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Leukämie (engl. leukemia)

Eine Leukämie wird oft auch als Blutkrebs bezeichnet. Sie beruht auf einer Krebserkrankung der weißen Blutkörperchen (= Leukozyten) oder der Zellen, die sich zu den weißen Blutkörperchen entwickeln. Es gibt vier Hauptformen der Leukämie. Diese unterscheiden sich aufgrund der betroffenen Blutzellen und dem Voranschreiten (akut oder chronisch) der Erkrankung. Pro Jahr erkranken pro einer Million Einwohner circa 50 Personen, wobei die Zahl der Neurerkrankungen eine steigende Tendenz aufweist. Männer sind häufiger betroffen als Frauen. Bei Kindern stellt die Leukämie mit 45 Prozent die häufigste bösartige Erkrankung dar.

Entstehungsmechanismen

Die weißen Blutkörperchen entstehen aus den sogenannten Stammzellen im Knochenmark. Ist ihre Entwicklung gestört, kommt es nicht mehr zu einer normalen Zellteilung, sondern die Zellen teilen sich unkontrolliert und werden bösartig. Die entarteten Leukozyten durchsetzten das Knochenmark und verdrängen die Stammzellen des Knochenmarks, die normalerweise die roten und weißen Blutkörperchen oder Blutplättchen bilden. Die normale Blutbildung ist gefährlich gestört. Die entarteten Zellen können sich auch in Organen, wie der Leber, der Milz, den Lymphknoten sowie in den Nieren oder dem Gehirn einlagern.

Ursachen

Diskutiert werden mehrere Faktoren, die das Erkrankungsrisiko ansteigen lassen. Dazu zählen:

  • eine gewisse genetische Veranlagung,
  • Belastung durch ionisierende Strahlen,
  • bestimmte Chemikalien, wie bsp. Benzol,
  • Medikamente, die zur Krebstherapie eingesetzt werden (Chlorambuzil, Cyclophosphamid),
  • bestimmte Viren, wie HTLV I (adulte T-Zell-Leukämie) oder Epstein-Barr-Virus (Burkitt-Syndrom).

Verschiedene Leukämieformen

Die Leukämien werden unterschieden nach:

  • Entstehungsgeschwindigkeit, also in akut (schnell) oder chronisch (langsam),
  • Zelltyp: Sind Vorläuferzellen der weißen Blutkörperchen betroffen, bezeichnet man dies als lymphatisch; entarten auch Vorläuferzellen der roten Blutkörperchen oder der Blutplättchen spricht man von myeloisch;
  • Lymphozytenzahl im Blut: Dabei bedeutet leukämisch, dass die Lymphozytenzahl im peripheren Blut stark erhöht ist. Ist die Leukozytenzahl normal oder nur leicht erhöht, spricht man von subleukämisch. Finden sich keine krankhaften Zellen im Blut, so ist die Bezeichnung aleukämisch.

Die wichtigsten Krankheitsbilder sind:

  • Die akute lymphatische Leukämie (ALL): Diese Leukämieform betrifft vor allem Kinder. Bei dieser Erkrankung sind häufig auch die Hirnhäute befallen, weil die entarteten Blutkörperchen auf das Gehirn übergreifen können. Bei den betroffenen Zelltypen handelt es sich um sogenannte Prä-B-Zellen, aber auch T-Vorläuferzellen.
  • Die akute myeloische Leukämie (AML): Diese Erkrankungsform macht circa 80 Prozent aller Leukämien im Erwachsenenalter aus. Die Entartung betrifft die sogenannten granulozytären Vorläuferzellen.
  • Die chronisch lymphatische Leukämie (CLL): Es handelt sich um eine Krebserkrankung des höheren Alters. CLL zählt heutzutage zu den niedrig-malignen Non-Hodgkin-Lymphomen. Die Entartung betrifft die reifen B-Zellen und selten T-Zellen. Es treten vermehrt funktionsunfähige Lymphozyten in mehreren Organen auf. Die Immunabwehr ist dadurch gestört und es kommt zu einem Mangel an Antikörpern.
  • Die chronisch myeloische Leukämie (CML): Die leukämischen Zellen finden sich nicht nur im Blut oder Knochenmark, sondern auch in mehreren Organen. Die Erkrankung scheint genetisch bedingt zu sein (Philadelphia-Chromosom). Der Altersgipfel liegt im mittleren Lebensalter.

Symptome

Die Symptome der einzelnen Leukämieformen sind ähnlich, da alle letztendlich die Funktion des Knochenmarks beeinträchtigen. Es kann jedoch sein, dass spezielle Symptome - je nach Leukämieform - vermehrt im Vordergrund stehen. In Bezug auf die Therapierbarkeit und die Prognose bestehen jedoch sehr starke Unterschiede, die auch zwischen Subtypen der Erkrankung sehr unterschiedlich sein können.

Typische Symptome einer Leukämie sind:

  • Allgemeine Schwäche, Müdigkeit und Blässe: Diese Symptome sind auf den Mangel an roten Blutkörperchen und einen ungenügenden Sauerstofftransport zurückzuführen.
  • Verstärkte Blutungsneigung: Dafür ist ein Mangel an Blutplättchen verantwortlich. Typische Symptome sind Nasen- und Zahnfleischbluten, rote Blutflecken in der Haut und eine verstärkte Neigung, blaue Flecken zu entwickeln.
  • Fieber und starkes Schwitzen (Nachtschweiß): Diese Krankheitszeichen deuten auf eine erhöhte Infektanfälligkeit hin. Der Grund ist ein Mangel an funktionstüchtigen weißen Blutkörperchen. Typisch sind auch Lungenentzündungen oder Infekte des Nasen-Rachen-Raumes.
Wandern die entarteten Blutzellen in andere Organe ein, so entstehen weitere Beschwerden auf. Beim Einwandern in das Gehirn treten Kopfschmerzen, Übelkeit, Erbrechen oder auch Reizbarkeit auf. Eine erhöhte Anzahl von entarteten Zellen im Knochenmark führt zu Knochen- und Gelenkschmerzen. Ebenso zu beobachten sind krankhafte Lymphknotenschwellungen, Hautveränderungen oder krankhafte Schwellungen der Leber und Milz, die zu Oberbauchbeschwerden führen.

Diagnose

Die Diagnose umfasst mehrere Schritte:

  • Differenzialblutbild und Knochenmarkbiopsie
  • Zuordnung zu einem Subtyp
  • Diagnose der Ausbreitung der Erkrankung.
Besteht der Verdacht auf Leukämie, wird Blut abgenommen und untersucht, ob der Anteil der einzelnen Blutzellen normal ist. Zur Sicherung der Diagnose wird im Bereich des Beckens Knochenmark entnommen und auf unreife Zellen untersucht. Findet sich ein sehr hoher Anteil unreifer, nicht funktionsfähiger Zellen, so deutet dies auf die Erkrankung hin.

Zur genauen Charakterisierung und Zuordnung zu den einzelnen Subtypen werden die entarteten Zellen genauer untersucht. Zu den angewandten Methoden zählen die Zytochemie (bsp. verschiedene Zellfärbungen), die zytogenetische Untersuchung (Untersuchung auf Gendefekte in den entarteten Zellen) und die Immuntypisierung.

Um festzustellen, welche Organe von der Erkrankung in Mitleidenschaft gezogen sind, können weitere Untersuchungen nötig sei. Mithilfe des Ultraschalls lassen sich die vergrößerte Leber und Milz sowie Lymphknotenveränderungen genauer charakterisieren. Bei Verdacht des Befalls des Gehirns oder der Hirnhäute kann ein CT oder MRT und eine Liquorpunktion (Entnahme von Rückenmarkflüssigkeit) Klarheit bringen.

Behandlung

Wirksamstes Mittel gegen die Leukämie ist die Chemotherapie. Sie wird oft in Phasen verabreicht (Intensiv-, Konsolidierungs- und Erhaltungstherapie). Die Behandlung kann sich über zwei bis drei Jahre hinziehen. Ziel ist es, die leukämisch veränderten Zellen vollständig zu zerstören, damit das Knochenmark wieder normale Blutzellen bilden kann.

Ein Krankenhausaufenthalt ist bei dieser Therapie unumgänglich. In dieser Zeit kann es nötig sein, Blut zu transfundieren, um die Blutarmut auszugleichen. Zudem werden Antibiotika gegen Infektionen und Blutplättchen gegen die Blutungsneigung eingesetzt. Der vermehrte Abbau von krankhaften Zellen in der Milz führt zu einer gesteigerten Freisetzung von Harnsäure, die aus dem Körper entfernt werden muss. Dazu wird dem Körper vermehrt Flüssigkeit (intravenös) zugeführt und mit Allopurinol behandelt. Für die Chemotherapie werden für gewöhnlich mehrere Medikamente kombiniert. Welche Mittel eingesetzt werden, richtet sich auch nach dem vorliegenden Organbefall. Zusätzlich wird oft auch eine Strahlentherapie durchgeführt, die die Verbreitung der leukämischen Zellen unterbinden soll.

Als letzte Therapieoption bleibt noch die Knochenmarktransplantation. Bevor gesundes Knochenmark transplantiert werden kann, müssen aber nahezu alle Blut bildenden Zellen vernichtet werden. Das kranke Knochenmark wird dazu mit einer hochdosierten Chemotherapie und evtl. einer Bestrahlungstherapie vollständig zerstört. Die Knochenmarktransplantation ist dann eine einfache Infusion von Stammzellen, die vom Patienten selbst gewonnen und speziell aufbereitet wurden oder von einem Spender stammen. Spender und Empfänger müssen dazu nicht nur die gleiche Blutgruppe haben, sondern auch in den Gewebemerkmalen (HLA-Antigenen) übereinstimmen, damit das fremde Knochenmark nicht abgestoßen wird. Die Wahrscheinlichkeit der Übereinstimmung ist unter nahen Blutsverwandten am größten.

Damit die gesunden Spenderzellen nicht abgestoßen werden, erhält der Patient Immunsuppressiva, welche die Abstoßungsreaktion unterdrücken.

Zur Vorbeugung vor schweren Infektionen wird der Patient isoliert.

Prognose

Bei der ALL ist die Prognose vom Alter und dem Subtyp abhängig. Die Heilungschancen betragen je nach Subtyp zwischen 10 und 60 Prozent. Die 5-Jahres-Überlebensrate beträgt im Mittel 40 Prozent, bei Kindern sogar 90 Prozent!

Bei der AML kommt es bei 65 Prozent der Patienten zu einer vollständigen 1. Remission (Rückgang der Erkrankung). Jedoch flammt der Krebs häufig wieder auf. So liegt die Gesamtüberlebenswahrscheinlichkeit bei unter 60-jährigen Patienten bei circa 35 Prozent, bei über 60-jährigen ist die Prognose schlechter. Durch eine allogene (= mithilfe eines Fremdspenders) Knochenmarktransplantation kann die Überlebenswahrscheinlichkeit auf circa 55 Prozent gesteigert werden.

Die CLL verläuft langsam über viele Jahre. Lebenslimitierend wirken sich vor allem Infekte aus.

Bei der CML liegt die 5-Jahres-Überlebensrate bei 60 Prozent, sofern eine Interferon-Behandlung stattfindet; eine Heilung ist jedoch nicht zu erreichen. Nach einer Knochenmarktransplantation beträgt diese statistische Größe 50 bis 70 Prozent. Diese Patienten gelten dann als geheilt.

med. Redaktion Dr. med. Werner Kellner
Aktualisierung 19.06.2008


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