Gesundheit Lexikon
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Nichtmedikamentöse Therapie - Demenz

Die Therapie mit Medikamenten hat zum Ziel, den Krankheitsverlauf zu verzögern und Beschwerden zu lindern. Allerdings sind damit nicht alle Behandlungsmöglichkeiten ausgeschöpft. Es gibt noch eine ganze Reihe von Therapieformen, deren Ziel es ist, die Selbstständigkeit und das Wohlbefinden der Demenzpatienten zu steigern. Wichtig bei diesen Maßnahmen ist es, die Patienten weder zu über- noch zu unterfordern sowie auf seine Vorlieben und Abneigungen einzugehen.

1. Psychotherapie

Psychotherapeutische Angebote spielen auch bei älteren Menschen eine Rolle. Gerade, wenn man erst von einer Demenzerkrankung erfahren hat, kann eine psychotherapeutische Begleitung helfen, besser mit der Diagnose umzugehen und sich zusammen mit seinen Angehörigen auf die kommende Zeit einzustellen.

Daneben haben bestimmte Fachrichtungen der Psychotherapie besonders für Demenzpatienten eigene Therapiekonzepte entwickelt. Hier sind kognitives Training („Gehirnjogging“), Ergotherapie und die Erinnerungstherapie hervorzuheben.

1.1. Kognitives Training

Beim Gedächtnistraining wird mit spielerischen Mitteln versucht, etwa durch Konzentrationsübungen, Merkspiele und Übungen zur geistigen Beweglichkeit, die Gedächtnisfunktion zu unterstützen. Als sinnvoll wird dieses Training zu Beginn der Erkrankung angesehen. Wer also seine geistigen gewohnten Aktivitäten beibehält (bsp. Kreuzworträtsel lösen) oder sogar intensiviert, kann erste Einbußen länger ausgleichen. Bekannt ist auch, dass geistige Aktivität einen gewissen prophylaktischen Effekt hat. Das Risiko an Alzheimer zu erkranken sinkt oder der Verlauf wird verlangsamt.

Es ist jedoch ein Trugschluss, dass sich gegen den demenziellen Abbau antrainieren ließe. Dies geht nicht und ist auch für den Patienten nur demotivierend und frustrierend, da er ständig auf seine Defizite aufmerksam gemacht wird.

1.2. Was tun, wenn die Erkrankung weiter fortgeschritten ist?

Bei einer weiter fortgeschrittenen Demenz gibt es durchaus noch verhaltenstherapeutische Programme.

Sie beinhalten bsp. Übungen zur Tagesstrukturierung, zur Förderung sozialer Kompetenzen, zum Aktivitätsaufbau sowie zur Schulung der Wahrnehmung und geben Informationen über den Krankheitsprozess.

Besonders im Bereich der Alltagskompetenzen können bestimmte Tätigkeiten trainiert werden, wie das Kochen, Telefonieren, Einkaufen und die Körperpflege.

Auch wenn die Patienten bereits sehr verwirrt sind, gibt es noch Therapiemöglichkeiten. Ein Beispiel ist das Realitätsorientierungstraining. Dieses Training wird besonders in der stationären Altenpflege angewendet. Es wird dabei versucht, im fortgeschrittenen Stadium ein Maximum an Orientierung, Wahrnehmung und sozialem Kontakt zu ermöglichen.

Allerdings können diese Hilfen den Krankheitsprozess zwar verlangsamen, aber nicht stoppen.

1.3. Ergotherapie

Bei der Ergotherapie werden die Alltagsfähigkeiten von dementen Patienten durch Übungen und Beschäftigung entsprechend ihrem Krankheitsgrad gefördert. Ziel ist es, die Handlungsfähigkeit der Patienten zu unterstützen und damit auch ihre Eigenständigkeit und ihr Selbstwertgefühl zu unterstützen. Angeboten werden dazu Gruppenprogramme, insbesondere in Einrichtungen der stationären Altenhilfe, in Spezialambulanzen und Gedächtnissprechstunden.

Dabei werden alltägliche Dinge, wie das Zubereiten einer gemeinsamen Mahlzeit geübt. Es wird eingekauft, was man zum Kochen braucht, das Essen zubereitet, gemeinsam gegessen und danach die Küche wieder zusammen aufgeräumt. Daneben werden weitere Aktivitäten, wie das gemeinsame Zeitunglesen, Ausflüge, Spiele sowie Tanzabende oder Ähnliches, angeboten. Diese Aktivitäten dienen dazu, den Erkrankten aus seiner Isolation zu lösen und ihn dazu zu motivieren, seine verbliebenen Fähigkeiten noch zu nutzen.

1.4. Erinnerungstherapie („Biografische Rekonstruktion“)

Bei der biografischen Rekonstruktion handelt es sich um ein Therapieverfahren, welches eigens für Demenzpatienten entwickelt wurde. Ihr Ziel ist es, positive Erinnerungen zu fördern und die Identität des Betroffenen zu stärken. Diese Therapieform arbeitet also mit noch vorhandenen Erinnerungen des Betroffenen und bietet ihm eine Stütze.

Die Grundüberlegung, aus der heraus diese Therapie entwickelt wurde, ist folgende: Da die Erkrankung zunächst zu Einbußen im Kurzzeitgedächtnis führt, aber länger zurückliegende Ereignisse noch lange erhalten bleiben, kann man diese für eine biografische Rekonstruktion nutzen. Die Erinnerungsbilder ermöglichen es dem Erkrankten, seine Identität, die sich im Laufe der Erkrankung immer mehr auflöst, noch eine Zeit lang zu bewahren.

Bei dieser Therapieform wird versucht, die positiven Erinnerungen zu aktivieren. Dies erfolgt meistens in Gruppen („Erinnerungscafé“) mit oder ohne Angehörige. Als Erinnerungsanker dienen Fotos, Bücher, Zeitungsausschnitte, persönliche Gegenstände oder anderes (bsp. altmodische Handwärmer).

Im Laufe der Zeit entsteht ein Erinnerungsbild der Biografie des Betroffenen. Dies kann beispielsweise in Form eines Albums sein, in dem die verschiedenen Lebensabschnitte und Situationen vom Erkrankten wiedererkannt werden können. In diesem Album können Bilder, aber auch Gegenstände enthalten sein.

Grundsätzlich ist es im Umgang mit dementen Patienten wichtig, über ihre persönliche Geschichte Bescheid zu wissen, um ihre Bedürfnisse besser zu erkennen oder gezielte Behandlungsmöglichkeiten zu entwickeln. Wichtige Eckpunkte der Biografie sind Kindheit, Jugend, Ehepartner und Kinder, Abneigungen, Vorlieben oder prägende Erlebnisse.

2. Ausdrucksorientierte Therapieformen: Musik-, Kunst- und Tanztherapie

Die Musik-, Kunst- und Tanztherapie stellen kreative Therapieformen dar, bei denen es nicht auf die Sprache ankommt. Mit ihrer Hilfe gelingt es dementen Patienten – trotz ihrer Wortfindungsstörungen –, Gefühle zum Ausdruck zu bringen.

2.1. Musiktherapie

Jeder Mensch hat eine eigene musikalische Lebensgeschichte. Frühe Erfahrungen und Erlebnisse können durch bestimmte Melodien, Rhythmen oder Klänge geweckt werden. Patienten erinnern sich oft mühelos an bestimmte Liedertexte ihrer Kinder- und Jugendzeit, singen sie mit und blühen dabei regelrecht auf. Die Musik führt dabei wieder zu einem Kontakt zu sich selbst und auch zur Außenwelt.

Ebenso können Musikstücke auf die Erkrankten bei großer Verwirrtheit und Unruhe beruhigend wirken und die Betreffenden entspannen. Auch kann Musik bei der Orientierung im Tagesablauf hilfreich sein.

2.2. Kunst- und Tanztherapie

Bei der Tanztherapie ist es die Gruppe, die heilsam wirkt. Hier werden vertraute Klänge mit Bewegung kombiniert, was die körperlicher Aktivität verbessert. So konnten bsp. Studien aus der Schweiz belegen, dass bei Patienten mit leichter bis mittelschwerer Demenz regelmäßiges Walzertanzen in Gruppen nicht nur die körperliche Fitness, sondern auch die geistige Leistungsfähigkeit verbessert.

Bei der Kunsttherapie geht es darum, Raum- und Tiefenwahrnehmung, die Feinmotorik und den Gesichtssinn positiv zu beeinflussen. Es kommt nicht auf die „Güte“ der Bilder an.

3. Bewegungstherapie

Körperliche Bewegung wirkt sich günstig auf Menschen mit Demenzen aus. Dabei bleibt nicht nur die Beweglichkeit länger erhalten, sondern es reduzieren sich auch die Risiken für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Die bessere Durchblutung der Muskeln und des Gehirns und das damit verbundene bessere Sauerstoffangebot wirken sich ebenfalls positiv aus. Bei leichten und mittelschweren Demenzen können Gleichgewicht, Kraft, Ausdauer und Beweglichkeit gezielt gefördert werden. Bei schwer kranken Patienten lassen sich durch passive Bewegungen Versteifungen verhindern.

Wenn möglich, sollte auf allgemein aktivierende Tätigkeiten, wie Wandern, Schwimmen oder Tanzen zurückgegriffen werden. Das Erlernen neuer Bewegungsmuster ist nicht angebracht, da mangelnde Lernerfolge nur zur Frustration führen.

4. Validation – der wertschätzende Umgang

Die sogenannte Validation (= Wertschätzung) ist eine spezielle Umgangsform mit dementen Patienten. Die dementen Patienten werden nicht ständig korrigiert, wenn sie Dinge falsch benennen oder Personen verwechseln, sondern man geht auf ihre Gefühle - wie Ängste, Ärger, Zorn oder Trauer - ein, auch wenn man sie als Außenstehender nicht nachvollziehen kann.

Dies mag das folgende Beispiel veranschaulichen: Will der Patient zu Hause bei seiner Mutter essen, so nützt es nicht, ihm zu sagen, sie sei schon lange tot. In seiner jetzigen Zeit- und Gefühlswelt versteht er dies einfach nicht. Vielmehr verängstigt ihn diese Mitteilung und macht ihn aggressiv. Sinnvoller ist es in diesem Fall, dem Erkrankten mitzuteilen, dass seine Mutter ihm die Erlaubnis gegeben hat, außer Haus zu essen.

Bei der Validation werden auf sprachlicher Ebene die Fragen einfach formuliert und das Gesagte gespiegelt, also wiederholt. Die Wertschätzung gegenüber dem Patienten wird auch durch Berührungen, Streicheln und Mitgehen mit seinen Bewegungen zum Ausdruck gebracht.

5. Milieutherapie

Der Angelpunkt für die Milieutherapie ist das Wissen, dass demenzkranke Patienten sich immer weniger an ihre Umwelt anpassen können. Dies gilt für Menschen und Dinge der Umgebung gleichermaßen.

Die Ziele der Milieutherapie sind die Förderung der Alltags- und Freizeitaktivitäten. Dabei wird auf den einfühlenden und würdevollen Umgang mit dem Patienten Wert gelegt. Ebenso spielt die Einbindung des Erkrankten in das Familienleben eine Rolle.

Besser gelingt dies mit einer überschaubaren und stressfreien Umgebung. Zugleich soll diese aber auch noch sinnliche Reize und Beschäftigungsmöglichkeiten bieten.

Zum Therapiekonzept gehört ein strukturierter Tagesablauf mit festen Zeiten für die Mahlzeiten, für Aktivitäten und Ruhephasen. An ihm kann sich der Erkrankte orientieren. Außerdem gehört zu diesem Therapiekonzept die Gestaltung der Wohnung, die auf den Demenzpatienten zugeschnitten ist.

Quellen:

Demenz – Der Angehörigenratgeber, Sabine Kieslich, SüdwestDemenz – Hilfe für Angehörige und Betroffene, Stiftung Warentest

med. Redaktion Dr. med. Werner Kellner
Aktualisierung 16.03.2011


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