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Epilepsie (engl. epilepsy)

Mit Epilepsie wird eine anfallsartige, plötzlich auftretende Funktionsstörung des Gehirns bezeichnet. Sie äußert sich in Krämpfen, unwillkürlichen Bewegungsabläufen oder Bewusstseinsveränderungen. Ursächlich sind exzessive neuronale Entladungen im Gehirn. Das Elektrolytgleichgewicht der Transmittersubstanzen an den Synapsenenden ist gestört. Etwa 0,5-1% der westlichen Bevölkerung sind Epileptiker. Die Krankheit setzt meist im Alter von 2 bis 14 Jahren ein.

Welche Ursachen kann die Erkrankung haben?

Die Epilepsie hat meist keine erkennbaren Ursachen. Nur in etwa 30 bis 50% der Fälle lassen sich Gründe für die Erkrankung finden. Bekannte Auslöser sind: Gehirntumoren, Gehirnverletzungen, Hirnfehlbildungen, Gehirnentzündungen, Schädigungen von Gehirn und Nerven durch Gifte oder Alkohol, Hirnhautentzündungen, Stoffwechselerkrankungen oder äußere Reize wie Schlafentzug und Stress.

Welche Formen von Anfällen gibt es?

Die Anfälle treten in generalisierter oder partieller Form auf. Generalisierte Anfälle betreffen beide Hemisphären des Gehirns. Der Ursprungsort des Anfalls kann oft nicht lokalisiert werden. Bewusstseinsverlust und große epileptische Krampfanfälle (Grand mal) sind charakteristisch. Bei Kindern finden auch kleine epileptische Anfälle (Petit mal) statt. Partialanfälle, die so genannten fokalen Anfälle, gehen von einem Areal der Hirnrinde aus und bleiben meist auf eine bestimmte Hirnregion beschränkt. Die Betroffenen bleiben meistens trotz abnormer Sinneseindrücke oder Bewegungen bei Bewusstsein. Komplexe fokale Anfälle gehen mit einer Störung des Bewusstseins einher und sind auf eine Störung im Schläfenlappen zurückzuführen.

Welche Symptome treten bei epileptischen Anfällen auf?

Ein großer generalisierter Anfall (Grand mal) ist durch folgende Symptome charakterisiert:
Manche Epileptiker verspüren vor dem Anfall eine Aura (verändertes Geräusch- oder Geruchsempfinden). Auch Übelkeit und Atemnot werden wahrgenommen. Der eigentliche Anfall beginnt mit dem Verlust des Bewusstseins. Der Betroffene stürzt zu Boden, die Muskeln werden starr (tonische Phase). Durch das Zusammenziehen der Bauchmuskeln wird Luft aus der Lunge in den Kehlkopf gepresst, die betroffene Person stößt einen Schrei (Initialschrei) aus. Die Atmung kann kurzzeitig aussetzen, die Haut läuft blau an. Die unteren Gliedmaßen strecken sich, die oberen beugen sich. Nach ca. 1 Minute beginnt die klonische Phase. Alle Gliedmaßenmuskeln ziehen sich zusammen. Die Atmung setzt wieder ein. Häufig kommt es zu unkontrolliertem Urin- und Stuhlabgang. Zuweilen ist auch ein Zungenbiss möglich. Die Erholungsphase tritt nach drei bis fünf Minuten ein. In der folgenden Verwirrtheitsphase fühlt sich die betroffene Person müde und leidet unter Kopfschmerzen. An den Anfall kann sie sich nicht mehr erinnern.

Ein generalisierter kleiner Anfall dauert meist weniger als 15 Sekunden. Die Betroffenen verlieren kurzzeitig ihr Bewusstsein, sie stürzen aber nicht zu Boden und es kommt auch nicht zu unkontrollierten Bewegungen. Die dem Anfall vorangegangenen Tätigkeiten können wieder aufgenommen werden.

Welche Faktoren können die Auslösung eines Anfalls fördern?

In manchen Fällen wird der Anfall durch hormonelle Veränderungen (Schwangerschaft, Menstruation) oder sensorische Reize (Licht, Berührungen und Geräusche, usw.) provoziert. Weithin wirken sich Schlafmangel, Alkohol- und Drogenkonsum sowie Sauerstoffmangel ungünstig aus.

Wie wird ein akuter epileptischer Anfall behandelt?

Ein akuter Anfall kann durch Medikamente unterbrochen werden (z.B. Diazepam). Sehr häufig ist aber kein Eingreifen nötig und der Anfall endet nach kurzer Zeit von selbst. Hilfreiche Maßnahmen sind das Entfernen von hinderlichen Gegenständen. Der Epileptiker sollte nicht festgehalten werden. Übergibt sich der Betroffene so sollte er in die stabile Seitenlage gebracht werden und dort während des Schlafzustandes verbleiben. Bei andauernden, wiederkehrenden Krampfanfällen (Status epilepticus) muss ärztlich eingegriffen werden. Bei unzureichender Behandlung kann es zu einem Gehirnschaden oder zum Tod kommen. Es sollte umgehend mit intravenösen Antikonvulsiva behandelt werden.

Wie wird die Diagnose gestellt?

Im Elektroenzephalogramm (EEG) können abnorme Gehirnwellenmuster aufgezeichnet werden. Bei der Elektroenzephalographie wird die elektrische Hirntätigkeit gemessen. Möglicherweise lässt sich sogar der Krampfherd lokalisieren. Durch eine Computertomographie oder Kernspintomographie des Gehirns können organische Ursachen (bsp. Hirntumor) ausgeschlossen werden.

Welche Therapien gibt es?

Bei fassbaren Hirnerkrankungen (bsp. Hirntumoren) muss die Ursache beseitigt werden. Sind charakteristische Auslösefaktoren bekannt, wie zum Beispiel Schlafmangel oder Stroboskoplicht, so müssen diese Faktoren konsequent gemieden werden. 60 -70% der Patienten kann durch eine Langzeittherapie mit antikonvulsiven Medikamenten (Antiepileptika) geholfen werden. Bei bestimmten Epilepsieformen und unzureichender Wirksamkeit der Antiepileptika ist eine operative Behandlung möglich. 50 -70% der Patienten, die auf die Antiepileptika nicht ausreichend positiv reagieren, werden durch eine Operation (Epilepsiechirurgie) anfallsfrei.


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