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Blasenschwäche (engl. urinary incontinence)

Bei einer Blasenschwäche oder Harninkontinenz kann der Harnabgang nur unzureichend kontrolliert werden. Es kommt zum ungewollten Harnverlust. Blasenschwäche ist kein eigenständiges Krankheitsbild, sondern nur ein Symptom. Es tritt bei Erkrankungen der Harnblase, der Harnröhre und des Harnröhrenverschlusses auf.

Die Harninkontinenz ist ein häufiges Problem. Genaue statistische Werte liegen nicht vor. Es wird jedoch davon ausgegangen, dass ungefähr 3 bis 6 Millionen Menschen in Deutschland von Blasenschwäche betroffen sind.

Harninkontinenz betrifft wahrscheinlich 10 bis 20% aller Frauen. Sie nimmt mit steigendem Lebensalter und der Anzahl der Geburten zu. Bei Männern ist die Harninkontinenz sehr häufig auf eine gutartige Vergrößerung der Prostata zurückzuführen. Man geht daher davon aus, dass die Zahl der Betroffenen mit höherem Lebensalter ansteigt.

Welche Ursachen kann die Blasenschwäche haben?

Je nach Ursache der Blasenschwäche geht der Harn ständig oder nur in bestimmten Situationen tröpfchenweise ab oder es kommt zum Harnverlust in größeren Mengen (Enureses = Einnässen). Es werden verschiedene Formen der Blasenschwäche unterschieden:

1. Dranginkontinenz

Bei der Dranginkontinenz haben die Betroffenen einen solch starken Harndrang, dass sie häufig den Urin nicht mehr bis zum Erreichen der Toilette zurückhalten können. Dabei ist die Harnblase meistens nicht einmal voll. Diese Form der Blasenschwäche kann verschiedene Ursachen haben. Bei der sensorischen Dranginkontinenz ist die Blasenschleimhaut so gereizt, dass ein verstärkter Harndrang bereits bei geringer Füllung ausgelöst wird. Die Reizung kann durch eine Blasenentzündung, Blasensteine, Tumoren oder durch den Druck von Nachbarorganen verursacht werden. Letzteres ist beispielsweise der Fall bei einer Vergrößerung der Prostata oder in der Schwangerschaft durch die Ausdehnung der Gebärmutter.

Bei der motorischen Dranginkontinenz sind die Muskeln der Harnblasenwand stärker angespannt. Bestimmte Nervenimpulse beeinflussen die entsprechenden Muskeln (Musculus detrusor) derart, dass die Entleerung der Harnblase bereits bei normaler Füllung erfolgt. Die Ursachen können psychosomatischer Natur sein (Aufregung, Angstzustände, seelische Konflikte).

2. Stressinkontinenz oder Belastungsinkontinenz

Bei der Stressinkontinenz kommt es zum unwillkürlichen Harnverlust, wenn der Druck im Bauchraum steigt. Dies ist beispielsweise der der Fall beim Lachen, Husten. Niesen, Heben, Tragen und Treppensteigen. Bei schwerer Stressinkontinenz kommt es bereits bei unanstrengenden Bewegungen oder im Liegen zum unfreiwilligen Abgang von Urin.

Die Stressinkontinenz tritt dann auf, wenn der Druck in der Harnblase höher ist als der Verschlussdruck der Harnröhre. Hauptursache der Stressinkontinenz bei Frauen ist die Folge mehrerer Spontangeburten. Es kommt zu einer Schwächung der Beckenbodenmuskulatur. Die Organe sinken sich ins kleine Becken ab. Bei erhöhtem Bauchinnendruck wirkt sich dieser auf den Druck in der Blase aus, aber nicht auf den Verschlussdruck der Harnröhre. Bei Männern ist die Stressinkontinenz meist die Folge einer Schädigung des äußeren Blasenschließmuskels nach Unfällen oder Operationen.

3. Überlaufinkontinenz

Diese Form der Inkontinenz entsteht durch eine ständig übervolle Harnblase infolge von Abflussstörungen. Da der Harnblasendruck schließlich den zurückhaltenden Verschlussdruck übertrifft, tritt ein ständiges Harnträufeln auf. Ursachen dieser Inkontinenzform sind gutartige Vergrößerungen der Prostata, selten hochgradige Verengungen der Harnröhre. Aber auch eine Erkrankung oder Schädigung bestimmter Nerven im Rückenmark kann zur Überlaufinkontinenz führen. Dies ist beispielsweise der Fall bei chronisch schlecht eingestelltem Diabetes mellitus. Häufig kommt es bei der Überlaufinkontinenz auch zur so genannten Restharnbildung, da die Betroffenen Schwierigkeiten haben, die Harnblase willentlich vollständig zu entleeren. Eine weitere Folge kann auch der Rückstau des Urins in die Harnleiter und Nieren sein. Ein zunehmender Funktionsverlust der Nieren oder eine Urämie (Harnvergiftung) können die Folge sein.

4. Reflexinkontinenz

Bei der Reflexinkontinenz wird die Harnblase auch nur bei geringem Harndrang ungewollt aktiv entleert. Ursache ist ein Defekt der nervlichen Steuerungsmechanismen, wie sie zum Beispiel nach einer Querschnittslähmung oder bei Demenzkranken auftreten.

Welche Diagnosemöglichkeiten gibt es?

Ziel ist es, die Form der vorliegenden Harninkontinenz herauszufinden. Wichtig dafür ist die genaue Schilderung der Beschwerden durch den Patienten. Ebenso gibt die Krankengeschichte wichtige Hinweise.

Abhängig von den Beschwerden können sich verschiedene Untersuchungen anschließen:
  • Zytometrie und Uroflowmetrie: Drücke im Bauchraum und in der Harnblase werden gemessen. Die ausgeschiedene Harnmenge bestimmt.
  • Röntgenaufnahmen von Harnblase und Harnröhre;
  • Ultraschalluntersuchung der harnableitenden Organe,
  • Spiegelung (Urethrozystoskopie) von Harnröhre und Harnblase;
  • Untersuchung des Urins (Harnanalyse), um einen Harnwegsinfekt auszuschließen.
Wie wird die Harninkontinenz behandelt?

Eine einheitliche Therapie ist nicht möglich, sondern die Behandlung richtet sich nach den zugrunde liegenden Ursachen. Meist verschwindet die Blasenschwäche, wenn die Ursache (Blasensteine, Tumoren, Entzündungen, Prostatavergrößerung) behoben wurde. Dazu können Medikamente (Antibiotika, Spasmolytika, usw), physiotherapeutische Maßnahmen oder speziellen Operationen nötig sein. Gerade muskulär bedingte Inkontinenz, die auf den Verlust der normalen Muskelfunktionen der Harnblase oder des Beckenbodens zurückzuführen sind, kann geheilt oder zumindest vermindert werden.


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