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Tetanie (engl. tetany)

Bei einer Tetanie kommt es zu anfallartigen Verkrampfungen der Muskulatur. Es besteht eine erhöhte Erregbarkeit bei der Nerven-Muskelübertragung (= neuromuskuläre Übererregbarkeit). Ursache ist eine verminderte Konzentration des biologisch aktiven Kalziums. Die typischen Krämpfe sind vor allem im Gesicht sowie an Armen und Beinen zu beobachten. Die Tetanie tritt bei einem von Tausend Menschen auf, der Altersgipfel liegt zwischen dem 15. und 30. Lebensjahr. Frauen sind ungefähr dreimal häufiger betroffen als Männer

Was sind die Ursachen der Tetanie?

Man unterscheidet zwischen einer hypokalzämischen Tetanie, bei welcher der Serumkalziumspiegel erniedrigt ist, und einer normokalzämischen Tetanie. Bei ihr ist der Blutkalziumspiegel im Normbereich, allerdings ist das Kalzium verstärkt an Plasmaproteine gebunden.

Die Ursachen für einen Kalziummangel bei hypokalzämischer Tetanie können folgende sein: Vitamin D-Mangel, Bauchspeicheldrüsenentzündung, chronische Nierenschwäche, verminderte Produktion von Parathormon durch die Nebenschilddrüse (Hypoparathyroidismus), Sprue (Nahrungsmittelunverträglichkeit gegen Gluten) oder Kalziumresorptionsstörungen. Durch die erniedrigte Kalziumkonzentration im Blut kommt es zu einer veränderten elektrischen Leitfähigkeit bei der Nerven-Muskelübertragung und damit zu einer gesteigerten Erregbarkeit der Muskelzellen.

Die normokalzämischen Tetanie kann beispielsweise durch Hyperventilation (= unbewusstes verstärktes Atmen), Erbrechen, Schädelhirntrauma oder ein Magnesium-Mangelsyndrom hervorgerufen werden. Hier wird Kalzium verstärkt gebunden und die Konzentration des freien Serumkalziums sinkt. Die Krankheitszeichen der beiden Tetanieformen sind gleich.

Was sind die Symptome der Tetanie?

Der Kalziummangel zeigt sich oft schon vor einem tetanischen Anfall. Verschiedene Nervenstämme weisen eine mechanische Übererregbarkeit auf. Beklopft man den Nervus facialis im Gesicht, so ziehen sich die Gesichtsmuskeln zusammen (Chvostek-Zeichen), Druck auf die Nervenstämme am Oberarm rufen die Geburtshelferstellung an der Hand hervor.

Der tetanische Anfall kündigt sich meist durch Empfindungsstörungen, wie beispielsweise einem Kribbeln in den Händen, Unterarmen oder in der Mundregion an. Psychische Erscheinungen, wie Angst, Unruhe und Reizbarkeit, kommen hinzu. Die Patienten atmen sehr schnell und flach. Es kommt zu Muskelkrämpfen mit typischen Kennzeichen. Die Finger werden aneinandergepresst, die Damen in die Hand gelegt, der Handrücken ist nach unten gebogen (Geburtshelfer- oder Pfötchenstellung). Sind die Unterschenkel und Füße involviert, tritt die „Spitzfußstellung“ auf. Durch die Verkrampfung der Gesichtsmuskulatur kommt es zur „Fischmaulstellung“. Ist auch die Muskulatur von Darm und Harnblase betroffen, sind Durchfälle und Harndrang die Folge. Selten krampft die Atemmuskulatur. Dies führt jedoch zur Atemnot. Das Bewusstsein ist während des Krampfanfalls in der Regel nicht in Mitleidenschaft gezogen. Die Krampfanfälle können Minuten oder aber auch Stunden andauern. (Zur vorzeitigen Beendigung des Krampfes kann der Arzt eine Kalziumspritze geben!).

Welche diagnostischen Verfahren werden bei der Tetanie herangezogen?

Die Tetanie kann aufgrund ihrer leichten Provozierbarkeit (siehe oben) schnell diagnostiziert werden. Da die Tetanie nur das Symptom des Kalziummangels ist, muss nach den auslösenden Erkrankungen gesucht werden. Aus der Anamnese ergeben sich Hinweise auf Sprue, Nierenerkrankungen, Bauchspeicheldrüsenentzündungen oder auf eine Unterfunktion der Nebenschilddrüse. Blutuntersuchungen geben Aufschluss über die Konzentration von Kalzium, Vitamin D, Parathormon und anderen Elektrolyten. Die Nierenwerte werden bestimmt. Schließlich können auch noch die Blutgase ermittelt werden, um ein Hyperventilationssyndrom zu diagnostizieren.

Wie erfolgt die Behandlung der Tetanie?

Bei einem akuten Anfall müssen die Patienten vor Selbstverletzungen geschützt werden, da sie sich unkontrolliert bewegen. Patienten, die hyperventilieren, lässt man in eine Plastiktüte atmen. Das zu viel abgeatmete Kohlendioxid gelangt so in den Blutkreislauf zurück. Der behandelnde Arzt kann im akuten Anfall Kalzium spritzen. Der Kalziumspiegel sollte jedoch kontrolliert werden, damit es zu keiner Überdosierung kommt.

Um das Auftreten der Anfälle zu vermeiden, muss die auslösende Grunderkrankung konsequent behandelt werden.


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