Gesundheit Lexikon
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Impfung gegen Tollwut

Was verursacht die Tollwut? Wie kann man sich anstecken?

Tollwut ist eine akute Infektionskrankheit, die ohne Impfmaßnahmen zum Tod führt. Auslöser der Erkrankung sind die Tollwut- oder Rabies-Viren, von denen es mehrere Typen gibt. Sie greifen das Nervensystem an und lösen eine lebensbedrohliche Gehirnentzündung aus.

Das Virus findet sich im Speichel von tollwütigen Tieren und wird in der Regel über einen Biss übertragen. Auch kleinste Verletzungen der Haut oder Schleimhäute können das Eindringen des Erregers durch eine Schmier- oder Kontaktinfektion ermöglichen (bsp. Ablecken durch das infizierte Tier). Überträger der Rabies-Viren können Hunde, Füchse, Wölfe, Frettchen, Dachse, Marder, Marderhunde, Wildschweine, Waschbären, Stinktiere und Fledermäuse sein.

Die infizierten Tiere weisen oft veränderte Verhaltensmuster auf. Anzeichen können ein unkontrollierter Gang, Schnappen, Beißen ohne Anlass und ein allgemein aggressives Verhalten sein. Wildtiere verhalten sich oft ungewöhnlich zutraulich oder die angesteckten Tiere sind unnatürlich ruhig. Ein untrügliches Zeichen ist Schaum vor dem Mund.

Wie verbreitet ist die Tollwut?

Die Tollwut ist weltweit verbreitet. Nur Großbritannien, Australien, Neuseeland und Japan gelten als tollwutfrei (Ausnahme Fledermaustollwut in Schottland und Australien). Zu den risikoarmen Infektionsgebieten zählen Finnland, Nord- und Südirland, Island, Norwegen, Schweden, die Schweiz sowie Portugal und Griechenland. Aus diesen Ländern wurden in den letzten Jahren keine Fälle gemeldet.

Ein hohes Tollwutinfektionsrisiko besteht in Teilen Südamerikas und in Mittelamerika sowie auf dem afrikanischen Kontinent und in Teilen Asiens. Die meisten Erkrankungsfälle werden aus Indien gemeldet.

Die jährliche Erkrankungsrate wird von der WHO (Weltgesundheitsorganisation) mit circa 60.000 Tollwuterkrankungen, die Menschen betreffen, angegeben.

Wie stellt sich die Krankheit dar? Wie wird behandelt?

Die Inkubationszeit richtet sich bei dieser Erkrankung danach, wie weit die Bisswunde vom Gehirn entfernt ist, denn die Viren wandern entlang der peripheren Nerven zum Rückenmark und Gehirn. Je entfernter die infizierte Wunde von diesen Strukturen ist, desto länger dauert es, bis die ersten Symptome auftreten. Es sind Zeiten von neun Tagen bis acht Wochen möglich, in Extremfällen dauert es auch mehrere Monate.

Die lokale Virusvermehrung macht sich durch Juckreiz, Schmerzen und Missempfindungen an der Bissstelle bemerkbar. Später folgen Erbrechen und rasende Kopfschmerzen. Dann treten Muskelverkrampfungen, Zuckungen, generelle Unruhe, Krämpfe, Halluzinationen, Verwirrung und Angst auf. Der typische Schaum vor dem Mund entsteht durch eine Lähmung der Rachennerven. Der Speichel kann nicht mehr geschluckt werden und bildet Schaum vor dem Mund. Weitere typische Symptome sind Hydrophobie (Angst vor Wasser) und Photophobie (Lichtscheu).

Der Tod tritt durch eine Atemlähmung ein.

Es gibt derzeit kein Heilmittel gegen die Tollwut. Nur eine rechtzeitige Impfung kann den Ausbruch der Erkrankung verhindern.

Wie sieht es mit der Ansteckungsfähigkeit aus?

Die infizierten Tiere sind drei Tage vor Beginn der Symptome bis zum Tod ansteckend.

Alles „rund“ um die Impfung

Impfempfehlung: Geimpft werden sollten Jäger, Waldarbeiter und landwirtschaftliches Personal in Risikogebieten, weiterhin Tierärzte, Tierpfleger, Fledermausforscher sowie Entwicklungshelfer. Bei Reisen in Risikogebiete – vor allem mit Hundetollwut – sollte man ebenfalls eine Impfung vornehmen lassen. Gefahr besteht normalerweise in Entwicklungsländern, vornehmlich aber in Indien, Südostasien sowie in Afrika südlich der Sahara.

Impfstoff: Tiere werden mit einem Lebendimpstoff behandelt (Impfköder). Beim Impfstoff für Menschen handelt es sich um einen Totimpfstoff. Derzeit sind zwei verfügbar: der HDC-Impfstoff, bei dem (diploide) menschliche Zellen zur Herstellung genutzt werden und dem die Antibiotika Aureomycin und Neomycin zugesetzt sind; des Weiteren der sogenannte PCECV-Impfstoff, bei dem die Erreger auf Vorläufern von Hühnerbindegewebszellen kultiviert werden. Dieser Impfstoff enthält zudem die Antibiotika Amphotericin B, Neomycin und Tetracyclin.

Impfhäufigkeit (vor Beginn der Gefährdung): Der Impfstoff wird dreimal innerhalb von drei Wochen gegeben. Die Auffrischung erfolgt nach einem Jahr. Eine Untersuchung auf Antikörper ist bei hoch gefährdeten Personengruppen in Risikogebieten angezeigt (Tierärzte, Tierpfleger, Fledermausforscher, Jäger usw.) Sie erfolgt im sechs- bis zwölfmonatigen Abstand. Bei Bedarf wird sofort eine Auffrischimpfung vorgenommen.

Bei anderen Personengruppen (bsp. Reisenden in Länder mit Hundetollwut) erfolgt die Auffrischung nach fünf Jahren.

Impfhäufigkeit (nach einer möglichen Infektion): Personen, die Tollwutviruskontakt hatten und bereits in der Vorgeschichte geimpft wurden, erhalten eine zweimalige Impfung am Infektionstag und am 3. Tag nach der Infektion.

Nicht vollständig geimpfte Menschen und nicht geimpfte Menschen erhalten den Impfstoff an den Tagen 0, 3, 7, 14 und 28 nach der Infektion. Mit der ersten Impfung bekommen die Betroffenen zudem Tollwut-Immunglobulin, das bei Bissverletzungen um die Wunde herumgespritzt wird, um die Infektionsviren abzufangen.

Weitere Maßnahmen nach einer möglichen Infektion: Die Wunde muss sofort mit Seifenwasser ausgewaschen und desinfiziert werden. Wenn möglich, auf jeden Fall eine Blutprobe des Tieres untersuchen und – falls vorhanden – seinen Impfausweis kontrollieren.

Impfreaktion: Bei etwa 10 Prozent der geimpften Menschen treten an der Einstichstelle Rötungen, Schwellungen und Schmerzen auf, bisweilen sind die zugehörigen Lymphknoten mit angeschwollen.

Zudem können Allgemeinsymptome, wie Temperaturerhöhung, grippeähnliche Beschwerden und Magen-Darm-Beschwerden beobachtet werden. Selten kommt es zu Gelenkschmerzen und –entzündungen. Sehr selten treten allergische Reaktionen auf.

Kontraindikationen: Soll die Impfung vorbeugend erfolgen, so spricht gegen sie eine frühere Unverträglichkeit eines Tollwutimpfstoffs bzw. eine Unverträglichkeit gegenüber den Zusatzstoffen.

Nach einer Infektion ist eine schnelle Indikationsstellung nötig. Auch Allergiker können nach einer gewissen Vorbehandlung gegen die Allergie geimpft werden. Das Motto bei einer möglichen Tollwutinfektion lautet, lieber einmal zu viel impfen, als einmal zu wenig.

med. Redaktion Dr. med. Werner Kellner
Aktualisierung 30.10.2009


Impfungen

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