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Windpocken (Varizellen)

Windpocken sind eine durch Tröpfcheninfektion hervorgerufene, weit verbreitete virale (Varicella-Zoster-Virus) Infektionskrankheit im Kindesalter. Mit Flüssigkeit gefüllte Bläschen, die dann verkrusten, sind das charakteristische Merkmal dieser Erkrankung. Meist verlaufen Windpocken harmlos. Gefährlich werden Windpocken für Neugeborene und Menschen mit geschwächtem Immunsystem. Bei jedem bereits an Windpocken Erkrankten besteht die Gefahr im Laufe seines Lebens bei einer Reaktivierung der Infektion an Gürtelrose zu erkranken. Erst seit dem Sommer 2004 wird eine Impfung für alle Kinder im 2. Lebensjahr empfohlen.

Aufgrund seiner hohen Ansteckungsfähigkeit (über 90% der Infizierten erkranken und zeigen die spezifischen Symptome) haben die meisten Erwachsenen die Erkrankung bereits im Kindesalter durchgemacht. 90 bis 95% haben Antikörper gegen das Virus. Der Altersgipfel liegt zwischen dem 3. und 10. Lebensjahr. Das Virus ist weltweit verbreitet.

Der Erreger der Windpocken ist das Varizella-Zoster-Virus. Es gehört zur Familie der Herpesviren (Herpesviridae). Diese Virenfamilie besitzt die Fähigkeit, nach einer Erstinfektion stumm in Nervenzellen zu überdauern (persistieren). Die Viren sind jedoch lebensfähig. Im Falle des Varizella-Zoster-Virus kann nach Jahren oder Jahrzehnten eine Reaktivierung erfolgen. Eine Gürtelrose ist dann die Folge. Die Übertragung geschieht durch Tröpfen- und Kontaktinfektion (aufgeplatzte Bläschen). Das Virus kann aber auch über mehrere Meter hinweg über die Luft (aerogen), quasi mit dem Wind, übertragen werden. Außerhalb des Körpers ist der Keim jedoch nicht lange überlebensfähig. Eine Übertragung über Gegenstände ist daher recht unwahrscheinlich.

Die Erkrankung hinterlässt in der Regel eine lebenslange Immunität. Es sind jedoch auch Zweitinfektionen aufgetreten bei Menschen, die sehr früh erkrankten oder die Erstinfektion nur schwach durchgemacht haben.

Die Inkubationszeit, also die Zeitspanne zwischen Ansteckung und dem Auftreten der ersten Symptome, beträgt zwei bis drei Wochen.

Die Patienten gelten als ansteckend bereits zwei Tage vor Auftreten des typischen Hautausschlags bis wenigstens 5 Tage nach Auftreten des Exanthems oder solange massive Krusten vorhanden sind.

Das Krankheitsbild stellt sich folgendermaßen dar:
Die Erkrankung beginnt mit leichtem Krankheitsgefühl. Die Kinder sind oft schlapp und weinerlich, gelegentlich haben sie Fieber. Dann tritt ein stark juckender Hautausschlag auf, der charakteristische Stadien aufweist. Zuerst sind rote Flecken zu sehen, die sich innerhalb weniger Stunden über Knötchen in etwa linsengroße, wässrig gefüllte Blasen verwandeln. Nach wenigen Tagen platzen die Bläschen und verkrusten. Der Ausschlag beginnt am Rumpf und breitet sich von dort auf den Kopf und die Extremitäten aus. Die gesamte Haut und Schleimhaut ist betroffen, also auch die behaarte Kopfhaut, die Mund- und Nasenschleimhaut sowie die Genitalien. Nur Hände und Füße sind meistens nicht befallen. In Schüben kommen ein bis zwei Wochen neue Windpocken nach. Auf dem Körper der Kinder sind durchschnittlich 250 Windpocken in den vier Stadien (Flecken, Knötchen, Bläschen und Krusten) nebeneinander zu sehen. Man spricht von einem so genannten Sternenhimmelmuster. Manche Kinder fiebern bis zu 40ºC, andere überhaupt nicht. Nach 1 bis 3 Wochen fallen die gelblich-bräunlichen Krusten ab.

Lassen Sie sich von Ihrem Arzt die Diagnose absichern (denn der beginnende Ausschlag kann auch wie Mückenstiche aussehen). Konsultieren Sie den Arzt, wenn sich die Bläschen entzünden und eitern. Suchen Sie sofort den Arzt auf, wenn Ihr Kind fiebert oder über Nackenschmerzen klagt, nachdem die Pusteln schon verkrustet sind und sich Ihr Kind bereits besser fühlen sollte.

Ihr Arzt wird folgendermaßen vorgehen:

  • Anhand des typischen Ausschlags ist die Diagnose relativ eindeutig möglich. Im Zweifelsfall können spezifische Antikörper aus dem Blut nachgewiesen werden. Die Behandlung erfolgt bei sonst gesunden Kindern symptomatisch.
  • Ihr Arzt wird Ihnen zum Betupfen der Hauterscheinungen eine Zinkschüttelmixtur verordnen, gegen das Fieber paracetamolhaltige Zäpfchen oder Säfte. Bei starkem Juckreiz wird eventuell ein Antihistaminikum eingesetzt. Entzünden sich die Bläschen, werden antibiotische Salben verschrieben.

Folgendes können Sie selbst tun:

  • Betupfen Sie jeden Morgen und Abend alle Hauterscheinungen mit den verordneten Lotionen auch die Krusten, die dadurch schneller eintrocknen. Verwenden Sie dazu Wattestäbchen oder einen ungebrauchten Kuchenpinsel. Lassen sie die Lösung antrocknen. Krusten trocknen schneller ein, wenn sie behandelt werden.
  • Waschen Sie Ihr Kind, wenn überhaupt, nur kurz kühl ab. Warme Bäder verstärken den Juckreiz.
  • Senken Sie das Fieber bei Windpocken lieber mit den entsprechenden fiebersenkenden Mitteln, nicht mit lauwarmen Wadenwickeln.
  • Wickeln Sie Ihr erkranktes Baby häufiger. Es sollte nicht lange in einer nassen Windel liegen.
  • Schneiden Sie Ihrem Kind die Fingernägel ganz kurz, damit es sich nicht kratzen kann. Jedes Kratzen verstärkt den Juckreiz und es entstehen Narben! Bei Säuglingen ziehen Sie beispielsweise Söckchen über die Hände.
  • Bei Mädchen können die Bläschen in der Vagina und den äußeren Genitalien durch den Urin eher brennen als jucken. Hier helfen Sitzbäder mit Kamillenzusatz.
  • Wegen des Flüssigkeitsverlustes in den Hautblasen lassen Sie Ihr Kind magere Fleisch- oder Gemüsebrühe trinken.
  • Die Kinder müssen nicht unbedingt im Bett liegen bleiben. Sie können aufstehen. Ziehen Sie sie normal, nicht zu warm an.
  • Setzen Sie Ihr Kind nicht direkt der Sonne aus. Es kann zu Hirnhautreizungen kommen!
  • Nach 8 bis 10 Tagen (wenn nur noch Krusten vorhanden sind) können Sie Ihr Kind abbaden. Lassen Sie es für 30 bis 45 Minuten in der Wanne. Die Krusten weichen ab. Danach betupfen Sie nur noch die schlimmsten Krusten.
  • Viele Einrichtungen (Kindergärten, Schulen) verlangen nach der Erkrankung ein Attest. Denken Sie daran!

In seltenen Fällen können bei Windpocken Komplikationen auftreten:

  • Am häufigsten treten bakterielle Infektionen der aufgekratzten oder aufgeplatzten Bläschen auf.
  • Mögliche seltene Folgen sind eine Gehirn-, Mittelohr- und Lungenentzündung. Besonders exponiert sind Kinder und Erwachsenen mit einem geschwächten Immunsystem, wie zum Beispiel chronisch Kranke oder Leukämie-Patienten.
  • Erkrankt eine Schwangere in den ersten 5 Monaten (besonders sensible Phase während der 13. bis 20. Schwangerschaftswoche), so können die Windpocken zu schweren Fehlbildungen (beispielsweise Augendefekte, Gliedmaßenhypoplasie) bei den Kindern führen.
  • Erkrankt die Mutter um den Geburtstermin, so kann es zu schweren Krankheitsverläufen beim Neugeborenen kommen. Gefährdete Neugeborene erhalten daher sofort nach der Geburt Zosterimmunglobuline und das Virustatikum Aciclovir.
  • Jeder kann nach einer durchgemachten Windpockeninfektion Jahre oder Jahrzehnte später an Gürtelrose erkranken. Die Viren verbleiben in den Nervenzellen nahe dem Rückenmark (Spinalganglien). Sie können reaktiviert werden. Das erste Anzeichen der Gürtelrose sind dann brennende Schmerzen im Hals-, Schulter- oder Rumpfbereich. Einige Tage später treten dann in halbseitiger, gürtelförmiger Anordnung flüssigkeitsgefüllte Bläschen auf. Die betroffenen Hautstellen röten sich, schwellen an und sind berührungsempfindlich. Die Bläschen heilen nach ein bis zwei Wochen mit einem Krustenstadium ab. Beim Kratzen entstehen Narben. Die Schmerzen verschwinden meist kurz nach dem Hautausschlag.

Zur Vermeidung der Ansteckung sollten die erkrankten Kinder isoliert werden, bis die Ansteckungsgefahr vorüber ist. Prophylaktisch wird erst seit dem Sommer 2004 für alle (vorher nur bei Kindern mit schweren Grunderkrankungen) Kinder eine Impfung mit einem abgeschwächten, nicht ansteckungsfähigen Varicella-Zoster-Virus empfohlen. Die Impfung soll in der Regel im Alter von 11 bis 14 Monaten durchgeführt werden. Sie kann gleichzeitig mit der Masern-Mumps-Röteln Impfung verabreicht werden oder frühestens vier Wochen später.

Kinder und Jugendliche zwischen 9 und 17 Jahren, die die Windpocken noch nicht hatten, sollten ebenso geimpft werden. Bei Kindern und Jugendlichen bis 13 Jahren ist eine einmalige Impfung vorgesehen, bei Kindern nach dem 13. Geburtstag sollte die Impfung zweimal, mit einem Mindestabstand von 6 Wochen, durchgeführt werden.

Schwangere sollten den Kontakt mit an Windpocken Erkrankten strikt meiden. Auch wenn sie die Erkrankung in der Kindheit durchgemacht haben, kann es zu einer erneuten Infektion und zu Schädigungen beim Ungeborenen kommen. Empfehlenswert ist daher bereits vor der Schwangerschaft ein Test, ob genügend Antikörper vorhanden sind. Bestand Kontakt zu Windpockenpatienten und die Schwangere besitzt keine Antikörper, gibt es die Möglichkeit einer passiven Immunisierung mit Immunglobulinen. Allerdings ist dieser Schutz nur wirksam, wenn spätestens 96 Stunden nach der Ansteckung die Immunglobuline verabreicht werden.


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