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Dekubitusprophylaxe

Unter Dekubitusprophylaxe versteht man frühzeitiges Erkennen und Verhindern eines Druckgeschwürs. Man bezeichnet einen Dekubitus – neben Druckgeschwür – auch noch als Druckbrand, Wundliegen oder Dekubitalulkus.

Es handelt sich dabei um eine chronische Wunde unterschiedlicher Größe, die von den oberen Hautschichten über die tieferliegenden Bindegewebsschichten bis auf den Knochen reichen kann. Die Druckgeschwüre werden als sehr schmerzhaft empfunden. Ihr Aussehen variiert je nach Schweregrad. Eine leichte Rötung bis schwarze Geschwüre sind möglich.

Die Hauptursache für die Entstehung des Dekubitus ist Druck, der sich auf eine oder mehrere Stellen konzentriert. Besonders gefährdet sind Bettlägerige, die sich kaum selbst bewegen können. Verschiedene Krankheiten, wie bsp. ein Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit) oder ein schlechter Ernährungsstatus, begünstigen die Geschwürbildung.

Was begünstigt die Entstehung eines Dekubitus?

Bei der Entstehung des Druckgeschwürs wirken meist mehrere Faktoren zusammen:

  • ein schlechter Zustand der Haut
  • ein schlechter Allgemein- oder Ernährungszustand
  • eine eingeschränkte Beweglichkeit (Mobilität) der Patienten
  • zusätzliche Reibung
  • Scherkräfte (Druck und Bewegung wirken zusammen, bsp. wenn man sich nicht selbst aufrichten kann und im Bett oder Stuhl nach unten gleitet).
  • Druck: Druck auf eine bestimmte Körperstelle über längere Zeit ist die Hauptursache des Dekubitus. Wirkt auf bestimmte Körperstellen zu lange Zeit zu viel Gewicht ein, werden die Haut und das darunter liegende Gewebe gedrückt. Das Blut kann dadurch in diesem Bereich nicht mehr zirkulieren und das Gewebe wird nur noch unzureichend mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt. Die Folge ist ein langsames Absterben des Gewebes.
  • Langes Liegen: Begünstigt werden die ungünstigen Druckverhältnisse durch langes Liegen bei schlechter Beweglichkeit. Der deutsche Begriff „Wundliegen“ und die lateinischen Wurzeln von Dekubitus - von „decumbere“ = „sich niederlegen“ - weisen auf diese Hauptursache hin.

Welche Stadien des Dekubitus werden unterschieden?

Es werden vier verschiedene Schweregrade des Druckgeschwürs unterschieden:

Stadium I: Im Anfangsstadium kann man eine Rötung beobachten. Sie geht durch Entlastung nicht mehr zurück. Auch eine Erwärmung der Haut kann wahrgenommen werden. Die Haut ist jedoch intakt. Die Betroffenen klagen über brennende Schmerzen.

Stadium II: In diesem Stadium sind die oberflächlichen Schichten der Haut bereits geschädigt. Eine Blase, eine oberflächliche Wunde oder eine Hautabschürfung sind erkennbar. Öffnet sich eine Blase, so besteht verstärkte Infektionsgefahr. Selbst bei konsequenter Druckentlastung, Pflege und Behandlung kann die Abheilung mehrere Wochen dauern.

Stadium III: In dieser Phase ist zusätzlich zur Haut auch das darunter liegende Gewebe geschädigt. Der Gewebszerfall (Nekrose) verursacht eine hellblaue bis schwarze Färbung. Diese Färbung entsteht durch geronnenes Blut und abgestorbene Gewebszellen. Bevor der Heilungsprozess einsetzen kann, muss das abgestorbene Gewebe – zumeist chirurgisch - entfernt werden.

Stadium IV: Das vierte Stadium ist durch eine Geschwürbildung gekennzeichnet. Wird das abgestorbene Gewebe nicht entfernt, versucht der Körper es abzustoßen. Es entsteht eine tiefe, eiternde Wunde (Geschwür), die bis zum Knochen reichen kann. Begleiterscheinungen können Fieber, eine Blutvergiftung oder eine Knochenentzündung sein.

Entscheidend ist es für die Prophylaxe (Vorbeugung), die bleibende Rötung zu erkennen. Sie gilt als Frühzeichen des Dekubitus. Obwohl diese gerötete Stelle oftmals noch keine Beschwerden macht, kann sich aus ihr eine tiefe Wunde entwickeln.

Welche Risikogruppen und Risikofaktoren gibt es?

Ältere und in der Bewegung eingeschränkte Menschen

Wie oben ausgeführt, mindert starker Druck, der über einen längeren Zeitraum auf eine bestimmte Körperstelle einwirkt, die Blutzirkulation im betroffenen Versorgungsgebiet. Es kommt zur Schädigung des Gewebes mit unterschiedlichsten Ausmaßen – dem Dekubitus.

Im Normalfall sendet der Körper über das Nervensystem Signale – bsp. einen Schmerzreiz – aus, der für den Körper ein Indikator ist, dass auf einer Stelle zu viel Druck lastet. Der Organismus steuert diesem Umstand mit unwillkürlichen Bewegungen entgegen, um eine Druckentlastung herbeizuführen.

Bei sehr schwachen (alten) Menschen und Schwerstkranken bleibt die Körperantwort in Form von Bewegungen oft aus. Auch bei Menschen, die starke Schmerz- und Betäubungsmittel einnehmen, unterbleiben die Bewegungen, ebenso bei Erkrankungen, die das Nervensystem (bsp. bei Rückenmarkverletzungen) betreffen.

Menschen, die an Diabetes (Zuckerkrankheit) leiden:

Menschen, die unter Diabetes leiden, nehmen die oben erwähnten Schmerz- und Drucksignale des Körpers gar nicht mehr wahr, da ihre Nerven oft nach Jahren der Krankheit stark in Mitleidenschaft gezogen sind.

Die Schmerzgrenze ist dadurch herabgesetzt oder aufgehoben. Ein drückender Schuh oder Druckschmerz beim Liegen wird nicht wahrgenommen und die betroffene Stelle damit auch nicht entlastet.

Durchblutungsstörungen

Menschen, die an Durchblutungsstörungen leiden, haben auch ein größeres Risiko, an einem Dekubitus zu erkranken. Eine Herzschwäche, zu niedriger Blutdruck oder Durchblutungsstörungen der Beine können das Geschwür begünstigen. Durch die Durchblutungsstörung wird das betroffene Gewebe weniger mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt.

Hohes Lebensalter

Untersuchungen haben gezeigt, dass Menschen, die über 65 Jahre alt sind, schneller ein Druckgeschwür entwickeln.

Feuchte Haut

Ein Dekubitus wird auch durch starkes Schwitzen, durch Inkontinenz (Stuhl und Urin), Wundsekrete und mangelnde Körperhygiene begünstigt. Die Haut wird dadurch gereizt und weicht auf. So wird sie anfällig für die Bildung des Dekubitus.

Druck auf die Haut

Ein Dekubitus tritt auch unter zu engen Gipsverbänden oder bei schlecht sitzenden Prothesen auf, ebenso natürlich bei langem Liegen oder Sitzen.

Körpergewicht, bereits vorhandene Geschwüre

Sowohl Patienten, die zu wenig wiegen, als auch Patienten, die unter Adipositas (= starkes Übergewicht) leiden, weisen ein erhöhtes Risiko zur Entwicklung eines Dekubitus auf.

Auch Menschen, die bereits ein Druckgeschwür haben oder hatten, unterliegen einem höheren Risiko ein weiteres Druckgeschwür zu entwickeln.

Welche Körperstellen sind besonders anfällig?

Generell sind solche Körperstellen besonders betroffen, an denen die Haut direkt dem Knochen anliegt. Daher sollten folgende Körperstellen bei der täglichen Pflege besonders begutachtet werden:

Fersen, Zehen, Knöchel, Knie, Rollhügel der Oberschenkel (Seitenlage), Kreuzbein, Wirbelvorsprünge, Ellenbogen, Schulterblatt und Ohrmuscheln.

Es ist auch möglich, dass sich die Druckgeschwüre an Stellen entwickeln, die im Alltag besonders belastet werden. Dies können die Hände eines Rollstuhlfahrers sein.

Vorbeugung und Pflege

Bewegung

Körperliche Bewegung ist die beste Prophylaxe. Die Bewegung verhindert den langanhaltenden Druck auf die gleiche Stelle über einen längeren Zeitraum. Bei Bettlägerigen muss für eine regelmäßige Umlagerung bzw. Weichlagerung gesorgt werden. Der Betroffene sollte regelmäßig mobilisiert und dazu ermuntert werden, seine Position zu wechseln (Bett, Stuhl, Sessel). Ist die zu pflegende Person jedoch nicht mehr in der Lage, selbstständig seine Position zu verändern oder sich zu bewegen, sollten passive Bewegungsübungen durchgeführt werden. Eine gute Gelegenheit dazu ist die Körperpflege.

Wichtig ist es, Patienten, die sich selbst nicht mehr bewegen können, etwa alle zwei Stunden umzulagern. Dazu sollte ein Bewegungsplan aufgestellt werden, in dem den besonderen Bedürfnissen und Risiken des Patienten Rechnung getragen wird. Der Plan sollte anhand der Hautbeobachtungen überprüft werden.

Ernährung

Mit Ernährung allein lässt sich die Entstehung eines Druckgeschwürs nicht verhindern. Eine vollwertige und ausgewogene Ernährung beeinflusst aber die Risikofaktoren, wie einen schlechten Zustand der Haut. Man sollte auch für eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr sorgen.

Förderung der Durchblutung

Auf eine gute Durchblutung sollte besonders an den gefährdeten Stellen (siehe oben) geachtet werden. Durchblutungsfördernde Maßnahmen können sein: aktive und passive Bewegungsübungen, Massagen der Haut, durchblutungsfördernde Salben, Bäder oder Waschungen und die Vermeidung von durchblutungshemmenden Einflüssen, wie engen Verbänden oder einengender Kleidung.

Hautschutz

Die Haut kann durch eine sorgfältige Körperpflege geschützt werden. Dazu trägt die regelmäßige und fachgerechte Verwendung von pH-neutralen Seifen sowie von Feuchtigkeitscremes und –lotionen bei. Weiterhin bewirkt folgende Maßnahme die Erhaltung einer gesunden Haut: ein gutes „Klima“ im Bett. Es darf nicht zu feucht sein, da sonst die obersten Hautschichten aufquellen. Wichtig sind zudem, die richtige Verwendung und das regelmäßige Wechseln von Inkontinenzhilfen. Die Wäsche und Kleidung sollte zudem atmungsaktiv, weich und bequem geschnitten sein. Verletzungen jeglicher Art sollten vermieden werden.

Druckentlastung

Sowohl vorbeugend, als auch bei einem bestehenden Dekubitus muss für eine regelmäßige Umlagerung durch die Pflegekraft gesorgt werden. Kann sich der Betroffene selbst nicht mehr bewegen, kann dazu ein Umlagerungsplan hilfreich sein. Pflegen Sie einen Angehörigen zu Hause, lassen Sie sich die richtigen Lagerungstechniken von einer erfahrenen Hilfskraft zeigen.

Hilfsmittel

Richtig eingesetzte Hilfsmittel können sowohl vorbeugend wirken, als auch zur Abheilung eines Druckgeschwürs beitragen. Hilfsmittel sind Wechseldruckmatratzen, Fersenschoner, Hohllagerungskissen, Anti-Dekubitus-Felle (Kunstfell) oder Schaumstoffauflagen.

med. Redaktion Dr. med. Werner Kellner
Aktualisierung 09.05.2011


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