Gesundheit Lexikon
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Naturlatex Matratze

Naturlatex, der auch als Kautschuk bezeichnet wird, wird aus dem Milchsaft von tropischen Kautschukbäumen (Havea-Brasiliensis-Baum) hergestellt. Mit Naturlatex bezeichnet man zweierlei: zum einen den Milchsaft der Bäume, auf der anderen Seite das Fertigprodukt, also den Latexschaum, der in den Matratzen eingesetzt wird.

Chemisch gesehen besteht Latex aus Isopren, einem sehr großen linearen Molekül, das sich synthetisch auch aus Erdölderivaten herstellen lässt. Erst durch den Prozess der Vulkanisation erhält der Latex seine hohe Elastizität und wird zu Gummi. Bei der Aufbereitung der Latexmilch zu Latexschaum müssen aber chemische Hilfsmittel zugesetzt werden, wie beispielsweise Stabilisatoren, Schäumungsmittel oder Alterungsschutzmittel. Auch die Vulkanisation benötigt "Hilfsmittel", wie bsp. Schwefel und Hitze.

Ganz natürlich ist eine Naturlatex Matratze also nicht! Mit der Bezeichnung "100 % Naturlatex" ist gemeint, dass kein synthetisch hergestellter Latex beigefügt wurde. Wenn lediglich der Begriff "Naturlatex Matratze" verwendet wird - ohne 100 % -, so kann die Matratze jedoch zu einem ganz erheblichen Teil auch aus synthetischem Latex bestehen. Die Bezeichnung kann irreführend sein.

Naturlatex Matratze - Anteile von Natur- zu synthetischem Latex und Auswirkung auf den Preis

Je höher der Anteil an Naturlatex im Vergleich zu synthetischem Latex ist, desto höherpreisiger ist die Latexmatratze. Denn je höher der Naturgummianteil, desto elastischer ist die Matratze und umso besser ist die Qualität.

Naturlatex Matratze - Vor- und Nachteile von Naturlatex

Vorteile: Naturlatexschaum verfügt über hohe Elastizität und Zugfestigkeit gepaart mit Kälteflexibilität und guten dynamischen Eigenschaften. Hinzu kommt ein akzeptables Abrieb- und Alterungsverhalten. Die Vereinigung all dieser Eigenschaften macht Naturlatex immer noch unentbehrlich, obwohl es synthetische Latexvarianten gibt, die Naturlatex in einzelnen Eigenschaften übertreffen.

Nachteile: Im Gegensatz zu den meisten synthetischen Latexvarianten ist Naturlatex aber nicht so UV-, wärme- und oxidationsbeständig. Deshalb wird Naturlatex - neben den Alterungsschutzmitteln - mit stabilerem Syntheselatex versetzt.

Naturlatex Matratze - Herstellung

Bei der "Herstellung" ist die Vulkanisation der wichtigste Prozess. Damit meint man den Prozess der Vernetzung und Fixierung der Latexmoleküle. Bei diesem chemisch-technischen Verfahren wandelt sich der zäh-elastische Rohlatex zu hochelastischem Gummischaum um. Dazu benötigt man Hitze, Schwefel und Vulkanisationsbeschleuniger (Dithiocarbomate) bzw. Aktivatoren (bsp. Zinkoxid). Damit die Vulkanisation auch im Inneren des Latexkörpers stattfinden kann, wird der Rohlatex in Formen gegossen, die viele kleine Stifte haben. Durch diese wird heißer Dampf oder heißes Wasser geleitet, damit die Vulkanisation gleichmäßig verläuft. Man spricht dann vom Stiftlatex. Möglich ist auch, dass die Matratzen über Hohlräume verfügen - die sogenannten Kavernen.

Naturlatex Matratze - verschiedene Herstellungsverfahren

Für die Herstellung von Latexmatratzen gibt es zwei Verfahren: das Dunlop-Schaum-Schlagverfahren und das teuerere Talalay-Treibverfahren. Der größte Teil des auf dem Markt befindlichen Schaumgummis wird nach dem günstigeren Dunlop-Verfahren hergestellt. Dabei wird die vulkanisationsfähige und mit Schaummitteln versetzte Latexmischung zu einem stabilen Schaum aufgeschlagen, der das 8- bis 12fache Volumen der Ausgangssubstanz aufweist. Dann kommt er in die verschließbaren Formen und wird vulkanisiert (siehe oben). Als nachteilig wird bewertet, dass bei diesem Verfahren einige Chemikalien zugesetzt werden müssen und dass nach dem Waschen und Trocknen eine Schrumpfung des Materials von etwa fünf Prozent eintritt.

Das Talalay-Treibverfahren ist aufwendiger und kostspieliger. Vorteilhaft ist, dass keine weiteren Chemikalien verwendet werden müssen und auch keine Schrumpfung des Vulkanisats eintritt. Mit Hilfe von Sauerstoff wird der Latex auf das 10- bis 14fache aufgebläht. Dieser sehr feinporige Schaum wird dann in die Form gegossen und weiter behandelt. Ein anderes Talalay-Verfahren arbeitet mit Vakuum.

Da das Talalay-Verfahren sehr teuer ist, wird es eher für Matratzen im Premium Bereich und für besonders weiche und üppige Matratzen eingesetzt.

Naturlatex Matratze - Vorteile von Latexmatratzen

  • Die Naturlatex Matratze ist bei einem hohen Anteil an Naturlatex sehr langlebig.
  • Eine Naturlatex Matratze (mit hohem Naturlatexanteil) ist punktelastisch und passt sich sehr gut dem Körper an.
  • Das Federungs- und Rückstellverhalten der Matratze bei Lageveränderungen ist sehr gut.
  • Mit den entsprechenden waschbaren Bezügen ist sie auch für Hausstaubmilbenallergiker geeignet (100%ig schützen jedoch nur Encasings). Die Matratzen selbst sind erst einmal staubfrei und hygienisch.
  • Der Klimahaushalt der Matratze ist gut. Für Luftaustausch sorgen offene Poren und zusätzlich senkrechte Luftkanäle.
  • Die Matratze ist völlig geräuscharm.

Naturlatex Matratze - Nachteile von Latexmatratzen

  • Das Raumgewicht bei Naturlatexmatratzen ist sehr hoch; die Matratzen sind daher im Vergleich zu anderen Matratzentypen sehr schwer. Sind sie nicht gut verarbeitet (stabile Handgriffe zum Wenden, Drehen und für den Transport), können sie äußerst unhandlich sein.
  • Die lange Haltbarkeit wird relativiert, wenn ein großer Anteil an Syntheselatex verarbeitet wurde.
  • Latexmatratzen verfügen in der Regel nicht über die gleiche Atmungsaktivität wie andere Matratzentypen. Der Schweiß wird für gewöhnlich schlechter aufgenommen und abgegeben.
  • Außerdem sind die Matratzen gegen UV-Licht sehr empfindlich und müssen daher geschützt werden.
  • Bisweilen tritt Eigengeruch auf, der aber nach kurzer Zeit in der Regel wieder verschwindet.

Naturlatex Matratze - Prüfsiegel, Zertifikate

Für einen Laien ist es nicht möglich, Naturlatex von synthetischem Latex aus Erdöl zu unterscheiden. Um den fehlenden gesetzlichen Schutz des Begriffs Naturlatex auszugleichen, wurde der Qualitätsverband umweltverträglicher Latexmatratzen e.V. (QUL) gegründet. Seit 1997 vergibt der QUL das Qualitätssiegel bzw. das Zertifikat an Naturlatex-Produkte nach sorgfältiger und umfassender Laboranalyse.

Das QUL Zertifikat bezeugt unter anderem, dass in Latexmatratzen folgende Inhaltsstoffe nicht in bedenklichen Konzentrationen vorkommen:

  • Flüchtige organische Verbindungen (VOC)
  • Pestizide
  • Gesundheitsschädigende Schwermetalle
  • Nitrosamine
  • Pentachlorphenol (PCP).

Außerdem wird der Matratzenkern dahingehend untersucht, wie viele Naturlatex-/Syntheslatex-Anteile er hat. Die genauen Prüfkriterien und der Umfang des Zertifikats können unter http://www.qul-ev.de/e58/e60/index_ger.html nachgelesen werden.

Ein weiteres Prüfsiegel ist der Öko-Tex Standard 100 ("Textiles Vertrauen"). Er steht im Wesentlichen für die Reduktion gesundheitlicher Risiken durch Schadstoffprüfungen in allen Stufen der Verarbeitung von Textilien.

med. Redaktion Dr. med. Werner Kellner
Aktualisierung 26.09.2011


Matratzenberatung

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