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Hepatitis-B-Impfung

Was ist Hepatitis B? Was ist typisch für den auslösenden Erreger? Wie kann man sich anstecken?

Hepatitis B ist eine Entzündung der Leber, die zu Leistungseinbruch, Übelkeit und einem druckschmerzhaften Oberbauch führt. Schwerwiegende Komplikationen der Erkrankung können eine Leberschrumpfung oder Leberkrebs sein.

Erreger des entzündlichen Leidens ist das Hepatitis B-Virus (kurz: HBV). Es verfügt über eine wesentlich höhere Ansteckungsfähigkeit als beispielsweise das HI-Virus, der Verursacher von AIDS.

Übertragen wird der Keim parenteral (= nicht über den Darm), beispielsweise über Blut, Sperma, Vaginalsekret und Speichel. Ein typischer Infektionsweg ist der unbeabsichtigte Stich mit einer infizierten Spritze oder mehrmals verwendete Kanülen sowie verunreinigte Blutkonserven oder ungeschützte Sexualkontakte. Eine infizierte Mutter kann ihr Kind auch während des Geburtsvorganges anstecken. Selbst beim gemeinsamen Benutzen einer Zahnbürste ist die Virusübertragung möglich.

Wie reagiert der Körper auf die Infektion?

Eine Infektion mit dem Virus kann vier verschiedene Verlaufsformen nehmen: zwei ohne Krankheitszeichen, zwei mit Symptomen (siehe Abschnitt Krankheitsbild). Bei jeder Form kommt es zu einer Antikörperbildung gegen den Kern des Virus. Man spricht von sogenannten anti HBc-Antikörpern (Anti-Hepatitis B Core Antigen). Sie zeigen die Virusinfektion an, stellen aber keinen Schutz vor der Virusattacke dar.

Im günstigsten Fall kommt es zur stillen Feiung. Es besteht zwar eine akute Infektion, aber die Krankheitszeichen bleiben aus. Der Körper bildet schützende Antikörper gegen ein Oberflächeneiweiß des HBV (= HBs-Antigen; s = engl. surface = Oberfläche), sogenannte anti HBs-Antikörper. Bei einem erneuten Kontakt mit dem Virus können diese Antikörper die Infektion abwehren.

Die andere Variante ist die chronische Infektion, bei der ohne typische Krankheitszeichen die schützende Antikörperbildung gegen das Oberflächeneiweiß unterbleibt. Antikörper gegen den Kern des Virus sind aber nachweisbar. Je jünger der Patient bei der Erstinfektion ist, desto wahrscheinlicher ist diese Variante der Infektion. Im weiteren Verlauf ihres Lebens haben diese Patienten ein erhöhtes Risiko an Leberkrebs zu erkranken.

Wie kann das Krankheitsbild aussehen? Welche Komplikationen treten auf?

Bei der Infektion mit Krankheitssymptomen unterscheidet man in die akute Erkrankung und die chronische Hepatitis B.

Bei der akuten Variante erkranken die Betroffenen zwei bis sechs Monate nach der Infektion häufig an einem Gallestau. Er verursacht eine Gelbfärbung der Augen und der Haut. Die Betroffenen leiden unter Appetitlosigkeit und Übelkeit. Sie müssen meist in einem Krankenhaus behandelt werden. Die Leber reagiert schmerzhaft auf Druck, die Patienten leiden unter Fieber und einem quälenden Juckreiz, ihr Urin ist braun gefärbt. Das Erkrankungsbild geht nach sechs bis acht Wochen zurück. Im Blut lassen sich HBs-Antikörper nachweisen.
Als schwerste Komplikation bei einer akuten Infektion kann es zu Leberversagen und somit zum Tod kommen (circa 1 Prozent der Erkrankten).

Bei etwa 5 bis 10 Prozent der Patienten verläuft die Infektion chronisch (länger als sechs Monate). Diese Fälle schließen sich direkt an eine akute Infektion an oder verlaufen primär unbemerkt für eine längere Zeit. Die Chronifizierung nimmt mit steigendem Alter ab und ist bei Neugeborenen am höchsten. Die Erkrankung mündet bei diesen Patienten häufig in Leberschäden. Folgen können eine Leberschrumpfung oder Leberkrebs sein.

Bei etwa ein bis zwei Prozent der Erkrankten ist eine Lebertransplantation notwendig.

Wie wird behandelt?

Erkrankte und chronisch infizierte Menschen müssen alles vermeiden, was die Leber zusätzlich belastet. Unabdingbar ist der Verzicht auf Alkohol. Weitere allgemeine Maßnahmen sind die Gabe von Vitaminen und Aminosäuren sowie eine reizlose Kost und Bettruhe nach Beginn der Erkrankung.

Sofern die Erkrankten noch infektiös sind, müssen ihr Stuhl und Urin desinfiziert werden, Geschlechtsverkehr muss unterbleiben. Kontaktpersonen sollten sich unbedingt – bei nicht bestehendem Schutz – impfen lassen.

Bei einer chronischen Erkrankung versucht man, medikamentös zu behandeln. Es wird Interferon alpha zusammen mit einem Medikament verabreicht, das in die Bildung der viralen Erbsubstanz eingreift (bsp. Lamivudin und andere).

In einigen Fällen kann aber nur noch eine Lebertransplantation helfen.

Wie lange dauert die Ansteckungsfähigkeit?

Menschen, bei denen das HBsAg (= Hepatitis B surface Antigen) im Blut nachgewiesen werden kann, gelten als infektiös. Werden HBs-Antikörper nach einer Infektion nachgewiesen, besteht ein lebenslanger Schutz vor der Erkrankung.

Verbreitung der Hepatitis B

Das HBV ist weltweit verbreitet. Nach Schätzungen der WHO sind mindestens 350 Millionen Menschen chronisch mit dem Virus infiziert. In Deutschland sind es ungefähr 0,7 Prozent der Bevölkerung (HBsAg positiv).
Eine deutlich höhere Durchseuchungsrate findet sich in Afrika südlich der Sahara und in Ostasien.

Alles „rund“ um die Hepatitis-B-Impfung

Impfempfehlung: Die STIKO (Ständige Impfkommission) hat seit 1995 die Hepatitis-B-Impfung als Standardimpfung in den Impfkalender für Säuglinge, Kinder, Jugendliche und Erwachsene aufgenommen. Dazu werden idealerweise vier Impfdosen zwischen dem Dritten und 14. Lebensmonat verabreicht. Die Impfung wird mithilfe eines Kombinationsimpfstoffes durchgeführt.
Im Alter von neun bis 17 Jahren wird bei nicht geimpften Jugendlichen eine Grundimmunisierung empfohlen oder der Impfschutz wird komplimentiert.

Die Impfung ist auch für Personen ratsam, die ein gewisses Infektionsrisiko haben. Dazu zählen:

  • Personen, die im Gesundheitswesen tätig sind oder auch sonst beruflich exponiert sein können, bsp. Polizisten;
  • Dialysepatienten oder Menschen, die häufig Blut oder Blutbestandteile übertragen bekommen (Bluter);
  • Patienten in psychiatrischen Einrichtungen;
  • Patienten vor ausgedehnten chirurgischen Eingriffen;
  • Kontaktpersonen von Infizierten (bsp. Ehefrau eines infizierten Mannes); zu denken ist hier auch an das Neugeborene einer infizierten Mutter. Es ist darauf zu achten, dass nach der 32. Schwangerschaftswoche ein Hepatitis-B-Test durchgeführt wird. Ist die Mutter positiv, muss der Säugling nach der Geburt geimpft werden und er erhält Immunglobuline.
  • Drogenabhängige;
  • Menschen mit häufig wechselnden Geschlechtspartnern (bsp. Prostituierte);
  • Reisende in Gebiete mit hoher Ansteckungsgefahr;
  • chronisch leberkranke Personen und HIV-infizierte, die keinen Schutz haben.

Impfstoff: Bei dem Impfstoff handelt es sich um einen gentechnisch gewonnenen Totimpfstoff. Es sind verschiedene Mehrfachimpfstoffe im Handel.

Impfhäufigkeit: Für die Grundimmunisierung im Kleinkindalter sind vier Impfdosen nötig. Der Impfschutz reicht dann bis ins Erwachsenenalter aus.
Bei nicht geschützten Risikopersonen wird die Grundimmunisierung mit drei Impfdosen durchgeführt. Die ersten beiden erfolgen im vierwöchigen Abstand, die Dritte nach einem halben Jahr. Ein bis zwei Monate nach der letzten Impfung wird durch einen Antikörpertest die Wirksamkeit der Impfung überprüft. Werden mehr als einhundert Einheiten (anti) HBs-Antikörper gefunden, so muss erst nach zehn Jahren aufgefrischt werden.

Interessant ist auch ein Kombinationsimpfstoff gegen Hepatitis B und A. Hepatitis A ist eine weitere häufige Infektion der Leber durch Viren. Der Impfstoff kann ab dem zweiten Lebensjahr gegeben werden. Drei Impfdosen sind nötig, um einen Langzeitschutz hervorzurufen. Der Impfabstand zwischen der ersten und zweiten Impfung beträgt einen Monat, ein halbes Jahr später erfolgt die dritte Impfung.

Impfreaktion: An der Impfstelle können Schwellungen, Rötungen und Schmerzen auftreten.

Kontraindikationen: Nicht geimpft werden sollte bei einer akuten Erkrankung.

med. Redaktion Dr. med. Werner Kellner
Aktualisierung 30.10.2009


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