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Stuhlinkontinenz

Unter Stuhlinkontinenz versteht man die Unfähigkeit, Stuhl (Kot) und Darmgase zurückzuhalten. Es kommt zum ungewollten Abgang von Stuhl.

Vor allem ältere Leute sind von einer Stuhlinkontinenz betroffen. Bei den über 65-Jährigen zeigen etwa 10 Prozent Symptome, in Pflegeheimen sind es deutlich mehr. In jungen Jahren sind mehr Frauen als Männer von einer Stuhlinkontinenz betroffen, im höheren Alter ist die Verteilung bei beiden Geschlechtern gleich.

Im Vergleich zur Harninkontinenz ist die Stuhlinkontinenz seltener.

Ursachen der Stuhlinkontinenz

Für gewöhnlich verschließt ein komplexes Schließmuskelsystem den Darmausgang. Abhängig ist die Stuhlentleerung aber auch von einer intakten Steuerung des Großhirns, des Rückenmarks und der Nervenversorgung des Mastdarms.

Zahlreiche Faktoren können daher zu einer Störung der Darmentleerung führen:

  • Neurologische Störungen, wie Schlaganfall, Morbus Alzheimer, Folgen eines Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit; diabetische Neuropathie), Folgen einer Strahlenbehandlung (Strahlenproktitis);
  • Unterbrechungen der Nervenbahnen im Rückenmark bei einer Querschnittslähmung, Spina bifida („offener Rücken“) oder Multipler Sklerose;
  • Darmverletzungen und –tumoren (Mastdarmkrebs) oder Darmoperationen;
  • Entzündliche Prozesse in der Afterregion (Fisteln, chronisch-entzündliche Darmerkrankungen);
  • Der häufigste Grund einer Stuhlinkontinenz ist eine chronische Verstopfung, die zu einem anfallsweisen, nicht beherrschbaren Stuhldrang führen kann.

Spezielle Situation im Alter

Bei einer Stuhlinkontinenz im Alter spielen meist mehrere Faktoren eine Rolle. Eine Therapie wird dadurch erschwert. Die Inkontinenz kann ihre Ursache in einer Schwäche der Beckenbodenmuskulatur (Beckenbodenmuskeln sind Bestandteil des Schließmuskelsystems) haben. Hinzu können Alterserscheinungen, wie Demenz oder eine Arteriosklerose, kommen. Bisweilen schließt auch der Schließmuskel nicht genügend und gewährt dann keine ausreichende Abdichtung. Auch erspüren manche Menschen aufgrund einer diabetesbedingten nervalen (= die Nerven betreffend) Einschränkung die Darmfüllung nicht mehr.

Es kann auch sein, dass sich ältere Menschen bei einer Einweisung in ein Altenheim oder eine Klinik oft schwer psychisch belastet fühlen, was eine Inkontinenz begünstigen kann. Hinzu kommt, dass dem alten Menschen die Räumlichkeiten dort fremd sind und er den Weg zur Toilette nicht kennt oder nicht so schnell findet. Diese Liste ließe sich beliebig fortsetzen. Bei der Behandlung der Inkontinenz im Alter müssen daher viele Faktoren berücksichtigt werden.

Formen der Stuhlinkontinenz

Je nach Schwere der Stuhlinkontinenz werden drei Grade unterschieden:

Grad I (leichte Form): Es kommt zum unkontrollierten Abgang von Winden, die Wäsche ist bisweilen leicht verschmutzt. Fester Stuhl kann auf jeden Fall gehalten werden.

Grad II (mittlere Form): Der Betroffene leidet unter einem unkontrollierten Abgang von dünnflüssigem Stuhl und Winden. Gelegentlich geht auch fester Stuhl ab.

Grad III (schwere Form): Stuhl und Winde gehen vollständig unkontrolliert ab.

Die Diagnose

Zu Beginn der Diagnose steht ein ausführliches Arzt-Patientengespräch. Für viele Betroffene ist es peinlich, über dieses Thema zu reden, aber es ist notwendig, um eine Behandlung einleiten zu können. Zur Sprache kommen bestehende oder durchgemachte Erkrankungen (Parkinson, Diabetes usw.), Operationen im Analbereich, Medikation, Ernährungsweise usw.

Bei der körperlichen Untersuchung betrachtet der Mediziner den Analbereich und tastet den Enddarm mit dem Finger aus. Bei der Untersuchung wird auch der unterste Darmabschnitt gespiegelt (Proktoskopie).

Bisweilen werden noch weitere Untersuchungen durchgeführt. Messbar sind Größen, mit denen die Funktion des Schließmuskels (Rektum-Manometrie) sowie die Sensorik (Feingefühl) und die Dehnbarkeit des Enddarms ermittelt werden können.

Außerdem können durch eine Ultraschall-Untersuchung Schäden am Schließmuskel sichtbar gemacht werden. Mit Hilfe eines sogenannten Elektromyogramms ist es möglich, eine evtl. Schädigung des Pudendus-Nervs festzustellen, der für ein Halten des Stuhls auch wichtig ist. Er wird beispielsweise im Rahmen eines Diabetes mellitus geschädigt.

Wie wird die Stuhlinkontinenz behandelt?

Sinnvoll ist es, die Ursache zu behandeln. Sind jedoch mehrere Faktoren für die Inkontinenz verantwortlich – wie dies oft bei Betroffenen in Pflegeheimen der Fall ist – kann sich dies jedoch schwierig gestalten.

Konservative Behandlungsmethoden

Die Stuhlinkontinenz kann durch den Verzicht auf bestimmte Medikamente (Abführmittel, Antidepressiva, Parkinsonmittel), Kaffee und blähende Speisen gemindert werden.

Als pflegerische unterstützende Maßnahme bietet sich ein Darmtraining an. Der Betroffene geht dabei zu einem festgelegten Zeitpunkt (bsp. nach dem Frühstück oder Mittagessen) auf die Toilette. Dies geschieht auch, wenn er keinen Stuhldrang verspürt. Der Darm gewöhnt sich so daran, zu einem festgelegten Zeitpunkt zu entleeren. Ein Toilettentraining beinhaltet aber auch einen schnellen Zugang zur Toilette und evtl. auch einen Toilettenstuhl in der Nähe des Bettes.

Ist das Problem ein ständig dünnflüssiger Stuhl, der nicht mehr vom Betroffenen gehalten werden kann, so gibt es mehrere Methoden, den Stuhl einzudicken und die Kontinenz damit wiederherzustellen. Die Möglichkeiten reichen von Flohsamenschalen, die stark wasserbindend sind, bis zu Anti-Durchfallmitteln, wie Loperamid.

Durch Beckenbodentraining kann ein Zurückhalten des Stuhls ebenfalls geübt werden. Dazu hilft es, den Schließmuskel mehrmals täglich willkürlich zusammenzukneifen.

Operative Verfahren der Behandlung

In einigen Krankheitsfällen ist zu diskutieren, ob mit Operationsverfahren die Schließmuskelfunktion wieder hergestellt werden kann. Zu denken ist an eine Schließmuskeloperation oder eine Sphinkter-Ersatztherapie (Schließmuskelersatz). Jedoch müssen hier der Nutzen und die Risiken genau abgewägt werden.

Eine neuere Methode ist die sakrale Neurostimulation (Sakralnervenstimulation), bei der die für den Entleerungsvorgang notwendigen Nerven stimuliert werden.

Pflegerische Maßnahmen

Vor allem in Pflegeheimen begegnet man der Stuhlinkontinenz mit hygienischen Maßnahmen, wie Windelhosen oder Vorlagen.

Pflegerisch unabdingbar ist es, nach dem Stuhlgang eine sofortige gründliche Reinigung durchzuführen, um Hautschäden (Dekubitus -> siehe auch Dekubitusprophylaxe) zu vermeiden. Die Analregion des Betroffenen wird dazu gründlich mit Wasser gereinigt und gut abgetrocknet. Evtl. werden Wund- und Heilpasten aufgetragen, um Entzündungen vorzubeugen. Verunreinigte Gegenstände müssen mit Desinfektionssprays gereinigt werden. Die Pflegekraft selbst sollte eine Plastikschürze anziehen und Einmalhandschuhe tragen, die schnell entsorgt werden können.

Umgang mit der Pflegesituation

Die meisten Pflegemaßnahmen bei Stuhlinkontinenz führen zu einem unfreiwilligen Eindringen in die Intimsphäre eines anderen Menschen. Das ist für die Pflegeperson und den Betroffenen sehr schwierig und verlangt von den Angehörigen und Pflegekräften viel Einfühlungsvermögen und Taktgefühl. Bisweilen sind die Angehörigen von der Situation auch überfordert, und sei es nur, weil sie den Anblick und den Geruch von Stuhl in dünnflüssiger Konsistenz schwer ertragen. Doch dies ist bis zu einem gewissen Grad erlernbar. Wichtig ist es, dass sich die Angehörigen in dieser Situation Rat und Hilfe sowie praktische Tipps im Umgang mit der Stuhlinkontinenz holen.

Oft hilft eine gewisse Offenheit, Gelassenheit sowie Humor, um mit einer solchen Pflegesituation umzugehen.

Pflegehilfsmittel bei Stuhlinkontinenz

Klassische Hilfsmittel sind besonders aufnahmefähige Windelhosen, Einlagen oder Bettunterlagen.

Weitere Hilfsmittel sind sogenannte Fäkalkollektoren. Dabei handelt es sich um ein System, das direkt am After aufgeklebt wird. Er besteht aus einer Klebevorrichtung, einer Art Plastiksack, in dem der Stuhl gesammelt wird und einem Schlauchanschluss, mit dem der flüssige Stuhl abgeleitet werden kann.

Der Fäkalkollektor ist zweckmäßig, wenn der Stuhl eine flüssige Konsistenz hat und kontinuierlich ausgeschieden wird. Die Haut wird so geschützt und die Pflege erleichtert. Die Fäkalkollektoren eignen sich aber nur für komplett immobile und bettlägerige Personen.

Analtampos bestehen aus weichem Schaumstoff und werden direkt in den After eingeführt. Sie verhindern so, dass Stuhl austreten kann. Verspürt der Anwender Stuhldrang, so kann er der Tampon entfernen und sich entleeren. Die Tampons gibt es in verschiedenen Formen und Größen und können dadurch gut den verschiedenen Situationen angepasst werden.

Nachteilig auf den Tragekomfort wirkt sich aus, dass der Tampon als Fremdkörper im Enddarm empfunden wird und sich ein unangenehmes Tragegefühl bemerkbar machen kann, an das sich der Betroffene aber gewöhnen kann. Jedoch ist dies nicht immer möglich. Auch stößt der Analtampon bei Durchfall schnell an seine Grenzen.

Quellen:

Inkontinenz: Hilfen, Versorgung und Pflege, Brigitte Sachsenmaier

Pschyrembel Klinisches Wörterbuch, de Gruyter, Berlin 2004

Der große TRIAS-Ratgeber Hauskrankenpflege, 2006

med. Redaktion Dr. med. Werner Kellner
Aktualisierung 09.05.2011


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