Gesundheit Lexikon
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Symbioselenkung - Mikrobiologische Therapie

Unter Symbiose versteht man das Zusammenleben von artverschiedenen Organismen zu gegenseitigem Nutzen. Ein klassisches Beispiel dafür ist die Beziehung Mensch und menschliche Darmflora.

Die menschliche Darmflora besteht aus etwa 100 Billionen Mikroorganismen. Sie erhalten vom menschlichen Organismus aus dem Nahrungsbrei des Darms Substrate zur Energiegewinnung, Mineralien und Spurenelemente. Im Gegenzug liefern die Organismen der Darmflora beispielsweise Vitamine (B-Vitamine und Vitamin K), die der Mensch selbst nicht herstellen kann. Auch produzieren sie Substanzen, die das Wachstum von schädlichen Keimen hemmen, oder entgiften für den menschlichen Organismus toxische Stoffe (bsp. Nitrosamine).

Durch bestimmte Ereignisse, wie beispielsweise die Einnahme von Antibiotika, bestimmte Ernährungsgewohnheiten oder Darmkrankheiten, kann dieses Gleichgewicht empfindlich gestört werden. Fäulnisbakterien gewinnen die Oberhand oder natürlich vorkommende wichtige Keime sind zahlenmäßig unterrepräsentiert. Der Betreffende leidet dann unter Blähungen, Verstopfung, Durchfällen oder Bauchkrämpfen.

Eine naturheilkundliche Methode, die gestörte Besiedelung der Darmschleimhaut mit Mikroorganismen gezielt zu normalisieren, ist die Symbioselenkung. Das natürliche Gleichgewicht soll dabei durch bakterielle Produkte wieder hergestellt werden.

Weitere Mittel, um dieses Ziel zu erreichen, sind spezielle Diäten oder anorganische Substanzen, wie Lactulose, Mannit oder Heilerde.

Fast man den Begriff der „Symbioselenkung“ weiter, so dienen auch chemisch definierte Arzneimittel, wie Antipilzmittel (= Antimykotika), der Wiederherstellung der natürlichen Darmflora.

Symbioselenkung Geschichte

Die Vorstellung, dass bestimmte Mikroorganismen für Krankheiten verantwortlich sind, etablierte sich erst durch den deutschen Mediziner und Mikrobiologen Robert Koch (1843 – 1910). Noch später erkannte man, dass es harmlose Bakterien auf der Haut, den Schleimhäuten und im Darm gibt, die natürlicherweise auf dem menschlichen Organismus wachsen.

Ausführlicher beschäftigte sich der deutsche Arzt und Wissenschaftler Alfred Nißle (1874 – 1965) mit der Rolle der menschlichen Darmflora bei der Entstehung von Krankheiten.

Bis heute gibt es nicht viele wissenschaftlich fundierte Untersuchungen, welche die Bedeutung der bakteriellen Besiedelung des Darms für die Gesundheit, eindeutig belegen. Die Empfehlungen zur Anwendung der Therapie werden daher immer noch vorsichtig ausgesprochen, gleichwohl es sich um eine hoffnungsvolle Therapierichtung handelt.

Sehr werbewirksam hat aber schon die Industrie das Marktpotenzial „Darmgesundheit“ erkannt und wirbt mit einer Reihe von „Probiotika“. Dabei handelt es sich um fermentierte Lebensmittel, die Bakterienkulturen enthalten.

Postulierte Wirkungsweise

Durch die Verabreichung der Bakterienkulturen oder von Bakterienbestandteilen sollen folgende Wirkungen erzielt werden:

  • Durch die Stoffwechselprodukte der gesunden Bakterienflora wird insbesondere das Wachstum von Pilzen und Fäulnisbakterien zurückgedrängt.
  • Bestandteile aus der Bakterienwand – sogenannte Lipopolysaccharide – stimulieren das menschliche Immunsystem.
  • Eine große Anzahl von gewünschten Besiedlern der Darmflora und ihre Stoffwechselprodukte verhindern ein Anheften von schädlichen Erregern an die Darmwand.
  • Verabreicht man Bestandteile von krankmachenden Bakterienarten, bewirkt dies die Bildung von Antikörpern gegen den Keim und in der Folge eine gewisse Immunität.

Kritiker der Methode begründen ihre Zweifel vorwiegend damit, dass nur eine geringe Anzahl der oral zugeführten Bakterien überhaupt ihren Wirkort – den Darm – erreichen. Die meisten gehen im stark sauren Milieu des Magens zugrunde.

Symbioselenkung Anwendungsgebiete

Als Hauptanwendungsgebiete der Symbioselenkung werden Magen- und Darm-Beschwerden gesehen. Dazu gehören: Verstopfung, Durchfälle, Blähungen, Völlegefühl nach dem Essen sowie Mundgeruch oder Ekel vor bestimmten Speisen. Die Wirkungsweise der Symbioselenkung bei chronisch-entzündlichen Darmkrankheiten (Colitis ulcerosa, Morbus Crohn) wird unterschiedlich beurteilt.

Anhänger der Symbioselenkung machen eine aus dem Gleichgewicht geratene Darmflora auch noch für eine Reihe ganz anderer Leiden verantwortlich. Hierbei handelt es sich um Hautkrankheiten (Akne, Schuppenflechte, Neurodermitis) Allergien, Infektanfälligkeit, Migräne und rheumatische Erkrankungen.

Symbioselenkung Durchführung

Am Anfang der Therapie kann eine umfassende Stuhluntersuchung stehen. Parameter, die ermittelt werden, können die Keimbesiedelung, Verdauungsrückstände sowie Gallensäuren und Verdauungsenzyme im Stuhl sein. Die Werte spiegeln aber meist nur die „Zustände“ im letzten Darmabschnitt wieder, für exakte Werte müssten Proben in tieferen Darmabschnitten entnommen werden.

Vornehmlich tritt daher das Beschwerdebild in das Interesse der Behandlung. So können pathogene Keime stinkende Gase, wie Methan oder Schwefelwasserstoff produzieren, was sich in Völlegefühl, Flatulenzen, Blähungen und Druckempfindlichkeit äußert.

Dysbalancen der Darmflora liegen wahrscheinlich auch bei stinkenden Stühlen sowie häufigen Durchfällen und Verstopfung vor.

Je nach Beschwerdebild können verschiedene Behandlungsmaßnahmen ergriffen werden:

Diäten

Mit Hilfe von Diäten kann die Keimbesiedelung in gewissen Bereichen beeinflusst werden. Bei einer Darmbesiedelung mit Pilzen wird eine kohlenhydratarme Diät empfohlen (kein Zucker, Stärke usw.). Bei Flatulenzen nach ballaststoffreicher Kost sollte der Ballaststoffanteil der Nahrung reduziert werden, bei Beschwerden nach eiweißreicher Kost, sollte Fett und zu viel Eiweiß gemieden werden.

Um herauszufinden, auf welche Speisen und Stoffe man empfindlich/allergisch reagiert, kann manchmal eine regelrechte Detektivarbeit nötig sein. So beginnt man beispielsweise bei Allergien oder Neurodermitis meist mit einer Kartoffel-Reiswoche und nimmt Schritt für Schritt weitere Kost in den Ernährungsplan auf und beobachtet sorgfältig die körperliche Reaktion.

Sauerstoff freisetzende Präparate

Unerwünschte Mikroorganismen im Darm zählen oft zu den sogenannten Anaerobiern, das heißt, sie brauchen zum Wachstum eine sauerstofffreie Umgebung. Um sie auszuschalten, können Mittel eingesetzt werden, die Sauerstoff im Darm freigeben.

Darmentleerung

Mit Hilfe von Abführmitteln (Glaubersalz) und Einläufen (siehe Colon-Hydro-Therapie) will man eine Neubesiedelung und Regenerierung der Darmflora erreichen.

Mittel zur gezielten Besiedelung des Darms

Dabei kann es sich um keimfreie Stoffwechselprodukte der Bakterien handeln sowie um lebende oder abgetötete Mikroorganismen oder Bestandteile der Bakterien. Es werden auch Hefen eingesetzt.

Bei einer hartnäckigen Besiedlung des Darms mit Pilzen werden auch Antimykotika verabreicht.

Risiken, Nebenwirkungen

Oral eingenommene tote Bakterien oder Hefen werden von den meisten Menschen vertragen.

Abstand von der Therapie mit lebenden Organismen sollten Menschen nehmen, die sehr krank oder geschwächt sind oder deren Immunsystem unterdrückt ist.

Kritisch kann der Einsatz auch von bestimmten Bakterienarten (Lactobacillen) bei chronisch-entzündlichen Erkrankungen (Morbus Crohn) sein.

med. Redaktion Dr. med. Werner Kellner
Aktualisierung 19.05.2009


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