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Borreliose (Lyme-Krankheit)

Bei der Borreliose handelt es sich um eine bakterielle Infektionskrankheit, die in der Regel durch Zecken (gemeinen Holzbock, Ixodes ricinus) übertragen wird. Entsprechend der Aktivität der Zecken kommt es zu einer saisonalen Häufung der Erkrankung von April bis Oktober, wenn die Zecken in Wäldern, Gebüschen und Gräsern auf ihre Wirte (Säugetiere, Vögel und Reptilien) lauern. Die Durchseuchung der Zecken mit dem Erreger Borrelia burgdorferi ist sehr unterschiedlich (5 bis 50%). Die infizierten Zecken sind in ganz Deutschland anzutreffen und der Erreger kommt in jedem Entwicklungsstadium der Zecken vor. Die Infektion mit dem Erreger hinterlässt keine lebenslange Immunität.

Die Ursache der Lyme-Borreliose ist das spiralige, korkenzieherförmige Bakterium Borrelia burgdorferi. Es wurde 1982 von Burgdorfer und Babour entdeckt. Inzwischen sind auch verschiedene Serotypen des Bakteriums bekannt, denen möglicherweise unterschiedliche Pathogenität (Fähigkeit krank zu machen) und Organaffinitäten (bevorzugen bestimmte Organe) zukommen. Der Erreger gelangt oft erst 12 bis 48 Stunden nach dem Biss mit dem betäubenden Speichel der Zecke in Körper des Menschen. (Daher die Zecke immer schnell entfernen!).

Die Krankheit verläuft in drei Stadien, wobei nicht jedes ausgeprägt vorhanden sein muss.

Stadium I:
Innerhalb von wenigen Tagen bis sechs Wochen nach dem Zeckenbiss entsteht eine ringförmige, größer werdende Hautrötung um die Bissstelle, die innen wieder verblasst. Man nennt sie Wanderröte oder Erythema migrans. Die betroffene Haut ist wärmer als ihre Umgebung. Außerdem können grippeähnliche Beschwerden (Fieber, Abgeschlagenheit, Kopfschmerzen, Gelenkschmerzen, Muskelschmerzen) bestehen. Unbehandelt verschwinden die Hautrötung und die Beschwerden nach ein bis zwei Wochen wieder. Diese Krankheitsphase kann sich aber auch monatelang hinziehen. Nur etwa 1/3 der Menschen, die von einer infizierten Zecke gebissen wurden, entwickeln die typischen Krankheitsanzeichen. Ein Teil erkrankt nicht oder auf untypische Art und Weise und/oder wird mit der Infektion ohne Antibiotika fertig.

Stadium II
Charakteristisch für Stadium II ist eine weitere Hauterscheinung, die bei Borreliose vor allem bei Kindern, Jugendlichen und Frauen auftritt, das so genannte Benigne Lymphozytom (Lymphadenosis cutis benigna). Es handelt sich um eine halbkugelige, scharf abgegrenzte, teils sattrote, teils bläulich-rote Hautverdickung. Sie tritt bevorzugt an den Ohrläppchen, den Brustwarzen und im Genitalbereich auf.

Des Weiteren kommt es bei 10 bis 20% der in der ersten Phase nicht Behandelten zu:

  • Konzentration- und Gedächtnisschwäche,
  • Stimmungsschwankungen,
  • Gesichtsnervenlähmungen (meist einseitig -> Facialisparese),
  • Hirnhautentzündung mit vielseitigen Symptomen (Fieber, Erbrechen, Kopfschmerzen),
  • Gelenkschmerzen (Arthritis) -> Dauer 1 - 2 Wochen.

Sehr selten kommt es zu Herz- und Muskelentzündungen sowie Entzündungen der Sehnerven.

Stadium III
Ohne Elimination der Infektion durch das körpereigene Immunsystem oder eine entsprechende antibiotische Therapie entwickelt sich nach Monaten oder Jahren das Stadium III. Die Erkrankten haben rheumatische Beschwerden in einzelnen großen Gelenken (chronische Polyarthritis). Die Nervenstörungen der Phase II verstärken sich. In sehr seltenen Fällen tritt an den Extremitäten eine weitere Hauterscheinung auf. Es handelt sich um die Akrodermatitis chronica atrophicans. Das Unterhautfettgewebe bildet sich zurück und die betroffenen Hautstellen sind blau-rötlich gefärbt. Sie weisen eine zigarettenpapierartige Fältelung auf und haben eine ausgeprägte Venenzeichnung.

Sie sollten immer mit Ihrem Kind zum Arzt, wenn der Verdacht auf Borreliose besteht. Es gibt einige ähnliche rheumatische Beschwerden und Teilleistungsstörungen des Gehirns, die eine andere Ursache haben. Eine Abklärung ist daher wichtig.

Die Diagnose der Borreliose anhand der ins Auge fallenden Hauterscheinungen ist nicht immer möglich, da diese Krankheitszeichen auch fehlen können. Außerdem können sich 50 % der Erkrankten gar nicht an einen Zeckenbiss erinnern, vor allem dann nicht, wenn es sich um die oft winzigen, kaum entdeckbaren Larvenstadien der Zecken handelt. Untersuchungen des Blutes, der Gelenkflüssigkeit, des Gehirnwassers oder von Hautproben auf Antikörper oder Bakterienbestandteile sind hilfreich bei der Diagnosestellung.

Die Therapie besteht in der Gabe von Antibiotika. Bei Klein- und Schulkindern wird meist Penicillin oder Ampicillin verschrieben. Bei größeren Kindern können auch Tetracycline gegeben werden. Je nach Krankheitsstadium werden die Antibiotika in Tablettenform oder als Infusion verabreicht. Die Behandlung dauert zwei bis vier Wochen. Eine prophylaktische Antibiotikagabe nach einem Zeckenstich, ohne Auftreten von Krankheitszeichen, wird nicht empfohlen.

Die Prognose ist bei Kindern unter acht Jahren sehr gut. Vor allem die Nervenstörungen verlaufen bei Kindern milder als bei Erwachsenen.

Prophylaktisch kann der Borreliose natürlich dadurch begegnet werden, es erst gar nicht zu einem Zeckenbiss kommen zulassen (siehe dazu auch Schutz vor Zeckenstichen unter dem Kapitel Zecken) und die Zecke schnellstmöglich zu entfernen (siehe dazu Entfernen von Zecken im Kapitel Zecken).


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Diese Informationen dürfen auf keinen Fall als Ersatz für ärztliche Beratung angesehen werden. Der Inhalt von medhost.de kann und darf auf keinen Fall verwendet werden, um eigenständig Diagnosen zu stellen oder Selbstbehandlung durchzuführen.

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