. Diese lebensbedrohliche Erkrankung macht sich durch plötzliche Atemnot und starke Brustschmerzen bemerkbar. Chronische Auswirkungen des Lungenemphysems sind ein zunehmender Druck in den Lungengefäßen und damit eine zunehmende Belastung des Herzens. Es kann zu einer Rechtsherzschwäche kommen.

med. Redaktion Dr. med. Werner Kellner
Aktualisierung 19.06.2008


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