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Trichotillomanie - Haarausreißen (engl. plucking of the hair)

Unter Trichotillomanie oder dem so genannten Haarrupf-Tic versteht man das zwanghafte Verlangen sich Haare auszureißen. Meistens werden die Kopfhaare ausgerupft. Jedoch kann sich das pathologische Rupfbedürfnis auch gegen die Haare an Armen und Beinen, die Schamhaare sowie die Augenbrauen und Wimpern richten. Vor dem Rupfen empfinden die Betroffenen eine gewisse Anspannung, die nach der "Tat" in befriedigende Glücksgefühle übergehen. Manche Menschen spezialisieren sich auf bestimmte Haare (bsp. Wimpern), andere beziehen alle Haare in ihr Zupfbedürfnis mit ein.

Viele haben die Gewohnheit nach dem Zupfen mit den Haaren zu spielen. Manche lassen die Haare durch die Finger oder Lippen gleiten oder beißen die Haarwurzel ab, einige essen sogar das ganze Haar (Trichophagie). Typisches Merkmal der Trichotillomanie ist das Fehlen von langen Haaren, unterschiedlich kurze Haare können vorhanden sein. Ihren Altersgipfel hat die Erkrankung in der Pubertät. Jedoch ist sie auch schon bei Säuglingen und Kindern zu beobachten. Hierbei scheint es sich um eine andere Variante des Haarrupf-Tics zu handeln. Bis zur Pubertät sind beide Geschlechter gleich häufig von der Störung betroffen, später dann sind es deutlich mehr Frauen.

Welche möglichen Ursachen der Trichotillomanie werden diskutiert?

Die genauen Ursachen sind nicht bekannt. Die Auslöser für die Erkrankung muss für die betroffene Person ganz individuell gefunden werden. Wie bei vielen psychischen Erkrankungen wird angenommen, dass eine gewisse erbliche Disposition in Verbindung mit bestimmten Auslösern zu einem Ungleichgewicht von Neurotransmittern im Gehirn führt. Diese Konstellation löst dann die zwanghafte Handlung aus. Als greifbare Auslöser werden Eisenmangel oder eine Streptokokkeninfektion diskutiert. Weitere Gründe sollen traumatische Ereignisse (Tod, Missbrauch, Scheidung), Stress und sonstige Geschehnisse, die mit einem verminderten Selbstwertgefühl einhergehen, sein.

Was sind eventuelle Begleiterkrankungen, Folgen und Komplikationen?

Begleitend zur Trichotillomanie leiden über 10% aller Betroffenen an sonstigen Zwangsstörungen (bsp. Waschzwang). Vielfach kommen auch Depressionen hinzu, die auch als Ursache der Störung gesehen werden. Panikattacken und Angstzustände sind weitere Begleiterscheinungen. Aus Scham vor ihren bisweilen offensichtlichen Haarlosigkeit ziehen sich die Betroffenen immer mehr zurück und werden von ihrer Umgebung ausgegrenzt. Bei Patienten, welche die ausgerupften Haare auch essen (Trichophagie), kann ein so genannter Trichobezoar (Haarknäuel) entstehen. Es ist nicht möglich, diesen Haarknäuel zu verdauen und so kann er eine seltene Ursache von Oberbauchschmerzen, einem Darmverschluss oder einer Darmperforation werden. Er muss operativ entfernt werden. Dieses so genannte Rapunzelsyndrom wird in der medizinischen Literatur sehr selten beschrieben.

Welche Behandlungsansätze gibt es?

Zur Behandlung der Trichotillomanie werden sowohl Medikamente, als auch psychotherapeutische Maßnahmen eingesetzt. Ein Teil der Patienten spricht positiv auf Antidepressiva (SSRI = selektive Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer) an. Als sehr Erfolg versprechend hat sich die Verhaltenstherapie erwiesen. Die Patienten lernen beispielsweise in den Zwangssituationen ihre Hände solange anderweitig zu beschäftigen, bis der Zupfzwang nachlässt. Hilfreich im Kampf gegen die Trichotillomanie ist auch die Unterstützung und Anerkennung durch Bezugspersonen. Welche Therapiemaßnahmen für den Einzelnen erfolgreich sind, muss individuell ausgelotet werden.


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