Gesundheit Lexikon
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Impfung gegen den Pockenerreger

Die Pocken waren noch bis zur Wende vom 19. in das 20. Jahrhundert eine Seuche, welche die Menschen stets in Atem gehalten hat. Dank weltweiter konsequenter Impfungen trat der letzte Pockenfall 1977 in Somalia auf. Am 8. Mai 1980 erklärte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) die Welt für pockenfrei. Derzeit finden sich die auslösenden Viren nur noch in einigen Hochsicherheitslabors.

Ein erneuter Ausbruch kann derzeit nur durch Laborunfälle oder Bioterrorismus geschehen. Aus Furcht vor einem solchen verbrecherischen Angriff stockten beispielsweise die USA und Deutschland nach den Anschlägen vom 11. September 2001 ihre Impfstoffvorräte gegen den Pockenerreger auf.

Wie kann man sich mit Pocken anstecken?

Pocken sind eine schwere Allgemeinerkrankung mit typischen Hauterscheinungen, hohem Fieber sowie Lungen- und Herzmuskelentzündungen. Auslöser der Erkrankung ist das Menschenpockenvirus (Variolavirus oder Orthopoxvirus variola). Die ziegelförmigen Krankheitserreger stellen die größten Viren dar, die beim Menschen Erkrankungen auslösen. Die Übertragung des Variolavirus erfolgt über eine Tröpfcheninfektion oder über die Haut eines Erkrankten sowie seine Wäsche oder Kleidung.

Wie lange dauert es von der Infektion bis zum Ausbruch der Erkrankung?

Die Inkubationszeit beträgt sieben bis 19 Tage, im Mittel zwölf bis 14. In dieser Zeit vermehrt sich das Virus in den Lymphknoten, Schleimhäuten sowie in der Milz und dem Knochenmark. Die Betroffenen sind aber noch nicht ansteckend.

Wie sieht das Krankheitsbild aus? Welche Komplikationen treten auf?

Die Pockenerkrankung verläuft in mehreren Phasen. Zunächst treten für zwei bis drei Tage Fieber, Hals-, Kopf- und Kreuzschmerzen auf. Eine Hautrötung kann vorhanden sein. Nach vier bis acht Tagen bricht dann der typische Hautausschlag aus, der an der Mund- und Rachenschleimhaut beginnt. Da das Virus von dort in den Speichel gelangt, ist der Patient ab jetzt ansteckend. Der Ausschlag breitet sich über den ganzen Körper aus, nur die Achselhöhlen und die Innenseite der Oberschenkel bleiben frei, besonders betroffen sind das Gesicht, der behaarte Kopf sowie Unterarme und Handflächen.

Die Effloreszenzen entwickeln sich folgendermaßen: Erst bilden sich rote Flecken, die zu Knötchen werden, die sich mit Flüssigkeit füllen und Bläschen bilden. Diese wandeln sich dann in Pusteln um. Sie sind mehrkammerig und weisen zunächst einen zentralen Pockennabel auf. Die Pusteln trocknen aus und Krusten entstehen, die circa nach drei Wochen abgestoßen werden. Das Abstoßen der Krusten ist mit einem starken Juckreiz verbunden. Häufig bleiben Narben zurück. Die verschiedenen Formen des Hautausschlags befinden sich immer im selben Stadium (ÔWindpocken: hier alle Stadien nebeneinander).

Begleitend zu den Hauterscheinungen haben die Betroffenen ein schweres Krankheitsgefühl sowie hohes Fieber, das im Laufe von ein bis drei Wochen treppenförmig abfällt. Außerdem treten Entzündungen an der Lunge und dem Herzmuskel auf. Bakterielle Sekundärinfektionen sind möglich.

Wer die Pocken überlebt, hat einen lebenslangen Immunschutz. Bei Geimpften mit Restschutz fällt die Erkrankung leichter aus.

Da der Körper des Erkrankten durch das Virus stark in Mitleidenschaft gezogen wird, überlebt jeder Fünfte die Erkrankung nicht. Komplikationen werden vor allem durch die Lungenentzündung und Herzrhythmusstörungen hervorgerufen.

Eine ursächliche Behandlung gibt es bis heute nicht.

Wie sieht es mit der Ansteckungsfähigkeit aus?

Die Erkrankten sind ansteckend vom Ausschlagbeginn im Rachenbereich bis zum Abfall der letzten Krusten, also für circa drei bis vier Wochen.

Impfung

Seitdem die Pocken von der WHO offiziell für ausgerottet erklärt wurden, verzichtet man weltweit darauf, gegen Pocken zu impfen. Menschen, die nach 1980 geboren sind, besitzen also keinen Impfschutz mehr. Ältere Personen verfügen über einen Teilschutz, da die Impfwirkung drei Jahre nach der Vakzination zurückgeht.

Vor der Ausrottung des Virus impfte man mit einem Lebendimpfstoff. In den1970er Jahren wurde auch noch ein verträglicherer Alternativimpfstoff, der MVA genannt wurde, entwickelt. Dieser ist in der Praxis allerdings nicht genügend ausgetestet.

Der früher angewendete Lebendimpstoff führte bei Kindern häufig und bei Erwachsenen selten zu einer Reihe von gefährlichen Nebenwirkungen. Dazu zählten Hirnentzündungen oder ein Impfekzem (Ekzema vaccinatum) sowie eine generalisierte Impfreaktion. Bei Nachimpfungen waren Nebenwirkungen - unabhängig vom Alter - ganz selten.

Kontraindikationen für die Impfung stellten beispielsweise eine akute, schwere Erkrankung, Immunschwäche oder eine Schwangerschaft dar.

Quellen:
Friedrich Hofmann, Impfen
Deutsches Ärzteblatt 2003; 100(13): A-821 / B-697 / C-651,Zylka-Menhorn, Vera
rki.de, Steckbrief seltener und importierter viraler Erkrankungen

med. Redaktion Dr. med. Werner Kellner
Aktualisierung 30.10.2009


Impfungen

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