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Borderline Störung (engl. borderline personality disorder)

Bei einer Borderline Störung handelt es sich um eine Persönlichkeitsstörung, die sich durch ein tief greifendes Fehlverhalten äußert. Dies führt zu zwischenmenschlichen und gesellschaftlichen Konflikten. Das Beschwerdebild ist vielgestaltig. Die Krankheit ist für den Betroffenen und die Umgebung oft kaum erträglich und quälend, da die Patienten sehr wankelmütig in Bezug auf ihre Stimmungen, Selbsteinschätzungen, ihr Verhalten und ihre Beziehungen sind. Die Störung beginnt meist schon im frühen Erwachsenenalter, ihre Häufigkeit nimmt mit dem Alter ab. Frauen sind wesentlich häufiger betroffen. Es wird geschätzt, dass etwa ein bis zwei Prozent der Bevölkerung im Laufe ihres Lebens an einer Borderline Störung erkrankt.

Ursachen

Das Erkrankungsbild kann nicht auf eine Ursache reduziert werden, vielmehr geht man davon aus, dass mehrere Gründe zusammenwirken, damit sich eine Borderline Störung ausbildet.

Angeborene Charaktereigenschaften, wie Impulsivität, Sensibilität und die Neigung zu extremen Emotionen, stellen einen begünstigenden Erkrankungsfaktor dar.

Sehr häufig finden sich bei Borderline-Patienten traumatische Kindheitserlebnisse. Zu denken ist hier an Missbrauchserfahrungen körperlicher und/oder sexueller Natur, aber auch an den Tod eines Elternteils, die Scheidung der Eltern sowie die Vernachlässigung und Verwahrlosung des Kindes.

Verschiedene Erziehungsstile scheinen bei entsprechender Veranlagung die Borderline Störung zu begünstigen. Zum einen ist dies eine Erziehungsform, bei der die Grenzen und Konsequenzen ständig neu festgelegt werden. Weiterhin ein Erziehungsstil, bei dem eine übermäßige Nähe zwischen Eltern und Kind herrscht und sich das Kind gefühlsmäßig nicht abgrenzen kann. Eine emotionale Vernachlässigung oder Gleichgültigkeit können sich ebenfalls ungünstig auswirken.

Erkrankungsbild

Die typischen Symptome der Borderline Störung lassen sich folgendermaßen charakterisieren:
  • Borderline-Patienten haben oft sehr stürmische und intensive persönliche Beziehungen, die aber häufig wechseln. Am Anfang der Beziehung wird der Partner als ideal hochstilisiert; genügt dieselbe Person aber nicht bedingungslos den Ansprüchen des Borderline Patienten ("er ist nicht ausnahmslos immer für ihn da"), fällt sie schnell in "völlige Ungnade". Die Partnerschaft wird nach einem Schwarz-Weiß-Denkmuster beurteilt, bei der es keine Grautöne gibt. Diese Denkweise lässt sich in viele Bereiche transportieren und äußert sich auch im Therapeuten-Patienten-Verhältnis, was zu häufigem Wechsel der Therapeuten führt.
  • Bei Menschen mit einer Borderline Störung variiert die Wahrnehmung und Einschätzung der eigenen Person extrem. Merkmale dafür sind häufig wechselnde Berufswünsche oder Wertvorstellungen. In für sie emotional sehr belastenden Situationen - wie dem (auch nur angenommenen) Verlassenwerden von einer Bezugsperson - fühlen sie sich nicht weiter existent, das heißt, sie fühlen sich unwirklich.
  • Häufig klagen Borderline Patienten über ein inneres Gefühl der Leere und quälende Langeweile, dem sie mit Suche nach Beschäftigung begegnen.
  • Fast 80 Prozent der Betroffenen entwickeln im Laufe ihres Lebens ein selbstverletzendes oder selbst gefährdendes Verhalten. Selbstverletzungen, wie selbst zugefügte Schnitte, Brandwunden oder Blutablassen, werden nicht in Selbstmordabsicht durchgeführt, sondern um sich selbst wieder zu spüren. Das selbst gefährdende Verhalten manifestiert sich in Drogen- und Medikamentenmissbrauch, Essstörungen, aber auch Glücksspiel und rasantem Autofahren. Selbstmordandrohungen oder Suizidversuche finden sich bei Patienten mit einer Borderline Störung jedoch häufig.
  • Die Gefühlsstimmung der Betroffenen ist äußerst wechselhaft. Vor allem, wenn sie fürchten, dass sie verlassen oder zurückgewiesen werden, haben sie oft unangemessene und heftige Wutausbrüche und reagieren äußerst impulsiv. Auf der anderen Seite treten gedrückte Stimmungen mit Angst und Verzweiflung auf.
  • Bei extremen Belastungen können Menschen mit einer Borderline Störung auch völlig den Bezug zur Wirklichkeit verlieren und an psychotischen Denkmustern, Wahnvorstellungen und Halluzinationen leiden.

Diagnose

Mithilfe strukturierter Interviews können die Merkmale der Borderline Störung ermittelt werden. Die Krankheitsmerkmale treten dauerhaft auf und nicht nur für einen kurzen Lebensabschnitt. Der Beginn liegt in der Kindheit und dem Jugendalter und erstreckt sich bis in das Erwachsenenalter. Um die Diagnose "Borderline Störung" zu stellen, müssen wenigstens drei der folgenden Verhaltensweisen oder Eigenschaften vorhanden sein:
  • Die Tendenz zu unerwarteten, impulsiven Handlungen, ohne die Konsequenzen zu berücksichtigen;
  • Häufige Streitereien oder Konflikte mit anderen Personen, vor allem wenn diese die impulsiven Handlungen kritisieren;
  • Die Neigung zu Ausbrüchen mit Gewalt und Wut, ohne jegliche Verhaltenskontrolle;
  • Probleme, Handlungen beizubehalten, die nicht unmittelbar belohnt werden;
  • Unberechenbare und unbeständige Stimmungen.
Zudem sollten noch wenigstens zwei der folgenden Merkmale erfüllt sein:
  • Chronisches Gefühl der inneren Leere;
  • Persönliche Vorlieben (auch sexuelle), Ziele und eigenes Selbstbild sind unklar oder gestört.
  • Neigung zu intensiven, aber unbeständigen Beziehungen, denen oft emotionale Krisen folgen;
  • Übertriebene Bemühungen, das Verlassenwerden zu vermeiden;
  • Suiziddrohungen oder Handlungen mit Selbstbeschädigung.

Behandlung

Die Dialektisch-behaviorale Therapie stellt ein strukturiertes Programm dar, welches speziell für Borderline Patienten entwickelt wurde. Die Betreuung erfolgt ambulant, kann jedoch bei starker Selbstgefährdung vorübergehend stationär stattfinden. Die Dialektisch-behaviorale Therapie umfasst mehrere Stufen:

Die Vorbereitungsphase stellt eine Ist-Aufnahme dar, bei der vorhergehende Therapeutenwechsel und Problembereiche des Patienten erfragt werden. Die Betroffenen werden umfassend über die Borderline Störung und das Therapieprogramm informiert.

In einem weiteren Schritt werden verschiedene borderlinetypische Verhaltensweisen analysiert und es wird mit dem Betroffenen erarbeitet, wie er mit schwierigen Situationen und Gefühlen konstruktiv umgehen kann. Das Training umfasst auch Themen, wie innere Achtsamkeit, Stresstoleranz oder zwischenmenschliche Fähigkeiten. Das Üben von angemessenen Reaktionen erfolgt auch in der Gruppe.

Erst in einer weiteren Behandlungsphase geht es um die Therapie der Folgen der traumatischen Erlebnisse. Jedoch müssen bereits eine Stabilität der Lebensumstände und die Fähigkeit im Umgang mit den starken Emotionen, die diese Ereignisse auslösen, vorhanden sein. Ziel dieser Behandlungsphase ist es, die traumatischen Ereignisse als Vergangenheit abzuhaken und vor Erinnerungen zu schützen, die an sie erinnern.

Schließlich sollen die erlernten Verhaltensweisen in den Alltag eingebunden werden.

Unterstützend werden bei der Borderline-Erkrankung manchmal auch Medikamente (bsp. Neuroleptika) eingesetzt. Dies ist jedoch nicht immer der Fall.

med. Redaktion Dr. med. Werner Kellner
Aktualisierung 20.06.2008


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