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Masern (Morbilli)

Masern sind eine durch das Masern-Virus hervorgerufene akute Infektionskrankheit. Ein grippeähnliches Vorstadium und der typische Hautausschlag (Exanthem) sind charakteristisch für diese Erkrankung. Wegen ihrer extrem hohen Ansteckungsfähigkeit treten Masern meist im Kindesalter auf und hinterlassen eine lebenslange Immunität. In Deutschland erkranken jährlich schätzungsweise 50.000 bis 60.000, in einigen Jahren sogar bis zu 100.000 Menschen an Masern. Die Masern werden an Hand des typischen Hautausschlags diagnostiziert und symptomatisch behandelt. Bei 10 bis 20 Prozent der Erkrankten treten in westlichen Industrieländern Komplikationen (Mittelohr- und Lungenentzündungen, Gehirnentzündung und SSPE -> siehe Komplikationen) auf. Sie sind nicht nur häufig, sondern gehen auch mit einer erhöhten Letalität (Sterblichkeit) einher. Prophylaktisch stehen eine sehr gut wirksame Schutzimpfung sowie die Möglichkeit der passiven Immunisierung zur Verfügung.

Masern sind weltweit verbreitet. 90 Prozent der nicht geschützten Kinder erkranken bis zum 10. Lebensjahr, die übrigen kann es im Erwachsenenalter treffen. Säuglinge von Müttern, die die Erkrankung durchgemacht haben oder geimpft wurden, sind bis zum 6. Lebensmonat geschützt. Bereits während der Schwangerschaft haben sie die Antikörper gegen das Virus über die Plazenta (Mutterkuchen) erhalten (Nestschutz).

Der Masernerreger ist das Masern-Virus. Es gehört zur Gattung Morbillivirus und zur Familie der Paramyxoviridae. Das Masern-Virus befällt bevorzugt Zellen des Immun- und des Nervensystems. Dabei entstehen auch so genannte Riesenzellen, die zu Beginn der Erkrankung bereits im Nasensekret nachweisbar sind. Das Virus wird auch über größere Entfernungen (so genannte fliegende Infektion) von Mensch zu Mensch durch Tröpfcheninfektion (Husten, Niesen oder Sprechen) übertragen. Aber auch über einen Kontakt mit infizierten Gegenständen (Geschirr oder Besteck) ist die Infektion möglich. Die Eintrittspforten des Virus sind die Schleimhäute der Atemwege und die Bindehaut des Auges. Masern sind derzeit in Deutschland nach dem Infektionsschutzgesetzt eine meldepflichtige Infektionserkrankung. Dies gilt bei Verdacht, Erkrankung und Tod.

Die Erkrankung hinterlässt eine lebenslange Immunität.
Die Ansteckungskraft (Kontagiosität) des Keims ist sehr groß, das heißt von 100 infizierten Personen erkranken 99. Die Ansteckungsfähigkeit eines Erkrankten beginnt bereits 1-2 Tage, bevor die ersten grippeähnlichen Symptome auftreten und dauert bis 3 - 5 Tage nach Ausbruch des Ausschlags an. Die Gefahr sich anzustecken ist jedoch während des Prodromalstadiums (siehe Krankheitsverlauf) am größten und nimmt dann bis zum Ende des Exanthemstadiums ab. Die Inkubationszeit, also die Zeitspanne zwischen der Ansteckung und Auftreten der ersten Krankheitszeichen, beträgt circa 10 bis 12 Tage.

Der Krankheitsverlauf lässt sich in zwei Stadien einteilen: Das katarrhalische oder Prodromalstadium (Dauer ca. 3 - 5 Tage), das durch grippeähnliche Symptome geprägt ist, und das Exanthemstadium (Dauer circa 3 - 5 Tage) mit den typischen Hauterscheinungen. Charakteristisch für die Erkrankung ist ein zweigipfeliger Verlauf der Fieberkurve. Der erste Fieberhöhepunkt findet sich während des Prodromalstadiums, der zweite zu Beginn des Exanthemstadiums.

Während des Prodromalstadiums treten zunächst uncharakteristische Symptome, wie Fieber (bis 39ºC), trockener Husten, Schnupfen, Halsschmerzen und Bronchitis, auf. Das Kind hat zudem eine Bindehautentzündung und ist lichtscheu, der Tränenfluss ist verstärkt. Dann sinkt das Fieber leicht und in den Umschlagfalten der Wangenschleimhaut finden sich kalkspritzerartige weißliche Flecken (Koplik-Flecken). Die Mund- und Rachenschleimhaut ist stark gerötet. Gegen Ende des grippeähnlichen Stadiums ist die Temperatur auf normale Körpertemperatur gefallen.

Das Exanthemstadium beginnt mit einem steilen Anstieg der Körpertemperatur (39 - 40ºC). Die Symptome des katarrhalischen Stadiums verstärken sich. Gleichzeitig tritt der typische Hautausschlag mit 3 bis 6 Zentimeter großen, zunächst hellroten, unregelmäßig begrenzten Flecken auf, die ineinander fließen. Der Hautausschlag beginnt hinter den Ohren, breitet sich dann über Gesicht und Hals aus und bedeckt nach drei Tagen auch den Rumpf und die Extremitäten (Arme und Beine). Wenn der Ausschlag die Füße erreicht hat, circa am vierten Tag nach Beginn des Ausschlags, beginnt das Fieber zu sinken. Bei nicht kompliziertem Verlauf beginnt der Körper sich zu erholen (Rekonvaleszenz). Die Flecken färben sich dunkler, fast bräunlich, und verblassen, wobei die Haut sich schuppt. Die übrigen Symptome verschwinden allmählich.

Konsultieren Sie Ihren Arzt wegen der möglichen Komplikationen baldmöglichst. Rufen Sie ihn sofort, wenn es Ihrem Kind schlechter geht, nachdem es ihm bereits besser zu gehen schien. Beobachten Sie Nackensteifigkeit, Kopfschmerzen oder Benommenheit, deutet dies auf eine Gehirnentzündung hin. Suchen Sie Ihren Arzt auch sofort auf, wenn Ihr Kind Ohrenschmerzen bekommt oder Anzeichen einer Lungenentzündung, wie trockenen Husten oder Kurzatmigkeit, zeigt.

Ihr behandelnder Mediziner wird folgendermaßen vorgehen:
  • Die Diagnose kann er anhand der grippeähnlichen Symptome, der Koplik-Flecken, der zweigipfeligen Temperaturkurve und dem typischen Hautausschlag stellen. Zu Beginn der Erkrankung können aus dem Nasensekret Riesenzellen nachgewiesen werden. Ab dem Beginn des Exanthemstadiums ist auch der Nachweis masernspezifischer Antikörper (IgM) aus dem Blut möglich.
  • Da es sich bei Masern um eine Viruserkrankung handelt, gibt es kein spezifisches Medikament dafür. Es wird symptomatisch behandelt.
  • Bei einer Ohreninfektion oder Lungenentzündung wird er wahrscheinlich Antibiotika verschreiben.
  • Gegen das Fieber kann er paracetamolhaltige Zäpfchen oder Säfte verordnen. Das Kind sollte auch, solange es Fieber hat, im Bett bleiben.
  • Gegen die Bindehautentzündung wird ihr Arzt Augentropfen verordnen und die Empfehlung geben, den Schlafraum wegen der Lichtempfindlichkeit abzudunkeln und auf Fernsehen zu verzichten.
  • Bei starkem Husten kann er ein hustendämpfendes Medikament verordnen.
Mit folgenden Maßnahmen helfen Sie Ihrem Kind:
  • Geben Sie Ihm wegen des Hustens und des Fiebers reichlich zu trinken. Das Fieber können Sie durch Wadenwickel oder die verordneten Fiebermittel senken.
  • Vermeiden Sie direkten Lichteinfall und dunkeln Sie das Zimmer ab. Die Kinder sind oft lichtempfindlich.
  • Ihrem von Husten und Schnupfen geplagten Kind tut es gut, wenn Sie sein Zimmer kühl halten und die Raumluft regelmäßig befeuchten.
  • Sorgen Sie vor allem während der Fieberphase für Bettruhe.
  • Lassen Sie Ihr Kind erst ein bis zwei Wochen nach Beendigung aller Krankheitssymptome in den Kindergarten und die Schule, damit sich seine Abwehrkräfte erholen können.
Die Komplikationen bei und nach einer Maserninfektion sind vielfältig:
  • Heftige Mittelohrentzündungen können Schwerhörigkeit nach sich ziehen.
  • In seltenen Fällen ist eine Pigmentdegeneration der Netzhaut zu beobachten, deren Folge eine Erblindung sein kann.
  • Die Masernpneumonie, also eine Lungenentzündung, ist die häufigste Ursache für Todesfälle bei Masern.
  • Gefährlich ist auch der "Masernkrupp" mit Erstickungsanfällen und Atemnot.
  • Eine akute masernbedingte Appendizitis (Blinddarmentzündung) macht meist eine Operation nötig.
  • Besonders gefürchtet ist die Entzündung des Gehirns (Enzephalitis), die sich etwa 8 bis 14 Tage nach Erscheinen des Exanthems ausbildet. Sie tritt ungefähr bei einem von 2000 Masern-Fällen auf. Über die Blutgefäße gelangen die Erreger ins Gehirn und schädigen dort die Nervenzellen. Sie verursachen Bewusstseinsstörungen, Krämpfe, epileptische Anfälle sowie Lähmungen. Bei einem Drittel der Erkrankten bleiben geistige Schäden zurück. Circa 25% der an Masern-Enzephalits Erkrankten sterben.
  • Als eine sehr seltene, erst nach Jahren auftretende Masernkomplikation gilt die subakute sklerosierende Panenzephalitis (SSPE). Es handelt sich um eine tödlich verlaufende neurologische Erkrankung. Die Viren dringen in das Gehirn ein und zerstören dort Nervenzellen. Die Erkrankung bricht im Durchschnitt erst sieben Jahre nach einer zunächst komplikationslos verlaufenden Masernerkrankung aus. Zu den anfänglichen Symptomen zählen Interesselosigkeit, Apathie, nächtliche Angst und Wutausbrüche. Monate später treten unwillkürliche Bewegungen und geistiger Abbau auf.
Die Prognose bei einer Masernerkrankung ist bei komplikationslosem Verlauf gut. Die Letalität beträgt bei Komplikationen 3 bis 5 Prozent. Erwachsene erkranken oft schwerer als Kinder.

Prophylaktisch können die Kinder geimpft werden. Empfohlen wird ab dem vollendeten 11. Lebensmonat erstmals zu impfen. Eine zweite Masern-Impfung sollte im 2. Lebensjahr erfolgen, um einen zuverlässigen Schutz zu gewährleisten. Die zweite Impfung kann auch bereits vier Wochen nach der 1. erfolgen. Bei beiden Impfungen gegen Masern wird meist ein Kombinationsimpfstoff verwendet, der auch vor Mumps und Röteln schützt.

Aufgrund der hohen Letalitätsrate bei Komplikationen ist das Risiko eines Impfschadens mit Todesfolge verschwindend gering. Eine Impfung ist daher dringend anzuraten.

Wichtig ist auch zu wissen, dass auch noch nach einem Erregerkontakt der Ausbruch der Erkrankung durch eine rechtzeitige Impfung wirksam unterdrückt werden kann. Für nicht geschützte Säuglinge, Kleinkinder, Schwangere, abwehrgeschwächte und chronisch kranke Patienten besteht die Möglichkeit einer passiven Immunisierung. Es werden spezifische Antikörper (humane Gammaglobuline) gegeben. Eine Vermeidung oder Abschwächung der Maserninfektion kann aber nur erreicht werden, wenn die Gammaglobuline 2 bis 3 Tage nach Erregerkontakt verabreicht werden.


Kinderkrankheiten Übersicht

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