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Retikulozyten

Retikulozyten sind junge rote Blutkörperchen, die noch Reste von Kernmaterial enthalten. Aus ihnen gehen die reifen kernlosen roten Blutkörperchen (Erythrozyten) hervor. Gebildet werden die Retikulozyten aus Vorläuferzellen (Proerythroblast, Erythroblast) im Knochenmark innerhalb von etwa fünf Tagen. Nach ein bis zwei Tagen werden sie von dort ins Blut entlassen, wo sie in weiteren ein bis zwei Tagen zu Erythrozyten heranreifen. Die Erythrozyten haben dann ungefähr eine Lebensdauer von 120 Tagen, bevor sie vorwiegend in der Milz abgebaut werden. Dieser natürliche Verlust von roten Blutkörperchen wird durch die Neubildung ständig ersetzt.

Aus einer Blutprobe ist es möglich, mithilfe spezieller Färbemethoden, die Retikulozyten von den reifen Erythrozyten zu unterscheiden und numerisch zu erfassen. Aus der Retikulozytenzahl kann man grob auf die Geschwindigkeit der Bildung der roten Blutkörperchen schließen, die ein Maß für die Knochenmarkaktivität ist.

Was kann Anlass der Retikulozytenbestimmung sein?

Indikationen, um den Retikulozyten-Wert zu bestimmen, sind:
  • Beurteilung der blutbildenden Aktivität des Knochenmarks: Dies erfolgt nach einer Anämie-Diagnose;
  • Unterscheidung verschiedener Anämieformen;
  • Verlaufskontrolle einer Anämiebehandlung. Dies geschieht bei der Therapie von Mangelanämien, die durch Eisen-, Folat-, Vitamin B12-, Vitamin B6- und Kupfermangel hervorgerufen wurden. All diese Substanzen sind zur Bildung der roten Blutkörperchen nötig.
  • Abklärung, ob nach einer Knochenmarktransplantation die Reifung der roten Blutkörperchen funktioniert;
  • Behandlung mit bestimmten Zytostatika (Krebspräparate).
Zudem wird die Untersuchung im Rahmen einer Therapie mit Erythropoetin (EPO) durchgeführt. EPO ist ein körpereigenes Gewebshormon, das die Reifung der Vorläuferzellen der Erythrozyten beschleunigt.

Was sind die Referenz- Normalwerte der Retikulozyten?

Die Untersuchung erfolgt aus dem Vollblut. Die Retikulozyten können anhand von bestimmten Färbungen von den reifen Erythrozyten unterschieden werden.

Die Retikulozytenzahl wird entweder als Prozentsatz (Zahl der Retikulozyten/100 Erythrozyten) oder als absolute Zahl angegeben.
Folgende Werte liegen bei Erwachsenen in der Norm:

relative Anzahl: 2,3 ± 1,2 %;
absolute Anzahl: 92 ± 25 x 109/l (methodenabhängig).

Was können zu hohe Retikulozyten - Werte bedeuten?

Die Werte sind zu hoch, wenn zu viele rote Blutkörperchen gebildet werden. Ursache dafür kann Folgendes sein:
  • Hämolytische Anämien (krankhafter Zerfall von roten Blutkörperchen);
  • nach akuten Blutungen, also einem Verlust von Erythrozyten;
  • Behandlung einer Mangelanämie (z.B. Eisen-, Folat-, Vitamin B12-, Vitamin B6-, Kupfermangel);
  • nach einer Chemotherapie;
  • Behandlung mit Erythropoetin;
  • Aufenthalt in großen Höhen (chronischer Sauerstoffmangel).

Wann sind die Retikulozyten - Werte zu niedrig?

Niedrige Retikulozyten-Werte sind Ausdruck einer verminderten Produktion von roten Blutkörperchen. Folgendes kann dafür verantwortlich sein:
  • Mangelanämie;
  • Anämie infolge einer chronischen Erkrankung (Infektion, Tumor);
  • Anämie bei Knochenmarkschädigung;
  • chronische Niereninsuffizienz (zu geringe Bildung von Erythropoetin).
Quelle: Thomas, Labor und Diagnose
med. Redaktion Dr. med. Werner Kellner
Aktualisierung 23.02.2009


Laborwerte

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