Gemeinschaftliches Wohnen (selbst organisiert)

Bei dieser Wohnform gründen Privatpersonen ein „gemeinschaftliches Wohnprojekt“. Je nach Konzept leben dabei ältere und (auch jüngere Menschen) zusammen in einer Miet- oder Eigentumswohnung, einem Haus oder einer Wohnanlage. Leben mehrere Generationen zusammen, spricht man auch von einem „Mehrgenerationenwohnen“.

In der Wohngemeinschaft hat jeder Bewohner sein eigenes Zimmer. Küche, Bad und Gemeinschaftsraum werden geteilt. Diese Form der Alten-WG trifft man eher selten an. Häufiger gibt es die Hausgemeinschaft. Hier hat jeder eine eigene Wohnung. Daneben existieren noch Gemeinschaftsräume. Die Idee, die sich hinter dieser Wohnphilosophie verbirgt, sind gegenseitige Anteilnahme, Unterstützung im Alltag und auch Unterstützung im Krankheitsfall. Falls es nötig wird, beansprucht man die Hilfe von ambulanten Pflegediensten.

Die selbst organisierten Wohnprojekte sind heutzutage keine Rarität mehr. Will man mit Gleichgesinnten ein solches Projekt initiieren, kann man in der Planungs- und Umsetzungsphase schon auf vielfältige Erfahrungen anderer Initiatoren zurückgreifen (Beratungsstellen, Kontakte mit anderen Initiatoren). Die Bandbreite der bisher verwirklichten Projekte reicht von einer kleinen Hausgemeinschaft bis zu einer Wohnanlage, die fast die Ausmaße eines Dorfes hat.

Welche Typen des gemeinschaftlichen Wohnens gibt es?

Die Konzepte, die hinter solchen gemeinschaftlichen Wohnprojekten stehen, sind sehr heterogen. Meist lassen sie sich jedoch folgenden Varianten zuordnen:

  • Seniorenprojekte: Hier setzt sich die Wohn- und Projektgruppe ausschließlich aus Senioren zusammen.
  • Mehrgenerationenwohnen: Hier leben Alt und Jung, Singles und Familien zusammen. Meist handelt es sich dabei um größere Projekte, die eine spezielle Bauweise aufweisen.
  • Frauenprojekte: Hier leben ausschließlich Frauen zusammen. Der Hintergrund ist nicht unbedingt eine feministische Einstellung, sondern eher die Erkenntnis/Ansicht, dass Frauen mehr beziehungsorientiert sind als Männer.
  • Projekte mit speziellem Anschauungshintergrund: Hier kommen Menschen zusammen, die eine bestimmte Anschauung oder Lebenseinstellung miteinander teilen und ausgerichtet auf diese ihren Wohnraum und ihr Zusammenleben gestalten wollen. Dabei reicht die Palette von Wohngemeinschaften, die eine religiöse oder anthroposophische Ausrichtung haben, bis hin zu einem schwul-lesbischen Wohnprojekt.
  • Integriertes Wohnen: Diese Projekte werden oft von öffentlichen Trägern ins Leben gerufen und auch begleitet. Unterschiedlichste Bewohnergruppen, wie kinderreiche Familien, Alleinerziehende, Ältere, Behinderte usw., leben hier zum gegenseitigen Nutzen zusammen.

Die meisten Projekte sind häufig an folgenden baulichen Merkmalen ausgerichtet:

  • Standortwahl: ausreichende bis gute Infrastruktur, gut erreichbar;
  • Einzelwohnungen: großzügige Gestaltung, für eine Einzelperson mindestens ein eigener Schlafbereich;
  • Baustandard: barrierefrei (DIN 18025, DIN 18030 (neu)), möglichst energieeffizient und ökologisch;
  • Anordnung: Die einzelnen Gebäude oder Wohnungen werden so angeordnet, dass sie die Kommunikation fördern;
  • Wohnungstypen: Es gibt unterschiedliche Größen, da die Bedürfnisse und das finanzielle Polster der Bewohner auch unterschiedlich ist;
  • Gemeinschaftsräume und Außenanlagen: sehr einladend;
  • Aufenthaltsbereiche: verschiedene, für ruhige und lautere Aktivitäten;
  • Verschiedene Bereiche: Es gibt klare Grenzen zwischen privaten Wohnungen, halböffentlichen –der Projektgruppe zugänglichen Bereichen – und auch den Besuchern zugänglichen Arealen (öffentlicher Bereich).

Wie sieht es mit den Kosten aus?

Das gemeinschaftliche Wohnen liegt für gewöhnlich hinsichtlich der Kosten im Bereich von normalen Miet- und Baukosten. Bei öffentlich geförderten Mietobjekten ist mit Mieten zu rechnen, die im örtlich üblichen Rahmen liegen, bei frei finanzierten Eigentumswohnungen liegen die Preise auf mittlerem Preisniveau.

Mehrkosten ergeben sich vor allem durch die Gemeinschaftsräume und –flächen, außer sie werden öffentlich gefördert oder auf andere Weise subventioniert. Weitere Kosten, die von allen getragen werden müssen, können beispielsweise auch die Ausgaben für eine professionelle Begleitung in Konfliktfällen sein. Manche Wohngemeinschaften gleichen ihre zusätzlichen Kosten durch die Vermietung von Gemeinschaftsräumen für Party-Zwecke aus.

Eine Kostenersparnis durch das gemeinschaftliche Wohnen ergibt sich daraus, dass gewisse Dinge gemeinsam angeschafft und genutzt werden können. Die sind etwa ein PKW, Gerätschaften oder Ähnliches.

Auch kann bei der Inanspruchnahme von ambulanten Pflegediensten eine Kostenteilung stattfinden.

Was muss ich für mich bedenken, wenn ich diese Wohnform anstrebe?

Vorab sollte man zunächst sich und dann auch eventuellen Mitbewohnern folgende Fragen stellen und eruieren, ob ein breitflächiger Konsens möglich ist:

  • Was ist meine Hauptintension für das Interesse am Wohnprojekt?
  • Was sind meine Erwartungen, Hoffnungen und Befürchtungen? Eine Minimal- und eine Maximalvorstellung sollte man aufschreiben.
  • Welchen Stellenwert hat das Gemeinschaftsleben für mich? Wie viel Zeit und Energie möchte ich in dieses Projekt investieren? Was sind meine Grenzen?
  • Was kann ich für die Gemeinschaft tun? Welche Ideen, Eigenschaften oder Fähigkeiten habe ich?
  • Welche Form von Gemeinschaftsleben möchte ich? Bevorzuge ich die aktive, zielorientierte Variante oder die unverbindliche, lose Zusammenkunft?
  • Habe ich schon Erfahrungen mit Wohn- bzw. Hausgemeinschaften? Welche Erfahrungen kann ich heute dorthin mit einbringen und was würde ich anders machen?
  • Welche Art von Projekt passt zu mir? Eine Gemeinschaft, die eher locker zusammenhält oder eine Gemeinschaft mit gemeinsamen Zielen und Wertvorstellungen. Bevorzuge ich ein Projekt in eher kleinerem Rahmen oder ein großes mit vielen Parteien? Wie stelle ich mir meine Mitbewohner hinsichtlich Bildung, Alter, Geschlecht und sozialem Background vor?
  • Wie sollten für mich Hilfestellungen bzw. –leistungen bei Pflegebedürftigkeit aussehen?
  • Welche finanziellen Möglichkeiten habe ich?
  • Möchte ich in Miete wohnen oder will ich Eigentum erwerben?
  • Möchte ich selbst einen Um- bzw. Neubau (mit-)planen oder ist es mir lieber, wenn ein Bauträger das Projekt durchführt?

Neben der Selbstinitiative ein Wohnprojekt zu gründen, besteht immer auch die Möglichkeit, sich einem schon bereits bestehenden Projekt anzuschließen. Auf bereits gefallene Entscheidungen im bisherigen Gedeihen des Projekts hat man dann natürlich selbst keinen Einfluss mehr. Steigt man in das Projekt ein, sollte man dann aber mit dem Konzept, der Zusammensetzung der Gruppe und dem ausgewählten Wohnobjekt sowie den bereits geschaffenen Fakten einverstanden sein. Eine Internetbörse für Wohnprojekte findet sich unter: Forum Gemeinschaftliches Wohnen e.V. Bundesvereinigung.

Was sind häufige Probleme bei Wohnprojekten?

Die Wohnprojektgruppen haben am häufigsten mit folgenden Problemen zu kämpfen:

  • Die Realisierung dauert oft sehr lange. Im Laufe des Realisierungsprozesses wird den Mitgliedern dadurch zu viel Engagement, Geduld und Zeit abverlangt. Dies beeinflusst die Beziehungen innerhalb der Gruppe oft negativ.
  • Konflikte innerhalb der Gruppe
  • Die Suche nach Kooperationspartnern verläuft oft schwierig.
  • Geeignete und finanzierbare Objekte und Grundstücke sind nur schwer zu finden.
  • Die Verhandlungen um Fördermittel gestalten sich oft schwierig.
  • Projektberatungsstellen sind zu wenig vorhanden.

Anmerkungen zur Rechtsform und Finanzierung

Die Wohnprojektgruppe braucht eine Rechtsform, um Verhandlungen mit Kooperationspartnern und Behörden führen zu können und Verträge abzuschließen. Dazu sollten einzelne Mitglieder als Ansprechpartner zur Verfügung stehen. Welche Rechtsform die Gruppe wählt, hängt auch vom Finanzierungsmodell ab, das man plant.

Soll beispielsweise ein Um- oder Neubau gänzlich aus eigenen finanziellen Mitteln bewerkstelligt werden (Eigentümermodell), so kann die Gemeinschaft zusammen als Bauherr auftreten. Die Rechtsform ist hier die Gesellschaft des bürgerlichen Rechts (GbR).

Verfügt die Gruppe jedoch über wenig Eigenkapital und die finanziellen Verhältnisse der Mitglieder gestalten sich sehr unterschiedlich, so gibt es dann zwei Varianten:

  • Die Gruppe gründet eine Genossenschaft. Sie kann dann selbst als Bauherr auftreten. Jedes Genossenschaftsmitglied zahlt individuell nach seinen finanziellen Möglichkeiten Kapital ein und erwirbt so Genossenschaftsanteile und zusätzlich ein lebenslanges Wohnrecht. Die Mitglieder haben unabhängig von ihren Stimmanteilen das gleiche Mitbestimmungsrecht. Das Bauvorhaben kann – trotz Genossenschaftsmodell – sozial (sozialer Wohnungsbau) gefördert werden. In diesem Fall liegt der Mietpreis oft deutlich unterhalb des lokalen Mietspiegels. Eine Genossenschaft aufzuziehen ist jedoch eine Zeit intensive Angelegenheit und auch kompliziert. Geschickt ist es daher, sich einem Genossenschafts-Dachverband anzuschließen.
  • Die Gruppe findet einen Bauträger. Dieser muss Interesse an einem Gemeinschaftsprojekt haben und auch eine Mischfinanzierung akzeptieren. Dabei gibt es Eigentumswohnungen sowie frei und öffentlich geförderte Mietwohnungen. Der Bauherr investiert in das Projekt und verkauft oder vermietet die fertigen Wohnungen an die einzelnen Mitglieder des Projekts. In diesem Fall genügt es, wenn die Mitglieder der Gruppe einen Verein gründen.

Quelle:

Leben und Wohnen im Alter, Stiftung Warentest, Sabine Keller

Hier finden sich auch noch weitere wertvolle Tipps in Bezug auf bereits bestehende Wohngemeinschaften, die Planung und Umsetzung, Gemeinschaftsleben, Gruppenfindung, Konzeptentwicklung, Suche nach Objekten und Partnern, der Gemeinschaft im Alltag oder auch, wie man mit Konflikten umgeht.

med. Redaktion Dr. med. Werner Kellner
Aktualisierung 09.05.2011