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Fadenwürmer

Unter Faden- oder Rundwürmern versteht man den artenreichen Tierstamm der Nemathelminthes, im engeren Sinne die untergeordnete Klasse der Nematoda. Im deutschen Sprachgebrauch werden die Nematoda als Nematoden bezeichnet.

Wie sehen Fadenwürmer aus?

Die im Querschnitt kreisrunden (Name -> Rundwürmer!) und lang gestreckten Nematoden haben eine typische Wurmgestalt. Die Mundöffnung liegt an der Spitze des Vorderendes. Sie wird von Lippen umschlossen, die zu Haken, „Zähnen“ oder Stiletten umgebildet sein können und für die Nahrungsaufnahme oder zum Tasten benutzt werden. Der After liegt kurz vor dem spitzen Hinterende. Die Außenhülle der Fadenwürmer ist ein fester Hautmuskelschlauch (Cuticula), der dem starken Innendruck ihrer Körperflüssigkeit (Haemolymphe) standhält (Hydroskelett) und zudem nach außen hin eine Schutzfunktion hat. Fadenwürmer sind nicht segmentiert. Ihre durchgehende enge Körperhöhle wird als Pseudocoel bezeichnet. Die Größe der Fadenwürmer variiert von 0,3 Millimeter bis zu einem Meter.

Wo kommen Fadenwürmer vor und wovon leben sie?

Nematoden kommen in den verschiedensten Lebensräumen vor. Sie leben überall zwischen Tiefsee und Hochgebirge. Man findet sie im Süßwasser, im Meer und vielen terrestrischen Biotopen, wie beispielsweise am Sandstrand oder dem Laub eines Waldes. Sie hausen auch an absonderlichen Orten: im Essig (Essigälchen), auf Bierfilzen oder in Bergwerksgruben. Es gibt Pflanzenschädlinge (beispielsweise Rübenälchen -> Zuckerrübe) unter ihnen oder sie sind Parasiten in Tieren oder im Menschen. Der Speiseplan der Fadenwürmer ist sehr vielfältig. Er reicht von Bakterien, Algen und Pilzen über Aas und Fäkalien bis hin zu Vorverdautem.

Wie vermehren sich Fadenwürmer?

Sehr viele Arten der Fadenwürmer leben getrennt geschlechtlich. Die Männchen sind typischerweise oft wesentlich kleiner als die Weibchen. Sie legen nach der Befruchtung Eier oder gebären Larven. Bei frei lebenden Arten genügen bis zu vier Häutungen bis zum geschlechtsreifen Tier. Bei den Fadenwürmern finden sich aber auch selbstbefruchtende Hermaphroditen. Parasitäre Nematoden machen oft komplizierte Entwicklungszyklen mit Wirtswechseln durch.

Welche medizinische Bedeutung haben Fadenwürmer?

Unter den Nematoden gibt es viele Schmarotzer, die den Menschen befallen. Hier einige Beispiele für parasitäre Fadenwürmer:

Madenwurm (Enterobius vermicularis):
Madenwürmer kommen weltweit in eher gemäßigten Klimazonen vor. Sie sind 2 bis 13 Millimeter lang und leben im Dickdarm, sowie im letzten Drittel des Dünndarms. Die Übertragungswege sind fäkal-orale Infektionen, Staubinfektionen mit Wurmeiern aus der Luft und Selbstinfektionen. Die Weibchen kriechen zur Eiablage aus dem After und verursachen den typischen, nächtlichen Juckreiz in der Afterregion. (Ausführliche Beschreibungen im Kinderportal unter Madenwürmer).

Spulwurm (Ascaris lumbricoides):
Spulwürmer kommen weltweit vor. Sie sind 25 bis 40 Zentimeter groß, bleistiftdick und leben im Dünndarm des Menschen. Dort saugen sie einfach den Darminhalt des Wirtes auf. Im Laufe seines Lebens legt das Weibchen bis zu 60 Millionen Eier. Die Ansteckung mit Spulwurmeiern geschieht beispielsweise über kopfgedüngtes Gemüse. (Ausführliche Beschreibung siehe auch Kinderportal unter Spulwurm).

Trichinen (Trichinella spiralis)
Trichinen sind in der nördlichen Hemisphäre und in Afrika anzutreffen. Es handelt sich um lebensgefährliche Schmarotzer des Menschen. Die Wirte sind Schweine, Menschen und alle Fleischfresser. Trichinen kommen in drei Entwicklungsstufen (Muskeltrichinen -> 0,4 bis 0,6 Millimeter Larve, Bluttrichine und Darmtrichine -> 1,4 bis 5 Millimeter langer geschlechtsreifer Parasit) im Menschen vor. Die Infektion geschieht über trichinöses Fleisch. Nimmt ein Mensch die Kapseltrichinen auf, so löst die Magensäure die Kalkwände der Kapseln auf, der Wurm wird frei und gelangt in den Darm. Dort wächst er zur Darmtrichine heran. Das befruchtete Weibchen bohrt sich in die Darmschleimhaut und bringt dort bis zu 2000 lebende, bewegliche Junge zur Welt. Sie durchbrechen die Darmwand und gelangen über den Blutkreislauf in das Muskelgewebe. Dort findet im Laufe von Wochen die Einkapselung des Parasiten statt, der bis zu 30 Jahre im Menschen in dieser Form lebensfähig bleiben kann. Die Symptome bei einem Befall mit Trichinen sind Koliken, Durchfall, Fieber und starke Muskelschmerzen. Die Infektion kann tödlich enden. Die Trichinose wird durch den mikroskopischen Nachweis von Larven oder einem Antikörpernachweis diagnostiziert. Therapiert wird mit Mebendazol. Die Erkrankung ist in Deutschland durch die vorgeschriebene Trichinenschau von Schlachtvieh sehr selten geworden.

Infektionen mit den beschriebenen Würmern kommen in unseren Breiten vor. Es gibt aber noch viele schmarotzende Nematoden, die wärmere Klimazonen bevorzugen. Zu nennen sind hier die Mikrofilarien Onchocera volvulus, der Erreger der Flussblindheit oder Loa loa, der durch Bremsen der Gattung Chrysops übertragen wird und nur im tropischen Regenwald Afrikas vorkommt. Loa loa löst die Loiasis aus. Kalabar-Beulen (hier sind die adulten Würmer) und Filarien in der Bindehaut sind charakteristisch. Auch die Hackenwürmer Ankylostoma duodenale (Hackenwurm der alten Welt) und Necator americanus (Hackenwurm der neuen Welt) brauchen für die Entwicklung ihrer Eier zu Larven Temperaturen um die 25ºC und hohe Luftfeuchtigkeit. Sie kommen daher in den Tropen oder Subtropen beziehungsweise im tropischen oder subtropischen Amerika vor. Die Hackenwürmer verursachen Eisenmangelanämien und sind Darmbewohner des Menschen.


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