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Aneurysma (engl. aneurysm)

Ein Aneurysma ist eine Ausweitung einer Arterie infolge angeborener oder erworbener Wandveränderungen. Meistens ist die Aorta - die Hauptschlagader - betroffen. Die Gefäßwanderweiterungen können sehr unterschiedliche Formen annehmen. Möglich ist beispielsweise ein sack-, spindel- oder kahnförmiges sowie schlangenförmiges Aussehen. Auch ein Trauben- oder Rankenaneurysma ist möglich. Für gewöhnlich ist der Teil der Gefäßwand erweitert, dessen Gewebe geschwächt ist. Der Druck, der in der Arterie herrscht, beult diesen geschwächten Gefäßbereich aus. Das Aneurysma entwickelt sich meistens langsam über Jahre hinweg. Es bereitet in der Regel auch lange Zeit keine Beschwerden. Wird ein Aneurysma nicht behandelt, kann es platzen und es kommt zu inneren Blutungen. Dies stellt einen medizinischen Notfall dar, bei dem sofort interveniert werden muss. Der Anteil von Aneurysmen in der gesamten Bevölkerung wird auf circa ein bis fünf Prozent geschätzt.

Wo im Körper finden sich Aneurysmen?

Die Aneurysmen können überall im Verlauf der Aorta entstehen. Ungefähr 75 Prozent bilden sich in dem Abschnitt, der den Bauchraum durchläuft (Bauchschlagader), der Rest betrifft den Teil, der sich im Brustraum befindet (Brustschlagader). Natürlich können auch in anderen Arterien die unnatürlichen Gefäßerweiterungen auftreten. Dazu zählen: die Arterien im Kniebereich (Poplitealarterie), die Hauptarterien in den Oberschenkeln (Femoralarterien), die Karotiden (Arterien, die den Kopf versorgen), die Zerebralarterien (versorgen das Gehirn) und die Koronararterien (führen dem Herzen Blut zu). Bei älteren Menschen findet man die Aneurysmen häufig dort, wo sich die Arterien verzweigen, wie beispielsweise an der Gabelung der Bauchschlagader in die Bein versorgenden Arterien. Im Folgenden wird hauptsächlich auf Aneurysmen der Hauptschlagader eingegangen.

Anatomie

Die Aorta hat einen Durchmesser von circa 2,5 Zentimetern und stellt die größte Arterie des Körpers dar. Sie nimmt sauerstoffreiches Blut aus der linken Herzkammer auf und versorgt damit alle Bereich des Körpers (Ausnahme Lunge) mit Blut. Kurz, nachdem die Aorta das Herz verlässt - im Bereich des sogenannten Aortenbogens - verzweigt sie sich in kleinere Arterien, die den Kopf und die Arme versorgen. Auf ihrem Weg von der linken Herzkammer bis zur unteren Bauchregion (Hüftknochen) zweigen immer wieder kleinere Arterien ab. Am oberen Ende des Hüftknochens verzweigt sich dieses Gefäß in zwei Schlagadern, welche die Beine versorgen.

Welche Faktoren können zu einem Aneurysma führen?

Folgende Faktoren können die Gefäßwände schwächen und ein Aneurysma begünstigen:
  • Arteriosklerose ("Adernverkalkung"): Dies ist der häufigste Grund für die Ausbildung eines Aneurysmas. Vor allem ältere Menschen sind davon betroffen.
  • Verletzungen mit einem stumpfen Gegenstand;
  • Infektionen und entzündliche Erkrankungen, wie bsp. eine Grippe, die Syphilis oder rheumatisches Fieber;
  • Vererbte Erkrankungen des Bindegewebes, wie das Marfan-Syndrom: Hier bildet sich das Aneurysma gleich dort, wo die Aorta aus dem Herzen entspringt.
Weitere Risikofaktoren, an einem Aneurysma zu erkranken, sind der Bluthochdruck, Zigarettenrauchen, Blutfettstoffwechselstörungen und die Zuckerkrankheit.

Welche Gefahren gehen von einem Aneurysma aus?

Aneurysmen können nicht nur reißen und damit innere Blutungen auslösen, sondern sie sind auch häufig Ausgangspunkt für Blutgerinnsel (Thromben). Dies führt man auf den geringeren Blutfluss in der Gefäßaussackung zurück. Ein Gerinnsel kann sich über die gesamte Wand des Aneurysmas ausdehnen. Löst sich ein Stück ab, wird es mit dem Blutstrom mitgerissen und verschließt andere Arterien (Embolie). Je nachdem, wo es zum Verschluss kommt, entsteht eine Lungenembolie oder ein Hirninfarkt.

Symptome eines Bauchaortenaneurysmas

Ein solches Aneurysma tritt dort auf, wo die Aorta den Bauchraum durchläuft. Am häufigsten findet es sich bei Männern zwischen 50 und 80 Jahren. Etwa 20 Prozent der Bauchaortenaneurysmen reißen irgendwann.

Bei den meisten solcher Gefäßerweiterungen bestehen lange keine Symptome. Treten diese - oft unspezifischen Krankheitszeichen auf - so deutet dies oft auf Komplikationen hin. Klassische Beschwerden sind Schmerzen im Ledenwirbelbereich. Der Schmerz kann in das Gesäß und das Bein ausstrahlen. Der Schmerzcharakter ist mit einem "Ischias" vergleichbar. Es können jedoch auch Bauch- und Flankenschmerzen auftreten. Manche Patienten haben auch pulsierende Gefühle im Bauchraum. Weitere Symptome der Erkrankung können chronische Verstopfung, Erbrechen, Appetitlosigkeit und blutige Stühle sein.

Kommt es zur Ruptur des Gefäßes, so tritt ein unerträglicher Schmerz im unteren Bauchraum und Rücken auf. Ist die innere Blutung schwer, so erleidet der Betroffene schnell einen Schock. Damit der Patient nicht innerlich verblutet, muss sofort operiert werden. Eine weitere bedrohliche Komplikation eines Aneurysmas ist der akute Verschluss einer Beinarterie. Der Schmerz im betroffenen Bein wird als vernichtend empfunden. Die Extremität ist blas und kalt; es können keine Pulse an den Beinarterien getastet werden. Die Ursache sind meist Blutgerinnsel, die im Aneurysma entstanden sind und sich gelöst haben und die Beinarterie verschließen. Das Gerinnsel muss schleunigst aufgelöst oder entfernt werden, um den Verlust des Beines zu vermeiden.

Diagnose des Bauchaortenaneurysmas

Die meisten Menschen mit einem Aneurysma haben keine Beschwerden; das Aneurysma wird eher zufällig beim Röntgen oder Ultraschall diagnostiziert. Der behandelnde Mediziner kann beim Abtasten des Bauches bisweilen eine pulsierende Masse spüren. Mit dem Stethoskop ist ein zischendes Geräusch wahrnehmbar. Aneurysmen, die sich rasch vergrößern und zur Ruptur (= Zerreißen) neigen, sind empfindlich und führen zu Schmerzen. Um ein Aneurysma zu erkennen und seine Größe zu bestimmen, dient für gewöhnlich der Ultraschall. Auch zur Kontrolle des Aneurysmas wird diese Untersuchungsmethode eingesetzt. Ganz genau können Größe und Form des Aneurysmas mit der Magnetresonanztomografie und der Kontrastmittel-Computertomografie ermittelt werden.

Behandlung des Bauchaortenaneurysmas

Aneurysmen, die einen Durchmesser von weniger als fünf Zentimeter aufweisen, reißen nur selten. Die Patienten erhalten in der Regel blutdrucksenkende Medikamente. Die Entwicklung der Gefäßveränderung wird in bestimmten Abständen kontrolliert. Bei Aneurysmen, die einen Durchmesser von mehr als sechs Zentimeter haben, kommen Risse wesentlich häufiger vor. In diesem Fall kann es angezeigt sein, zu operieren. Mithilfe eines Implantates wird der geschädigte Bereich der Aorta überbrückt. Es gibt zwei Methoden, um das Implantat zu platzieren. Die klassische Bauchoperation unter Vollnarkose, die drei bis sechs Stunden dauert oder eine weniger invasive Methode, bei der ein sogenannter Stent-Graft eingesetzt wird. Der Eingriff kann unter Rückenmarknarkose erfolgen; das Implantat wird quasi von innen über die Leistenarterie in Position gebracht. Bei einem Riss oder einer drohenden Ruptur erfolgt eine Notoperation.

Symptome thorakaler Aortenaneurysmen

Diese Form von Aneurysmen tritt in dem Teil der Aorta auf, die den Brustraum (Thorax) durchläuft. Auch Aortenaneurysmen im Bustraum können recht groß werden, bevor sie Beschwerden verursachen. Die Beschwerden entstehen, wenn die Aorta sich ausdehnt und auf umliegendes Gewebe drückt. Charakteristisch sind dann Schmerzen im oberen Rückenbereich sowie Husten (selten Bluthusten) und Keuchen. Drückt das Aneurysma auf die Speiseröhre, kommt es zu Beschwerden beim Schlucken. Ist der Nerv betroffen, der zum Kehlkopf führt, so stellt sich Heiserkeit ein. Schließlich ist auch eine bestimmte Konstellation von mehreren Symptomen möglich, wenn bestimmte Nerven im Brustraum gereizt werden. Man spricht dann vom sogenannten Horner-Syndrom. Zu diesen Symptomen zählen: verengte Pupillen, hängende Augenlider und einseitiges Schwitzen im Gesicht. Kommt es zu einer Ruptur des Aneurysmas, so empfindet der Patient vernichtende Schmerzen, die zunächst im oberen Teil des Rückens lokalisiert sind. Die Schmerzen können bis in den Unterleib oder auch in die Arme und die Brust ausstrahlen. Der Betroffene kann schnell einen Schock erleiden und an den inneren Blutungen sterben.

Diagnose des thorakalen Aortenaneurysmas

Diese Form des Aneurysmas wird oft zufällig oder anhand der Symptome diagnostiziert. Um die genaue Größe des Gefäßleidens feststellen zu können, kommen mehrere Untersuchungsmethoden in Betracht. Dazu zählen: Computertomografie, Szintigrafie, transösophageale Sonografie (Ultraschall über die Speiserröhre). Ob eine Operation erfolgen muss und wenn ja welche, wird anhand weiterer Untersuchungen entschieden (Aortographie, MRT, CT-Angiographie).

Behandlung des thorakalen Aortenaneurysmas

Ist das Aneurysma größer als sechs Zentimeter, wird meist zu einer Operation geraten. Bei Patienten, die unter dem Marfan-Syndrom leiden, auch schon früher. Dabei wird - ähnlich wie bei einem Bauchaortenaneurysma - ein Implantat eingesetzt.

Aneurysmen in anderen Arterien

Wie eingangs erwähnt, können sich Aneurysmen auch in Arterien, wie im Kniebereich (Poplitealarterien), den Oberschenkeln (Femoralarterie), den Halsschlagadern (Karotiden) oder in den Gefäßen, die das Gehirn (Zerebralarterien) oder das Herz (Koronararterien) versorgen, bilden. Auch bei diesen Gefäßleiden liegen angeborene Gewebsschwächen oder die Arteriosklerose zugrunde. Ebenso können sie die Folge von Verletzungen oder Infektionen sein, die ihren Ursprung in anderen Teilen des Körpers haben (bsp. an einer der Herzklappen).

Die meisten Aneurysmen in diesen Bereichen bleiben symptomlos. Jedoch können sich in diesen Gefäßaussackungen Blutgerinnsel bilden, die dann zu Embolien im Körper führen. Die Aneurysmen der Popliteal- oder Femoral-, der Herzkranzarterien oder der Halsschlagadern reißen nur selten. Die Gefäßaussackungen in den Karotiden, den Femoralarterien oder in den Poplitealarterien (> 2,5 Zentimeter Durchmesser) werden für gewöhnlich operativ behoben.

Eine besondere Bedeutung kommt den Aneurysmen in den Arterien des Gehirns zu. Platz hier ein Aneurysma, so kommt es - je nach Lokalisation - zu einer Einblutung zwischen der Unterseite des Gehirns an der Schädelbasis und der weichen Hirnhaut (Arachnoidea). Diese Form der Blutung wird Subarachnoidalblutung genannt. Sie kann auch ins Hirngewebe und die Hirnkammern einbrechen. Auslöser dieser Ruptur (= Platzen des Gefäßes) können beispielsweise körperliche Anstrengungen (Geschlechtsverkehr) oder Pressen auf der Toilette sein. Das Ereignis kann aber auch im Schlaf auftreten.

Typische Symptome, die auftreten, sind akute Kopfschmerzen. Sie können von Nackensteifigkeit sowie Übelkeit und Erbrechen begleitet sein. Zusätzlich können (müssen aber nicht) anfängliche Bewusstlosigkeit, Bewusstseinseintrübung, Lähmungserscheinungen oder Krampfanfälle auftreten.

Ein geplatztes Aneurysma der Hirnarterien bedarf sofortiger ärztlicher Behandlung in einem Krankenhaus (Neurochirurgie).

med. Redaktion Dr. med. Werner Kellner
Aktualisierung 19.06.2008


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