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Klimakterium - Wechseljahre (engl. climateric)

Die Wechseljahre werden auch als Klimakterium bezeichnet. Sie umfassen den Zeitraum zwischen dem 45. und 60. Lebensjahr. Es ist die Phase im Leben einer Frau, in der die Eierstöcke ihre Tätigkeit allmählich einstellen, die Fortpflanzungsfähigkeit langsam erlischt und die Regelblutung schließlich dauerhaft ausbleibt. Den Zeitpunkt, an dem die Menstruation das letzte Mal stattfindet, nennt man Menopause. In Deutschland liegt das Menopausenalter zwischen 51 und 52 Jahren. Das Klimakterium stellt keine Krankheit dar, sondern einen Eintritt in einen neuen Lebensabschnitt. Allerdings leidet etwa ein Drittel aller Frauen unter dem sogenannten Menopausensyndrom (= vegetativ-klimakterisches Syndrom), welches mit erheblichen Beschwerden einhergehen kann. Typisch sind Hitzewallungen, Schwindel, Schweißausbrüche, Depressionen und Schlaflosigkeit.

Wann beginnen die Wechseljahre und wie lange dauern sie?

Sowohl der Beginn, als auch die Dauer der Wechseljahre sind von Frau zu Frau verschieden. Bei manchen Frauen fangen die Eierstöcke bereits mit Anfang 40 an, weniger Hormone zu bilden; bei anderen deutlich später. Von einem vorzeitigen Klimakterium spricht man, wenn die nachlassende Funktion der Eierstöcke bereits vor dem 40. Lebensjahr beginnt (Klimakterium praecox). Beim Klimakterium tardum setzen die Wechseljahre verzögert, jenseits des 50. Lebensjahres ein. Einen Sonderfall stellt die künstliche Menopause dar. Sie wird durch medizinische Behandlungen hervorgerufen. Dies können eine operative Entfernung der Eierstöcke oder eine Strahlentherapie im Beckenbereich sein. Auch bestimmte Medikamente führen zu diesem Phänomen. Insgesamt dauern die klimakterischen Umstellungsprozesse 10 bis 15 Jahre.

Welche hormonellen Umstellungen finden statt?

In den Wechseljahren können die Östrogen- und Progesteronspiegel sehr schwanken. Zu Beginn des Klimakteriums kann die Östrogenkonzentration im Blut sehr hoch sein und dann zeitweise völlig absinken. Diese extremen Schwankungen bieten die Erklärung dafür, dass manche Frauen unter Beschwerden leiden, die dann ohne Behandlung verschwinden. Meist aber stellen die Eierstöcke ganz allmählich ihre Hormonproduktion (Östrogen, Gestagen) ein. Dann findet nicht mehr in jedem Zyklus ein Eisprung statt. Als Reaktion auf die verminderte Bildung der Geschlechtshormone produziert die Hypophyse (= Hirnanhangdrüse) die Eierstöcke stimulierende Hormone (FSH und LH). Im Alter von 60 bis 65 Jahren reduziert sich auch diese Hormonproduktion.

Was sind die ersten Anzeichen der Wechseljahre?

Zu Beginn des Klimakteriums treten Veränderungen des monatlichen Zyklus bzw. der Blutungsdauer und -stärke auf. Die Menstruationsblutungen können häufiger oder seltener werden, oder sogar monatelang aussetzten und dann wieder regelmäßig beginnen. Auch die Blutungsstärke kann schwanken. Zudem sind Zwischenblutungen möglich. Irgendwann bleibt die Regelblutung dann ganz aus.

Welche Beschwerden können auftreten?

Viele Frauen leiden unter Hitzewallungen ("fliegende Hitze"). Die Haut an Kopf und Hals wird plötzlich sehr heiß und die Frauen schwitzen sehr heftig. Diese Empfindung dauert etwa 30 Sekunden bis fünf Minuten an. Dann kann unter Umständen ein Frösteln einsetzen.

Weitere Beschwerden in Verbindung mit den Wechseljahren können Folgende sein:
  • Stimmungsschwankungen und Depressionen;
  • Reizbarkeit und Ängste;
  • Nervosität;
  • Schlaflosigkeit mit nächtlichen Schweißausbrüchen;
  • Konzentrationsstörungen und Müdigkeit;
  • Kopfschmerzen und Schwindelgefühle;
  • Herzklopfen;
  • Gewichtszunahme.
Die meisten dieser Symptome werden nach der Menopause seltener und schwächer.

Welche körperlichen Veränderungen hat der sinkende Östrogenspiegel zur Folge?

Die Fortpflanzungsorgane verändern sich allmählich. Die Scheidenhaut wird trockener, dünner und weniger elastisch. Der Geschlechtsverkehr kann dadurch schmerzhaft sein und die Neigung zu Entzündungen erhöht sich. Die Klitoris, die Schamlippen sowie die Gebärmutter und die Eierstöcke werden kleiner. Auch die Schleimhaut der Harnröhre wird dünner und die Muskulatur, welche die Schließfunktion der Blase reguliert, wird schwächer. Die Folgen können häufigere Blasenentzündungen und Inkontinenzprobleme sein. Bei manchen Frauen kommt es zum unwillkürlichen Abgang von Urin bei Lachen oder Niesen (Stressinkontinenz); manche Frauen verspüren einen plötzlichen, starken, ununterdrückbaren Drang, Wasser lassen zu müssen (Dranginkontinenz). Die sinkenden Östrogenkonzentrationen haben auch Auswirkungen auf die Haut. Sie wird dünner, trockener und weniger elastisch. Östrogen trägt wesentlich zum Erhalt der Knochen bei. Mit der Abnahme des Östrogenspiegels verringert sich auch die Knochendichte. Bisweilen führt dies zur Osteoporose. Zudem steigt der Gehalt an Blutfetten (bsp. unerwünschtes LDL-Cholesterin) an. Dies könnte eine Erklärung dafür sein, warum Erkrankungen der Herzkranzgefäße nach der Menopause bei Frauen ansteigen.

Wie wird die Diagnose gestellt?

Bei den meisten Frauen treten die Wechseljahre sehr offensichtlich ein. Vor allem bei jüngeren Frauen können zur Bestätigung der Östrogenspiegel und die Konzentration an FSH (Follikel stimulierendes Hormon) bestimmt werden.

Wie wird behandelt?

Frauen mit erheblichen Wechseljahrbeschwerden können nach gründlicher Abwägung aller Vor- und Nachteile eine Hormonersatztherapie bekommen. Jedoch wird diese Behandlung nur für einen begrenzten Zeitraum und nicht vorbeugend angeboten. Daneben können Wechseljahrbeschwerden auch mit natürlichen Mitteln behandelt und gelindert werden. In der klassischen Homöopathie werden beispielsweise Sepia, Graphites, Lachesis und Pulsatilla - je nach Beschwerdebild - eingesetzt. Heilpflanzen, die gegen bestimmte Beschwerden verordnet werden, sind Soja und Rotklee, Extrakt aus der Wurzel der Traubensilberkerze, Mönchspfeffer, Baldrian, Melisse und Johanniskraut. Auch in der Traditionellen Chinesischen Medizin oder in der Bachblütentherapie finden sich Hilfestellungen.

Die Beschwerden und die Auswirkungen des Östrogenmangels können durch weitere Maßnahmen gelindert werden:
  • Ernährung: Sie sollte reich an B-Vitaminen, Vitamin E und pflanzlichen Östrogenen (Phytoöstrogene) sein. Diese finden sich in Sojaprodukten. Um der Osteoporose vorzubeugen, können Calcium- und Vitamin-D-Präparate eingenommen werden.
  • Kleidung: Sinnvoll ist Kleidung nach dem Zwiebelprinzip. Sie lässt sich am leichtesten dem individuellen Temperaturempfinden anpassen.
  • Sport: Jegliche Form von Sport ist günstig zu bewerten. Sport trägt zum Wohlbefinden, der Gewichtskontrolle und einem verbesserten Schlaf bei. Zudem wird ein positiver Effekt auf die Blutfettwerte und damit auf die Arteriosklerose (= Gefäßverkalkung) erzielt.
  • Sexualität: Schmerzen beim Geschlechtsverkehr können durch Gleitmittel und/ oder durch lokal anzuwendende Hormonpräparate beseitigt werden.
  • Blasenfunktion: Spezielle Übungen zur Kräftigung der Beckenbodenmuskulatur (Kegelübungen) helfen die Blasenfunktion zu erhalten.

med. Redaktion Dr. med. Werner Kellner
Aktualisierung 19.06.2008


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