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Vertigo (engl. dizziness)

Hinter dem Begriff "Vertigo" verbirgt sich der medizinische Fachausdruck für Schwindel. Darunter fasst man eine ganze Reihe von subjektiven Empfindungen zusammen, die mit Orientierungsstörrungen des Körpers im Raum einhergehen. Die Ursachen für den Schwindel sind vielfältig, wobei Defekte unterschiedlichster Sinne eine Rolle spielen können. Bei den schlimmsten Formen des Schwindels kommt es auch zu vegetativen Reaktionen des Körpers, wie Übelkeit, Erbrechen, Panikgefühlen, Herzbeschleunigung und Kollaps.

Welche Schwindelarten und -ursachen gibt es?

Beim Schwindel unterscheidet man:

1. nach der subjektiven Empfindung.
Dabei kann der Betroffene das Gefühl haben, er fahre im Lift, wobei er sinkt und gehoben wird (Liftschwindel), alles schwanke (Schwankschwindel), alles drehe sich (Drehschwindel) oder er werde ständig zur Seite gestoßen (Lateropulsion). Diese Schwindelformen werden häufig durch Störungen im Innenohr hervorgerufen und sind oft mit einem Nystagmus (Augenzittern) oder Hörstörungen verbunden. Sie werden auch unter dem Begriff "systematischer Schwindel" zusammengefasst. Taumel- und Unsicherheitsgefühle oder ein Schwarzwerden vor den Augen können psychogen oder orthostatisch (siehe unten) bedingt sein. Man fasst diese Schwindelempfindungen unter dem Begriff asystematischer Schwindel oder diffuser Hirnschwindel zusammen.

2. nach dem Auslösemechanismus.
Der Schwindel kann auch durch einen Lagewechsel des Kopfes ausgelöst werden (Lagerungsschwindel). Man unterscheidet zwei Formen: Der gutartige Lagerungsschwindel verursacht Drehschwindelattacken von circa 1 Minute und stellt die häufigste Erkrankung des Gleichgewichtsorgans dar (siehe weitere Erläuterungen auch dort). Der zentrale Lagerungsschwindel geht auf Störungen im Hirnstamm oder Kleinhirn zurück und hält länger an.

Der so genannte orthostatische Schwindel entsteht durch zu schnelles Aufstehen. Ein vorübergehendes Absinken des Blutdrucks ist die Folge. Dies genügt, um den Schwindel und sogar eine Ohnmacht zu provozieren. Hinsetzen oder Hinlegen hilft gegen diese Form des Schwindels, weil das Blut so leichter in das Gehirn fließen kann.

Sind physikalische Reize der Auslöser des Schwindels, spricht man vom so genannten Reizschwindel. Beispiele dafür sind die See- und Autoreisekrankheit. Dazu muss man wissen, dass Veränderungen der Körperlage von verschiedenen Sinnesorganen wahrgenommen werden. Neben den Informationen aus dem Gleichgewichtsorgan werden auch Sinnesreize der Augen und von Muskel- und Gelenksensoren im Gehirn abgeglichen. Jede Funktionseinbuße der beteiligten Strukturen oder ihrer Nervenverbindungen oder auch nur widersprüchliche Meldungen der verschiedenen Sinne können zu Gleichgewichtsproblemen und damit zu Schwindelempfindungen führen. Bei der Autoreisekrankheit beispielsweise meldet das Gleichgewichtsorgan ständig wechselnde Beschleunigungen, während das Auge vorwiegend eine konstante Umwelt wahrnimmt.

Eher psychischer Natur ist der phobische Schwankschwindel, der in bestimmten Auslösesituationen, wie zum Beispiel bei psychischem Stress oder im Fahrstuhl, auftritt.

3. nach der Dauer der Beschwerden.
Beim Attackenschwindel setzt das Schwindelgefühl schnell ein und dauert nur wenige Sekunden oder Minuten an. Ursachen können ein gutartiger Lagerungsschwindel, ein orthostatisch bedingter Schwindel oder die Menière-Krankheit sein. Die Ursachen eines Dauerschwindels können durch einen beidseitigen Ausfall des Gleichgewichtsorgans, Polyneuropathien (diffuse Erkrankungen des peripheren Nervensystems) oder psychogen bei Depressionen verursacht werden.

4. nach dem Ort der Störung.
Der vestibuläre Schwindel geht auf Schädigungen des Gleichgewichtsorgans, das auch Vestibularapparat genannt wird, zurück. Diese Form des Schwindels zeichnet sich im Allgemeinen durch einen Drehschwindel in Verbindung mit Übelkeit und Fallneigung aus. Der okuläre Schwindel lässt sich auf Schädigungen des visuellen Systems, wie beispielsweise eine Augenmuskellähmung, zurückführen.

Was sind weitere mögliche Ursachen des Schwindels?

Wie bereits angedeutet, können die Ursachen des Schwindels äußerst vielfältig sein. Gründe für den Schwindel sind beispielsweise Erkrankungen des Ohres (Innenohrausfall, Hörsturz, Menière-Krankheit, Innenohrreizung, Mittelohrentzündung, Cholesteatom, Labyrinthitis) und der Augen (bsp. Schielen). Auch Erkrankungen des Gehirns - wie Kleinhirntumoren, Kleinhirninfarkte, Gehirnerschütterungen oder Gehirninfektionen - sind hier zu nennen. Daneben können zu hoher oder zu niedriger Blutdruck sowie Herzrhythmusstörungen Schwindelgefühle auslösen. Schließlich kann Schwindel im Rahmen einer Multiplen Sklerose auftrete;Traumatische oder psychogene Ursachen sind ebenso möglich.

Welche diagnostischen Möglichkeiten gibt es?

Um den Ursachen des Schwindels auf die Spur zu kommen, muss der Patient bisweilen mehrere Fachärzte konsultieren. Dazu gehören: Allgemeinmediziner (meist der Hausarzt, der zuerst konsultiert wird), Internist, Kardiologe, Hals-Nasen-Ohrenarzt, Neurologe und Psychiater.

Neben der gründlichen Ermittlung der Anamnese (Krankengeschichte) gehören Gleichgewichts- und Augenprüfungen sowie Herz-Kreislaufuntersuchungen zu den diagnostischen Mitteln. Gegebenenfalls müssen bildgebende Verfahren (Computer- und Kernspintomographie) und neurologische Untersuchungen erfolgen.

Wie sieht die Behandlung aus?

Die Behandlung des Schwindels kann sowohl medikamentöse, physio- und psychotherapeutische als auch operative Maßnahmen beinhalten. Medikamente werden vor allem bei Reizschwindel (Schwindel bei Auto- oder Schifffahrten) oder akuten Störungen des Gleichgewichtsorgans, die von Übelkeit oder Erbrechen begleitet sind, eingesetzt.

Physiotherapeutische Maßnahmen umfassen beispielsweise Übungen, die den Patienten aus dem Gleichgewicht bringen und damit verbesserte Gleichgewichtsreaktionen hervorrufen.

Gezielte krankengymnastische Übungen können beim gutartigen Lagerungsschwindel helfen, die Krankheitsdauer zu reduzieren. Operative Maßnahmen kommen bei der Menière-Krankheit zum Einsatz. Hier werden beispielsweise die Nerven der Bogengänge (Teile des Gleichgewichtsorgans im Innenohr) durchtrennt.


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