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Keuchhusten (Pertussis)

Keuchhusten ist eine durch Bakterien (Bordetella pertussis) hervorgerufene Kinderkrankheit, die vor allem für Neugeborene und Säuglinge lebensbedrohlich sein kann. Die Erkrankung tritt meist in kleinen Epidemien auf und hat ihren Altersgipfel im Kleinkindalter. Der Erreger ist hochansteckend und wird durch Tröpfcheninfektion übertragen. Der langwierige Verlauf und die stakkatoartigen Hustenanfälle sind die typischsten Merkmale dieser Infektionskrankheit, die eine akute Erkrankung der Atemwege darstellt. Therapiert wird mit Antibiotika (Erythromycin). Prophylaktisch steht seit einigen Jahren auch ein neuer, gut verträglicher, azellulärer Impfstoff zur Verfügung.

Keuchhusten ist auch heute noch weltweit eine der häufigsten Infektionskrankheiten bei Kindern. Aber auch Erwachsene können erkranken. Ihr Krankheitsverlauf ist oft untypisch. Sie stellen daher eine nicht zu unterschätzende Ansteckungsquelle für Kinder dar. Neugeborene und Säuglinge sind besonders gefährdet, da sie keinen Nestschutz haben. Dreiviertel der Keuchhustentodesfälle betreffen diese Altersgruppe. Mädchen erkranken häufiger als Jungen.

Der Keuchhustenerreger ist das stäbchenförmige Bakterium Bordetella pertussis. Der Mensch ist sein einziger Wirt. Es wird durch Tröpfcheninfektion, also durch Husten, Niesen, Küssen oder Benutzen desselben Geschirrs übertragen. Die häufigste Infektionsquelle sind Infizierte, die noch keine Symptome zeigen. Der Erreger ist hochinfektiös. In diesem Fall heißt das, dass 80 bis 90% der nicht geimpften Kontaktpersonen eines Angesteckten erkranken (Kontagionsindex 0,80). Der Krankheitserreger vermehrt sich nach der Infektion in den Flimmerepithelien des Atemtraktes und verursacht eine Entzündung der Schleimhaut, was zur Bildung eines zähen Schleims und den charakteristischen Hustenanfällen führt. Bordetella pertussis produziert ein spezifisches Bakteriengift, das so genannte Pertussis-Toxin, welches unabhängig vom eigentlichen Infektkeim den Krankheitsprozess unterhält.

Nach durchgestandener Erkrankung besteht eine langandauernde (10 bis 20 Jahre) Immunität.

Die Inkubationszeit, also die Zeitspanne zwischen Ansteckung und Auftreten der ersten Krankheitszeichen, beträgt 1 bis 2 Wochen, selten auch drei Wochen.

Die Ansteckungsgefahr ist im Prodromalstadium (siehe Krankheitsverlauf) am größten und klingt mit der 6. Krankheitswoche langsam ab. Die Ansteckungsfähigkeit beginnt jedoch schon am Ende der Inkubationszeit, wenn noch keine Symptome erkennbar sind. Bei Durchführung einer antibiotischen Therapie verkürzt sich die Dauer der Ansteckungsfähigkeit auf etwa 5 Tage nach Beginn der Therapie.

Der Krankheitsverlauf lässt sich in drei Stadien einteilen:
Nach der Inkubationszeit beginnt das katarrhalische oder Prodromalstadium. Das Kind hat die Symptome einer banalen Erkältung, wie Schnupfen, mäßiges Fieber und uncharakteristischen Husten. Dieses Stadium dauert ungefähr ein bis zwei Wochen. Der Pertussiserreger ist jetzt am besten nachweisbar und behandelbar. Im Konvulsivstadium kommt es zu den typischen Hustenanfällen, die in Serien von 15 bis 20 abgehackten (stakkatoartigen) Hustenstößen auftreten. Am Ende des oft minutenlangen Hustenanfalls zieht das Kind die Luft hörbar ein, so dass es wie ein Jauchzen klingt. Die Hustenanfälle sind durch äußere Reize (beispielsweise Zigarettenrauch oder trockene Luft) provozierbar und treten vornehmlich nachts auf. Innerhalb von 24 Stunden kommt es durchschnittlich zu 5 bis 50 Keuchhustenanfällen. Häufig gehen die Hustenanfälle mit Gesichtsrötung oder Zyanose (Blaufärbung des Gesichts) einher und das Kind erbricht zähen Schleim. Die Augen tränen und sind stark gerötet. Nach einer Hustenattacke folgt eine anfallsfreie Phase (Refraktärphase), in denen sich die Kinder relativ wohl fühlen. Junge Säuglinge ziehen die Luft nicht keuchend ein, sondern bei ihnen kann die Atmung aussetzen (Apnoe). Sie müssen daher im Krankenhaus behandelt werden. Das Konvulsivstadium dauert zwei bis sechs Wochen und geht in das Rekonvaleszenzstadium über. Diese Krankheitsphase dauert meist zwei Wochen, kann sich aber auch bis zu sechs Wochen hinziehen. Die Hustenanfälle und das Erbrechen nehmen langsam ab, ebenso die Ansteckungsgefahr. Allerdings können die Hustenanfälle die nächsten Wochen und Monaten immer wieder auftreten, besonders bei körperlicher Belastung oder bei Erkältungen.

Der Arzt sollte umgehend aufgesucht werden, wenn Sie wissen, dass Ihr nicht geimpftes Kind Kontakt zu einem Infizierten hatte. Gehen Sie mit Ihrem Kind auch zum Arzt, wenn es länger als eine Woche ohne Besserungstendenz hustet (auch bei unspezifischem Husten).

Ihr behandelnder Mediziner wird folgendermaßen vorgehen:
  • Zur Diagnoseabsicherung wird im frühen Krankheitsstadium durch einen Nasen-Rachen-Abstrich der Erreger festgestellt. Nach einigen Wochen lassen sich spezielle Antikörper im Blut nachweisen. Die typischen Hustenanfälle sind für den Arzt ein charakteristisches Indiz für die Erkrankung.
  • Ihr Arzt wird Ihnen für Ihr Kind ein Antibiotikum (Erythromycin) verschreiben. Es muss 14 Tage genommen werden. Es verhindert den Ausbruch der Hustenanfälle nicht, kann aber das Prodromalstadium verkürzen und die Ansteckungsgefahr vermindern. Denn die Hustenattacken werden durch das Bakteriengift Pertussis-Toxin ausgelöst, dass nicht auf das Antibiotikum anspricht. Lediglich der Erreger selbst, Bordetella pertussis, wird durch das Medikament eliminiert.
  • Medikamentöse Hustenblocker wird Ihr Arzt wahrscheinlich nicht verordnen, da sie kaum wirken, stattdessen wird er reichlich Flüssigkeitszufuhr in den anfallsfreien Phasen empfehlen. Ihr Kind sollte in diesen Phasen auch bevorzugt breiig-flüssige Nahrung erhalten.
  • Eventuell verschreibt er einen Schleimlöser, um das Abhusten zu erleichtern und milde Beruhigungsmittel, um die Hustenanfälle zu dämpfen.
  • Säuglingen, die Kontakt mit Erkrankten hatten, wird Ihr Arzt zur Vorbeugung sofort Antibiotika verordnen.
  • Ihren Säugling wird er eventuell in ein Krankenhaus einweisen. Säuglinge sind oft nicht in der Lage, den Schleim abzuhusten und es kann zu Atemstillständen kommen. Sie können zu schweren Gesundheitsschäden oder sogar zum Tod führen. Der Schleim wird daher in der Klinik abgesaugt. Das Aussetzen der Atmung wird dort rechtzeitig erkannt und kann sofort durch Beatmung behandelt werden.
Folgende nützliche Maßnahmen können Sie selbst ergreifen:
  • Setzen Sie Ihr Kind bei einem Hustenanfall aufrecht, leicht nach vorn gebeugt hin.
  • Stellen Sie eine Schüssel bereit, in die das Kind den Auswurf spucken kann. Stellen Sie eventuell in mehreren Zimmern Schüsseln auf, damit Ihr Kind den Auswurf ausspucken oder sich erbrechen kann, ohne lange Wege zur Toilette zurücklegen zu müssen. Reinigen Sie die Schüsseln mit kochendem Wasser, um eine Ausbreitung der Infektion zu verhindern.
  • Bewahren Sie während eines Hustenanfalls Ruhe. Eine Panik würde die Atemnot nur verschlimmern.
  • Wenn Ihr Kind nach einem Hustenanfall erbricht, geben Sie ihm reichlich Flüssigkeit und einen kleinen Imbiss zu essen. Sie erhöhen dadurch die Chance, dass es etwas bei sich behält und bei Kräften bleibt.
  • Vermeiden Sie, dass sich Ihr Kind zu stark körperlich anstrengt. Ein Hustenanfall wird dadurch leicht ausgelöst und erschöpft das Kind.
  • Setzen Sie Ihr Kind keinem Zigarettenrauch aus. Sorgen Sie für feuchte Raumluft.
  • Wird Ihr Kind nicht mit Antibiotika behandelt, so sollten Sie es während der zwei- bis sechswöchigen Hustenphase von nicht geschützten Erwachsenen und Kindern fernhalten. Ansteckungsgefahr besteht bis zum Abklingen der Symptome.
  • In die Schule oder den Kindergarten schicken Sie Ihr Kind erst wieder, wenn Ihr behandelnder Mediziner dies erlaubt.
Komplikationen sind bei jungen Kindern am häufigsten. Als Folge des Preßhustens können beispielsweise Blutungen der Augenbindehaut auftreten. Aber auch die Folgeerkrankungen nach Keuchhusten-Infektionen sind problematisch. Besonders häufig sind Lungenentzündungen, oft hervorgerufen durch sekundäre bakterielle Keime. Auch Mittelohrentzündungen oder Erkrankungen des Gehirns mit Krampfanfällen zählen zu den Komplikationen. Letztere sind zwar selten, tragen aber wesentlich zu den Todesfällen im Säuglingsalter bei.

Prophylaktisch können die Kinder geimpft werden. Die Impfung stellt den einzig wirksamen Schutz vor einer Keuchhusten-Erkrankung dar. Sie kann nicht völlig vor einer Infektion schützten, aber sie verhindert eine schwere Erkrankung. Seit einigen Jahren sind sehr gut verträgliche, azelluläre Impfstoffe verfügbar. Sie enthalten nur noch die immunologisch wirksamen Bestandteile der Keuchhusten-Bakterien, nicht mehr den inaktivierten ganzen Keim.

Die Impfung wird viermal vorgenommen. Die Empfehlung ist, im dritten Lebensmonat mit der ersten Impfung zu beginnen und dann je eine Impfung im vierten und fünften Monat durchzuführen. Zwischen dem 12. und 15. Lebensmonat erfolgt dann die vierte Impfung. Meist wird mit Kombinationspräparaten geimpft, die auch vor anderen Infektionskrankheiten, wie beispielsweise Wundstarrkrampf (Tetanus), Diphtherie und Kinderlähmung (Polio) schützen.

Bei 9- bis 17-jährigen sollte der Impfschutz gegen Keuchhusten wieder aufgefrischt werden. Empfehlenswert ist es auch, den Immunschutz gegen Keuchhusten vor der Geburt eines Kindes bei Geschwistern und engen Bezugspersonen zu überprüfen und gegebenenfalls aufzufrischen.


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