Gesundheit Lexikon
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Tipps für die Pflegenden

Die Pflege eines Demenzkranken zu übernehmen, ist eine große Herausforderung. Dieser 24-Stunden-Job wird mit zunehmender Erkrankungsdauer immer anstrengender und kann auf Dauer physisch und psychisch krank machen. Wichtig ist es, die ersten Anzeichen einer Überforderung zu erkennen und etwas gegen den Stress und die Überlastung zu tun.

Warnzeichen für eine drohende Überlastung der Pflegeperson sind:

  • Sie sind ständig von dem Gefühl geplagt, nicht mehr alles zu schaffen und mit der Situation nicht mehr fertig zu werden.
  • Sie sind leicht reizbar, verlieren öfter die Beherrschung, beginnen zu weinen, zu schreien oder werden handgreiflich.
  • Sie nehmen stark ab.
  • Sie sind häufiger krank als früher.
  • Ihren Freunden und Nachbarn fällt auf, dass Sie sich verändert haben.
  • Sie ziehen sich von anderen Menschen und Aktivitäten zurück, die Ihnen sonst Freude machen.
  • Sie leiden unter Schlafstörungen oder haben ein erhöhtes Schlafbedürfnis, auch chronische Erschöpfung oder Müdigkeit sind kennzeichnend.
  • Es treten vermehrt körperliche Symptome, wie Kopfschmerzen, Schwindel oder Schweißausbrüche auf.
  • Die körperliche Konstitution des Erkrankten verschlechtert sich, ohne dass dies krankheitsbedingte Ursachen hätte.

Wie eine Pflegeperson auf eine Überforderung reagiert, ist völlig unterschiedlich. Manche Menschen werden aggressiv, andere sehr oft krank, manche heulen nur noch. Die Folgen der Überforderung beeinflussen auch die Versorgung des Erkrankten. Wichtig ist es daher, bereits frühzeitig Hilfe anzunehmen, damit diese Überlastung gar nicht erst entsteht.

Eine Selbsthilfe kann dieses kleine Stressabbauprogramm sein:

  • Versuchen Sie jeden Tag etwas zu tun, das Ihnen Freude bereitet, auch wenn es nur für wenige Minuten ist. Gönnen Sie sich etwas Leckeres zu essen, gehen Sie vielleicht einem geliebten Hobby nach, schauen Sie sich Ihre Lieblingssendung an oder lesen Sie, was Ihnen gefällt. Diese Tätigkeiten erinnern daran, dass es auch noch ein Leben neben der Pflege gibt.
  • Stressen Sie sich nicht unnötig selbst: Wenn Sie Aufgaben zu erledigen haben, machen Sie eines nach dem anderen und nicht mehrere Dinge gleichzeitig, wie telefonieren, Brief öffnen und gleichzeitig Essen kochen.
  • Denken Sie auch an sich selbst: Für Ihr eigenes Wohlbefinden ist es äußerst wichtig, dass Sie von der Pflege auch mal abschalten können. Nur wenn es Ihnen selbst gut geht, können Sie sich auch gut um einen Erkrankten kümmern. Versuchen Sie daher wenigstens einige ausgesuchte Außenkontakte aufrecht zu erhalten. Für die Zeit, die Sie weg sind, gibt es zahlreiche Betreuungsmöglichkeiten, die teilweise sogar von der Pflegekasse gezahlt werden (siehe dazu auch das Kapitel „Leistungen bei Pflegevertretung“).
  • Bewegen Sie sich regelmäßig. Bewegung ist ein sehr guter Stresskiller. Allein schon ein Spaziergang von 20 Minuten dreimal in der Woche genügt, um sich seelisch und körperlich fitter zu fühlen.
  • Nehmen Sie gute Momente bewusst wahr. Denn nicht jeder Moment im Pflegealltag ist schlecht. Achten Sie auf kleine Dinge, die Sie erfreuen. Dies kann ein besonders schöner Spaziergang sein oder das Spielen mit den Enkelkindern.
  • Manche Menschen kommen auch mit Entspannungstechniken, wie Yoga, Progressiver Muskelentspannung oder autogenem Training zur Ruhe. Sie können dazu beitragen, den Kopf von zermürbenden Gedanken frei zu machen, die oft schlimmer sind, als die anstehenden Pflegeaufgaben.

Unterstützung und Entlastung für pflegende Angehörige

Für die Betreuung und Versorgung von an Demenz erkrankten Menschen gibt es viele professionelle und ehrenamtliche Dienstleistungen. Manche Angebote richten sich auch direkt an die Angehörigen. Zu denken ist hier an Gesprächskreise oder auch Schulungen für die Angehörigen.

Wichtig ist es aber, dass die pflegenden Angehörigen sich Hilfe suchen und diese auch annehmen. Auf Dauer schafft es fast niemand, einen Demenzpatienten die ganze Erkrankungszeit allein zu pflegen. Vielen Menschen jedoch fällt es schwer, Hilfe von Dritten anzunehmen.

Dies mag darin liegen, dass Demenzerkrankungen immer noch ein gesellschaftliches Stigma haben. Die Angehörigen schämen sich für die Verhaltensweisen und Störungen ihres erkrankten Familienmitgliedes und ziehen sich daher immer mehr zurück, damit Bekannte, Freunde und Nachbarn von der Erkrankung nichts erfahren. Vereinsamung ist oft die Folge.

Aber Hilfe kann man nur bekommen, wenn man in seiner Umgebung über seine Situation, Ängste und seinen Hilfebedarf spricht. Hilfe kommt dann oft von ganz unerwarteter Seite.

Selbsthilfegruppen und Gesprächskreise

Menschen, die nie mit einem an Demenz Erkrankten zusammengelebt und ihn betreut haben, können viele Probleme der Pflegepersonen oft nur schwer nachempfinden. Deshalb treffen sich Angehörige und Betroffene in Selbsthilfegruppen. Der Besuch einer solchen Gruppe wirkt entlastend und gibt neuen Mut.

Manche Probleme bedürfen nicht erst langer Erklärungen, sondern jeder Teilnehmer weiß genau, wovon gesprochen wird, da er ähnliche Situationen auch schon durchlebt hat und vor ähnliche Probleme gestellt war.

Der Einzelne bekommt so das Gefühl, mit seinen Problemen, Ängsten und seinen Gefühlen gegenüber dem Kranken nicht allein zu sein. Dies allein schon gibt neue Kraft und Stärke.

Darüber hinaus können solche Gesprächskreise oft mehr bieten als manche Bücher, Ratgeber oder Beratungsgespräche mit Fachleuten, da sich in den Gruppen Menschen zusammenfinden, die über einen großen praxisnahen Erfahrungsschatz in Sachen Demenz verfügen. Wertvolle Tipps können dort ausgetauscht werden: Wie verhalte ich mich in einer bestimmten schwierigen Situation am besten? Welche Ärzte in meiner Umgebung haben Erfahrung mit Demenzkranken?

Wie erhält man schnell einen Platz in der Tagespflege? Welche Erfahrungen haben die Einzelnen mit dem Medizinischen Dienst der Krankenkassen gemacht? Welche Inkontinenzhilfen haben sich bewährt? Welcher Pflegedienst kann gut mit dementen Patienten umgehen?

Solche Gesprächskreise wurden inzwischen schon von örtlichen Alzheimer Gesellschaften, Wohlfahrtsverbänden, manchen Fachkliniken oder Kirchengemeinden ins Leben gerufen.

Je nach Organisation besteht während der Zeit des Gesprächskreises die Möglichkeit den Angehörigen mitzunehmen und in der Einrichtung betreuen zu lassen oder eine ehrenamtliche Betreuung findet zu Hause statt. Auch ein Pflegedienst kann die Betreuung während der Abwesenheit der Betreuungsperson übernehmen.

Schulungskurse für pflegende Angehörige

Für Laien, die ihre erkrankten Angehörigen pflegen, gibt es Kurse, die das entsprechende Wissen vermitteln. Angehörige von Patienten, die Leistungen aus der Pflegeversicherung bekommen, haben Anspruch auf die entsprechenden Schulungen.

Da die Zahl der Demenz Erkrankten angestiegen ist, gibt es immer mehr Kurse, die sich speziell mit der Pflege bei diesem Krankheitsbild befassen. Hier stehen oft nicht die Pflegetechniken im Vordergrund, sondern die Bewältigung der Alltagsprobleme.

Die Kurse werden beispielsweise von den Alzheimer Gesellschaften oder von Pflegediensten angeboten. Sie werden in der Regel von den Pflegekassen finanziert. Die Pflegekasse ist auch verpflichtet, über die Kurse vor Ort zu informieren.

Finden sich keine Kurse in der Umgebung, so besteht der Anspruch, die Schulung auch direkt zu Hause durchzuführen. Wer auf dieses Angebot zurückgreifen möchte, sollte im Vorfeld die Kostenübernahme mit der Pflegekasse klären.

Urlaub für Demenzkranke und Angehörige

Die Pflege eines demenzkranken Menschen ist ein sehr anstrengender Job. Umso wichtiger ist es, auch Urlaub von der Pflege zu machen. Die Pflegeversicherung sieht dafür spezielle Leistungen vor (siehe dazu auch „Leistungen bei Pflegevertretung“ und „Kurzzeitpflege“).

Im Rahmen der sogenannten Verhinderungspflege kann der Kranke von Laien oder professionellen Pflegekräften versorgt werden. Ebenso ist die kurzzeitige Versorgung in einer professionellen Pflegeeinrichtung möglich.

Häufig verzichten pflegende Angehörige auf ihren Urlaub, weil sie sich nicht länger von ihrem Angehörigen trennen möchten. Was viele jedoch nicht wissen, ist, dass es auch Urlaubsangebote für demente Menschen mit ihren Angehörigen gibt. Dabei ist eine Variante, dass der Erkrankte in einer Kurzzeitpflegeeinrichtung am Urlaubsort angemeldet wird und der pflegende Angehörige in einem Hotel in der Nähe wohnt.

Wie viel Zeit miteinander verbracht wird, kann individuell bestimmt werden. Daneben gibt es auch Urlaubskonzepte, bei denen für die Demenzpatienten Therapien angeboten werden und die Angehörigen Entspannungstechniken erlernen können.

Auskünfte dazu erhält man bei der Alzheimer Gesellschaft.

med. Redaktion Dr. med. Werner Kellner
Aktualisierung 16.03.2011


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