Gesundheit Lexikon
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Bei der ventrikulären Extrasystolie handelt es sich um eine Herzrhythmusstörung. Der Herzschlag ist unregelmäßig, da es zu Extraschlägen - sogenannten Extrasystolen (abgekürzt ES) - kommt. Diese Extraschläge treten zusätzlich zum normalen Herzrhythmus auf. Kommen die Extrasystolen gehäuft vor, spricht man von einer Extrasystolie. Ihren Ursprung können die zusätzlichen Herzschläge in den Herzvorhöfen oder den Herzkammern (= Ventrikeln) haben. Dementsprechend unterscheidet der Arzt in supraventrikuläre (= von den Herzvorhöfen ausgehend) oder ventrikuläre (= von den Herzkammern ausgehend) Extrasystolen. Abgekürzt lauten die Bezeichnungen für supraventrikuläre Extrasystolen "SVES" und für ventrikuläre Extrasystolen "VES".

Extrasystolen finden sich bei völlig gesunden Menschen als auch bei Herzkranken. Die Betroffenen nehmen sie gar nicht wahr oder berichten von einem kurzfristigen Herzstolpern oder unangenehmen Herzklopfen. Der Krankheitswert kann je nach Ausprägung der VES völlig unterschiedlich sein (harmlos tolerabel bis potenziell lebensbedrohlich).

Einteilung

Die Extraschläge können vereinzelt, gehäuft oder in Ketten hintereinander auftreten. Die Einteilung der VES erfolgt hinsichtlich ihrer Häufigkeit und Form nach einem bestimmten Schema (Klassifizierung nach Lown und Wolf). Folgt beispielsweise über längere Zeit jedem Normalschlag eine Extrasystole, so spricht man von Bigeminus (Digitalisüberdosierung!). Der normale Sinusrhythmus und die Extrasystole sind fix gekoppelt. Folgt auf zwei normale Herzschläge eine ventrikuläre Extrasystole, wird dies als 2:1 Extrasystolie bezeichnet. Eine Folge von mehr als drei Extrasystolen hintereinander nennt man Salve. In diesem Fall bedarf es einer weiteren kardiologischen Abklärung, da es sich um eine potenziell lebensbedrohliche Herzrhythmusstörung handelt. Einen weitaus geringeren Krankheitswert haben dagegen Extrasystolen, die bei herzgesunden Menschen auftreten, und gelegentlich vereinzelt in Erscheinung treten.

Normaler und extrasystolischer "Herztakt"

Bei jedem Menschen muss das Herz zu jedem Schlag angeregt werden. Dazu gibt es am Herzen Fasern, die die Erregung auslösen und weiterleiten. Die Erregung geht normalerweise vom Sinusknoten aus. Er wird auch als Taktgeber des Herzens bezeichnet. Dieser natürliche Schrittmacher liegt im rechten Vorhof an der Einmündungsstelle der oberen Hohlvene. Von dort aus führen Leitungsbahnen zu den Vorhöfen und weiter zum sogenannten Atrioventrikularknoten, der abgekürzt als AV-Knoten bezeichnet wird. Er befindet sich am Übergang von den Vorhöfen zu den Hauptkammern. Von hier aus erfolgt die Erregungsleitung über das His-Bündel (= spezifische Muskelzellen des Reizleitungssystems) zu den sogenannten vorderen und hinteren linken Schenkeln zur linken Hauptkammer und über einen rechten Schenkel zur rechten Kammer (= Tawara Schenkel). Von den Schenkeln ausgehend erstreckt sich ein feines Fasernetz (= Purkinje-Fasern) über die gesamte Kammerstruktur. Normalerweise geht die Erregung des Herzens vom Sinusknoten aus und die Vorhöfe werden erregt. Die Vorhöfe transportieren das Blut dann durch die sich öffnenden Mitral- bzw. Trikuspidalklappen in die Herzkammern. Anschließend (0,15 bis 0,22 Sekunden später) werden die Herzkammern zu Kontraktion angeregt und pumpen das Blut durch die geöffneten Aorten- bzw. Pulmonalklappe in die großen Schlagadern. Nachdem das Blut ausgeworfen wurde, erschlaffen die Herzkammern wieder. Der Rhythmus beginnt erneut.

Ventrikulären Extrasystolen werden nicht vom Sinusknoten ausgelöst, sondern können von allen Teilen der Herzkammermuskulatur ausgehen (Tawara Schenkel, Myokard). Sie führen zu einer vorzeitigen Kontraktion ausschließlich der Herzhauptkammern. Anhand des EKG kann ausgemacht werden, welche Herzkammer für die Extrasystole verantwortlich ist.

Ursachen

Verschiedene Faktoren fördern eine Häufung von Extrasystolen. Dazu gehören großer Kaffee-, Tee-, Nikotin- und Alkoholkonsum, Schlafmangel sowie psychischer und physischer Stress. Auch bestimmte Medikamente, wie Präparate gegen Herzschwäche (Digitalis) oder Herzrhythmusstörungen sowie Psychopharmaka, können zu Extrasystolie führen.

Des Weiteren bewirken auch allgemein-internistische Erkrankungen das Auftreten der Extraschläge. Zu denken ist hier an eine Überfunktion der Schilddrüse, starke Blutarmut oder eine Entgleisung des Elektrolythaushalts (Kaliummangel). Schließlich treten die Extrasystolen auch bei Herzerkrankungen wie der koronaren Herzkrankheit, Herzklappenfehlern oder Herzmuskelkrankheiten auf.

Symptome

Die Betroffenen haben oft keine Beschwerden. Bisweilen empfinden die Patienten ein unangenehmes Herzklopfen oder -stolpern. Dies kommt daher, dass nach einer Extrasystole eine kurze Pause besteht, bevor der normale Herzschlag wieder einsetzt. Bisweilen berichten die Patienten von Herzstichen oder haben Hustenreiz. Treten die Extrasystolen in längeren Ketten auf, so wird dies als Tachykardie bezeichnet (siehe dazu auch den Lexikonartikel ventrikuläre Tachykardie). Dies äußert sich in Schwindel und kann zur Bewusstlosigkeit führen.

Diagnose

Eine verlässliche Diagnose kann nur über das EKG gestellt werden. Sind die Extrasystolen häufig und ständig existent, so genügt ein normales Ruhe-EKG von höchstens ein bis zwei Minuten. Meist jedoch ist es nötig, ein 24-Stunden-Langzeit-EKG zu schreiben. Hierbei sollte der Patient zusätzlich vermerken, wann er unangenehme Herzempfindungen hat. Bisweilen kann es auch nötig sein, ein Belastungs-EKG aufzuzeichnen, da die VES nur bei körperlicher Anstrengung oder kurz danach auftreten.

Therapie

Sind die Ursachen der Herzrhythmusstörung eine Überfunktion, Elektrolytentgleisungen oder eine Blutarmut, so führt eine konsequente und erfolgreiche Behandlung dieser Erkrankungen zum Verschwinden der VES.

Häufig lässt sich das Herzstolpern auch durch eine Umstellung des Lebenswandels beseitigen. Dies bedeutet Verzicht und Einschränkung in Bezug auf den Genuss von Kaffee, Tee, Nikotin oder Alkohol. Außerdem sollte der Betroffene auf ausreichende Ruhepausen und Schlaf achten.

Die meisten ventrikulären Extrasystolen bedürfen keiner medikamentösen Therapie. Liegt den VES aber eine Herzerkrankung zugrunde, so sollte die Medikamentendosis angepasst werden (Austausch, Reduzierung). Herzmedikamente (Antiarrhythmikum, Betablocker) können bei bestehender Herzerkrankung und häufigen Rhythmusstörungen sinnvoll sein.

med. Redaktion Dr. med. Werner Kellner
Aktualisierung 27.10.2007


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