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Urämie (engl. uremia)

Eine Urämie wird auch als terminale Niereninsuffizienz (= „stark fortgeschrittene Nierenschwäche“) oder Harnvergiftung bezeichnet. Alle Symptome, die bei einer fortgeschrittenen Niereninsuffizienz entstehen, werden Urämie genannt.

Prinzipiell werden zwei Formen der Urämie unterschieden. Die akute Urämie entsteht 5-10 Tage nach einem akuten Nierenversagen. Die chronische Urämie ist die Folge von Nierenerkrankungen, die mit dem langsam fortschreitenden Untergang des funktionstüchtigen Nierengewebes einhergehen.

Was sind die Aufgaben der Nieren?

Eine der wichtigsten Aufgaben der Nieren ist es, das Blut zu filtern und für die Ausscheidung von harnpflichtigen Stoffen (beispielsweise Harnstoff, Kreatinin) zu sorgen. Des Weiteren sind die Nieren auch für die Regulation des Säure-Basen- und Flüssigkeitshaushaltes zuständig. Harnpflichtige Stoffe können nur über die Nieren ausgeschieden werden. Kommt es zum Funktionsausfall der Nieren, so vergiftet sich der Körper allmählich selbst.

Was sind die Ursachen der Urämie?

Die akute Urämie kann die Folge einer mangelnden Durchblutung der Nieren (Schockniere), einer Entzündung, Harnstauung oder Vergiftung sein. Die chronische Urämie entsteht aus chronischen fortschreitenden Nierenerkrankungen:
  • Nierenschädigung durch schlecht eingestellten Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit); Man spricht von diabetischer Nephropathie;
  • jahrelanger Bluthochdruck (hypertone vaskuläre Nephropathie);
  • chronische Nieren- und Nierenbeckenentzündungen (interstitielle Nephritis und chronische Pyelonephritis);
  • angeborene Nierenfehlbildung mit zahlreichen Zysten (polyzystische Nephropathie);
  • Schädigung durch bestimmte Schmerzmittel, wie Paracetamol (Analgetikanephropathie);
  • Erkrankungen der Nierenblutgefäße (Vaskulitiden).
Was sind die Symptome bei einer Urämie?

Wird die Urämie nicht behandelt, so riechen der Atem und die Haut der Patienten urinartig (Foetor uraemicus). Die Haut juckt und ist gelbbraun verfärbt. Dazu kommen Störungen des Zentralnervensystems: Müdigkeit, Konzentrationsschwäche, Wesensveränderung, Verwirrtheitszustände, Krampfneigung, Bewusstlosigkeit bis hin zum urämischen Koma sind charakteristisch.

Aufgrund der verminderten Harnausscheidung kommt es zu einer Gewichtszunahme und zu Flüssigkeitseinlagerungen im Gewebe (Beinödeme) und in der Lunge (Lungenödem). Die Auswirkungen auf das Herz-Kreislaufsystem sind Bluthochdruck mit Schädigung des Herzens, Herzrhythmusstörungen und Flüssigkeitsansammlung im Herzbeutel (= Perikarderguß).

Symptome der Urämie, die den Magen-Darm-Trakt betreffen, äußern sich in Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, sowie Blutungen durch Magenschleimhautentzündung und Darmentzündung. Auch die Blutbildung ist gestört, was eine Anämie zur Folge hat. Das Skelettsystem ist ebenso in Mitleidenschaft gezogen. Es bestehen Knochenschmerzen und die Neigung zu Knochenbrüchen sowie Muskelschwäche.

Wie wird die Urämie diagnostiziert?

Der behandelnde Arzt befragt den Patienten zu seinen Vorerkrankungen und Beschwerden (Anamnese). Eine körperliche Untersuchung folgt. Mit Hilfe der so genannten Nierenclearence kann eine genaue Aussage über die Funktionseinschränkung der Nieren getroffen werden. Dazu werden die Nierenwerte bzw. der Nierenfunktionsparameter aus dem Blut (wichtig sind hier vor allem die Stoffwechselprodukte Kreatinin, Harnstoff und die Elektrolyte) ermittelt. Eine Analyse des Urins schließt sich an. Ultraschall, Computertomographie und Röntgenkontrastmitteluntersuchungen können zur Diagnosestellung herangezogen werden. Eventuell erfolgt eine Punktion der Nieren.

Wie erfolgt die Behandlung der Urämie?

Bei einer Urämie muss das Blut durch eine Blutwäsche (Dialyse) gereinigt werden. Die harnpflichtigen Stoffe werden so aus dem Blut entfernt und überschüssige Flüssigkeit entzogen. Der Elektrolyt- und Säure-Basen-Haushalt wird ausgeglichen. Bei der extrakorporalen (außerhalb des Körpers) Dialyse muss der Patient dreimal wöchentlich für vier bis acht Stunden an das Blutwäschegerät. Die beste Lebensqualität bringt jedoch eine Nierentransplantation. Begleitend zur Dialyse muss eine strenge Diät eingehalten werden. Die Nahrung sollte eiweißarm, aber kalorienreich sein. Dadurch verringert sich der anfallende Harnstoff. Kaliumreiche Produkte (bestimmte Obst- und Gemüsesorten - speziell Bananen - sowie Schokolade) sind strikt verboten. Das Körpergewicht und die Urinmenge muss engmaschig kontrolliert werden. Die Trinkmenge richtet sich nach der Fähigkeit der Nieren, die zugeführte Flüssigkeit wieder ausscheiden zu können. Unterstützend können dabei wassertreibende Medikamente (Diuretika) wirken.

Der Bluthochdruck muss mit Medikamenten gesenkt, ein Diabetes mellitus optimal eingestellt und eine Nierenbeckenentzündung antibiotisch abgedeckt werden. Bei einem Mangel an roten Blutkörperchen (renalen Anämie) wird Erythropoetin gespritzt. Dieses Hormon wird normalerweise von den gesunden Nieren gebildet und regt die Bildung und Reifung der roten Blutkörperchen im Knochenmark an.

Bei der chronischen Urämie liegt die Zehnjahresüberlebensrate mit Dialysebehandlung bei circa 60 Prozent. Ohne Behandlung führt die Urämie zum Tod.


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