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Gesichtsblindheit (engl. prosopagnosia)

Mit Gesichtsblindheit oder Prosopagnosie bezeichnet man die Unfähigkeit, eine bestimmte Person anhand ihres Gesichts zu erkennen. Das Gesicht als solches wird aber (meist) wahrgenommen. Es werden drei Formen der Prosopagnosie unterschieden. Die apperzeptive Prosopagnosie und die assoziative (amnestische) Gesichtsblindheit beruhen auf einer neuronalen (das Nervensystem betreffend) Schädigung in bestimmten Gehirnbereichen (Temporal-Okzipitallappen). Bei der so genannten kongenitalen (angeborenen) Gesichtsblindheit sind die Ursachen noch nicht bekannt. Veränderungen im Gehirn sind nicht zu beobachten. Es wird vermutet, dass die Erkrankung vererbt wird. Dafür spricht eine familiäre Häufung.

Gesichtsblindheit als Folge einer neuronalen Schädigung – beispielsweise nach einem Unfall oder Schlaganfall - tritt sehr selten auf. Wie viele Menschen an der kongenitalen Prosopagnosie leiden, ist unklar. Schätzungen gehen von 1-2% der Gesamtbevölkerung aus. Die Betroffenen fallen häufig nicht auf, weil sie gelernt haben, Menschen an anderen Merkmalen zu erkennen.

Wie funktioniert die Gesichtserkennung?

Vermutlich findet die Gesichtserkennung in drei Hirnarealen statt. Die so genannten unteren Okzipitallappen analysieren die äußeren Kennzeichen des Gesichts. Der vordere Schläfenlappen ordnet dem Gesicht Informationen, wie beispielsweise den Namen zu, und im rechten Gyrus fusiformis (Hirnareal hinter dem rechten Ohr) wird das Gesicht erkannt. Bei Gesichtsblinden ist dieser Bereich meist nicht aktiv.

Welche Ausprägungen der Gesichtsblindheit gibt es?

Einige Patienten nehmen Gesichter als solche wahr, jedoch können sie sie nicht identifizieren. Auch engste Verwandte, wie Eltern oder Kinder können nicht erkannt werden. Jedoch kann häufig die Gesichtsmimik registriert werden, was die Zuordnung des Gesichts zu einer bestimmten Person erleichtert. Bei schwereren Fällen der Prosopagnosie können die charakteristischen Merkmale des Gesichts - wie Mund, Nase oder Augen – nicht zu einem Gesichtsbild zusammengesetzt werden. Den Betroffenen fällt es schwer, Gesichter hinsichtlich Geschlecht und Alter zu unterscheiden. In sehr schweren Fällen kann nicht einmal das Gesicht als solches erkannt werden.

Wodurch zeichnen sich die einzelnen Formen der Prosopagnosie aus?

Apperzeptive Prosopagnostiker können nicht das Geschlecht oder das Alter aus einem Gesicht erkennen, auch Emotionen können häufig nicht abgeleitet werden. Sie können auch kein Urteil darüber abgeben, ob zwei Gesichter gleich sind oder verschieden. Assoziative Prosopagnostiker können zwei Gesichter hinsichtlich ihrer Gleich- oder Verschiedenheit unterscheiden. Sie können auch das Alter und Geschlecht anhand des Gesichts erkennen. Weitere Informationen, wie die Identität der betrachteten Person oder ihren Beruf, können sie jedoch nicht zuordnen. Die angeborene Prosopagnosie wird als eine Teilleistungsschwäche des Gehirns angesehen. Für die Betroffenen ist es problematisch, ein Gesicht einer bestimmten Person zuzuordnen und sie lernen Gesichter sehr langsam. Weder das Erkennen des Geschlechts am Gesicht noch die Interpretation der Mimik bereiten ihnen Schwierigkeiten. Auch ihr Sozialleben ist wenig oder gar nicht beeinträchtigt, da sie ihr ganzes Leben gelernt haben, Menschen an anderen Erkennungszeichen zu identifizieren. Dies können sein: die Stimme, bestimmte Kleidungsgewohnheiten, Statur, Bewegung, Frisuren und Form des Haaransatzes, der Wimpern und Ohren.

Welche Verhaltensweisen geben Hinweise auf eine Prosopagnosie?

Bei der erworbenen Prosopagnosie ist das plötzliche Nichterkennen von eigentlich bekannten Personen das wichtigste Indiz. Betroffene Kinder, die unter einer angeborenen Prosopagnosie leiden, erkennen Erwachsene und Kinder aus ihrem Umfeld nicht in ungewohnter Umgebung. Manchmal denken sie auch, in fremden Menschen Bekannte zu erkennen. Im Gespräch suchen diese Kinder nicht den Blickkontakt und scheinen dadurch abwesend und zappelig zu sein, jedoch folgen sie konzentriert dem Gespräch. Da sie sehr lange brauchen, um sich Gesichter einzuprägen und zuordnen zu können, integrieren sie sich häufig schlecht in die Kindergartengruppe oder die Schulklasse.

Wie kann eine Therapie aussehen?

Es gibt keine Therapie, die Prosopagnosie heilen oder mildern kann. Jedoch kann den Betroffenen durch eine gezielte Förderung geholfen werden, sich in ihrem sozialen Umfeld zurechtzufinden. Unter professioneller Anleitung, beispielsweise durch einen Neuropsychologen, kann die Fähigkeit, Menschen an anderen Merkmalen (Stimme, Gang, Brille, Narbe, Frisuren, Kleidungsgewohnheiten) zu erkennen, trainiert werden.


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