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Schilddrüsenentzündungen (Thyreoiditiden)

Unter dem Begriff Schilddrüsenentzündungen oder Thyreoiditiden werden entzündliche Schilddrüsenkrankheiten zusammengefasst. Dazu gehört eine Vielzahl von verschiedenen Erkrankungen, die sich in ihrer Entstehungsweise, Symptomatik, Verlauf und feingeweblichen Befund (Histologie) unterscheiden. Sie können sich durch eine schmerzhafte überwärmte Schwellung äußern.

Für die Entstehung der Schilddrüsenentzündung können einerseits allgemeine Entzündungsmechanismen (Leukozyten, Lymphozyten) oder komplizierte autoimmunologische Prozesse verantwortlich sein. Letztere entwickeln sich meist nach einem viralen Infekt. Das Immunsystem bildet während der Infektion so genannte Autoantikörper, die sich gegen körpereigene Strukturen (hier: Schilddrüsenzellen) richten.

Die Schilddrüsenentzündungen mit autoimmunologischer Ursache können akut mit heftigen Symptomen auftreten oder einen chronischen Verlauf nehmen und immer wieder aufflackern. Die meisten Schilddrüsenentzündungen zeichnen sich durch einen schubweisen Verlauf aus. Die akuten Entzündungen heilen häufig folgenlos ab, chronische Entzündungen bewirken langfristig einen Untergang des Schilddrüsengewebes. Entzündungen der Schilddrüse machen circa 1-3% aller Schilddrüsenerkrankungen aus.

Welche Ursachen und Formen von Schilddrüsenentzündungen gibt es

Die häufigsten Formen der Schilddrüsenentzündungen sind die akut bis subakut verlaufende Thyreoiditis De Quervain und die chronische, in Schüben wiederkehrende Thyreoiditis Hashimoto. Beide wurden jeweils nach ihrem Entdecker benannt. Die De Quervainsche Thyreoiditis tritt plötzlich auf und zeichnet sich durch eine heftige Symptomatik aus. Es kommt zu Beschwerden im Bereich der Schilddrüse selbst und es treten erhebliche Allgemeinbeschwerden auf. Vor allem Frauen zwischen der 3. und 5. Lebensdekade sind betroffen. Die Summe der Symptome ist charakteristisch für diese Erkrankung, jedoch ist das Erkrankungsbild - auch unter Medizinern - nicht allgemein bekannt. Die Erkrankung wird daher häufig erst sehr spät diagnostiziert.

Bei der Hashimoto-Thyreoiditis wandern vermehrt Lymphzellen in die in die Schilddrüse ein. Sie wird daher auch als Struma lymphomatosa Hashimoto bezeichnet. Bei dieser chronischen Schilddüsenentzündung werden zwei Formen unterschieden. Die eine Form zeichnet sich durch eine Vergrößerung (Struma) der Schilddrüse aus, während die andere Form als atrophisch bezeichnet wird. Bei ihr ist das Schilddrüsengewebe schon weitestgehend zerstört und die Schilddrüse ist verkleinert. Beide Formen führen allmählich zu einer Zerstörung des Schilddrüsengewebes, und damit zu einer Schilddrüsenunterfunktion. Im Folgenden wird auf die akute bis subakute Thyreoiditis vom Typ De Quervain und die chronische Schilddrüsenentzündung vom Typ Hashimoto eingegangen.

Der Vollständigkeit halber sind hier noch einige Formen von akuten Schilddrüsenentzündungen aufgeführt: Sehr selten sind akute Schilddrüsenentzündungen durch direkte bakterielle Ansiedelung. Sie kommen fast ausschließlich bei Patienten mit einem stark geschwächten Immunsystem vor. Ein weiterer Grund für eine Schilddrüsenentzündung kann eine Bestrahlung der Halsregion sein. Viren und Bakterien spielen dabei keine Rolle, jedoch finden sich allgemeine Entzündungszeichen, wie Überwärmung, schmerzhafte Schwellung, Rötung und die Veränderung von Blutparametern (bsp. Beschleunigung der Blutsenkungsgeschwindigkeit). Schließlich gibt es noch eine chronische Entzündung mit starker Bindegewebsvermehrung in der Schilddrüse. Sie führt zu einer sehr harten Schilddrüse und ist sehr selten.

Welche Beschwerden machen die beiden Schilddrüsenentzündungen

1. Thyreoiditis vom Typ De Quervain

Vor allem zu Beginn der Erkrankung sind vornehmlich Allgemeinsymptome zu beobachten: Die Patienten fühlen sich sehr krank, sind nicht belastbar und schnell erschöpft. Bisweilen klagen sie über Glieder- und Rückenschmerzen. Auch eine leichte Temperaturerhöhung (um 38°C) oder hohes Fieber (über 39°C) sind zu beobachten. Bei Frauen kommt es zu Zyklusunregelmäßigkeiten. Einige Patienten berichten von ungewohntem aggressiven Verhalten. Die Krankheitssymptome erinnern an einen Virusinfekt. Tatsächlich geht der Erkrankung - oft in einem Abstand von drei Wochen bis zu drei Monaten - eine Virusinfektion der oberen Atemwege voraus. Verursacher können Coxsackie-, Echo-, Adenoviren sowie Mumps- oder Influenzaerkrankungen sein. Nach Abklingen der Infekte treten dann heftige lokale Beschwerden am Hals auf. Es handelt sich im Einzelnen um:
  • Schmerzen an der Schilddrüse,
  • spürbare schmerzhafte Verhärtungen am Hals, die innerhalb von wenigen Tagen zum Vorschein kommen,
  • die Schmerzen strahlen heftig in die Kieferregion, die Ohren oder bisweilen in die Schultern aus. Die Betroffenen haben deshalb häufig eine Ärzteodyssee (HNO-Arzt, Zahnart, Kieferorthopäde) hinter sich, bis die richtige Diagnose gestellt wird (Allgemeinarzt, Internist, Endokrinologe).
Zudem ist zu beobachten, dass die Schilddrüse äußerst berührungsempfindlich ist und die Patienten keinen engen Kragen vertragen. Für den Patienten selbst oder den behandelnden Mediziner sind einzelne, sehr schmerzhafte Knoten fühlbar oder die Schilddrüse ist gleichmäßig schmerzhaft hart und geschwollen. Je schneller sich die Symptome entwickeln und je stärker sie sind, desto wahrscheinlicher ist das Vorliegen einer Thyreoiditis de Quervain.

In den ersten Wochen der Erkrankung berichten die Patienten auch über Symptome einer Schilddrüsenüberfunktion (innere Unruhe, Herzklopfen, leichtes Schwitzen, Gewichtsabnahme). Dies kommt daher, weil durch den entzündlichen Prozess vermehrt Schilddrüsenfollikel zerstört werden, aus denen in erhöhtem Maße Schilddrüsenhormone freigesetzt werden.

2. Chronische Schilddrüsenentzündung vom Typ Hashimoto

Lokale Beschwerden am Hals treten bei dieser Autoimmunkrankheit der Schilddrüse sehr selten auf. Es lässt sich lediglich eine schmerzlose Vergrößerung der Schilddrüse feststellen. Die Symptome treten wesentlich langsamer und manchmal völlig unbemerkt auf.

Die meisten Patienten suchen meist erst einen Arzt auf, wenn die chronische Schilddrüsenentzündung bereits zu einer Zerstörung des Schilddrüsengewebes geführt hat. Die Schilddrüse ist dann klein und zurückgebildet. Diese atrophische Form der Hashimoto-Thyreoiditis führt zu einer Schilddrüsenunterfunktion und weist dann die gleichen Beschwerden wie sie auf.

Wie erfolgt die Diagnosestellung?

Die Diagnose stützt sich neben der gründlichen Anamnese (Krankengeschichte) auf vier Eckpfeiler: Sonographie (Ultraschalluntersuchung), Blutuntersuchungen mit Antikörperbestimmung, Feinnadelbiopsie und Szintigraphie.

1. Sonographie (Ultraschalluntersuchung)

Mit dieser Untersuchungsmethode können die Größe und Struktur sowie Entzündungsherde der Schilddrüse sichtbar gemacht werden. Das entzündete Gewebe reflektiert den Ultraschall in abgeschwächter Form; Es entsteht in den betroffenen Bereichen ein echoarmes Bild. Mit Hilfe des Farbdopplersonogramms kann auch die für die Entzündungsprozesse typische stärkere Durchblutung dargestellt werden.

2. Blutuntersuchungen (Funktionsparameter und Autoantikörper)

Bestimmt werden die so genannten Funktionsparameter der Schilddrüse, also die Schilddrüsenhormone L-Thyroxin (T4 und seine freie Form fT4) und L-Trijodthyronin (T3 und seine frei Form FT3), sowie TSH, ein Hormon, welches von der Hirnanhangdrüse gebildet wird und stimulierend auf die Schilddrüse wirkt. Bei der De Quervainschen Thyreoiditis sind die Schilddrüsenhormone zunächst kurzfristig erhöht (Schilddrüsenüberfunktion). Nach wenigen Wochen sinken die Schilddrüsenhormonkonzentrationen, bis sie schließlich sogar unter die Normwerte fallen können. Nach einigen Monaten normalisieren sich die Werte. Bei der Hashimoto-Thyreoiditis finden sich im Verlauf der Erkrankung zunächst Zeichen einer leichten Schilddrüsenunterfunktion (TSH erhöht, fT4 und fT3 im Normbereich), dann einer manifesten Unterfunktion (TSH erhöht, fT4 vermindert).

Wichtig bei der Blutanalyse sind auch zwei Autoantikörper, die irrtümlich die Schilddrüse angreifen: TPO-AK = Schilddrüsen-Peroxidase-Antikörper und Tg AK = Thyreoglobin-Antikörper. Sie richten sich gegen ein Protein an der Oberfläche der Schilddrüsenzellen bzw. gegen Thyreoglobulin, ein Schilddrüsenhormonspeichereiweiß. Bei der De Quervainschen Schilddrüsenentzündung treten die Antikörper manchmal auf, sie sind aber zu gering und unspezifisch, als das ihnen diagnostische Bedeutung zukommt. Bei der Hashimoto-Thyreoiditis sind die Antikörper in signifikant hohen Konzentrationen vorhanden.

3. Feinnadelbiopsie

Sollte sich aus den bisherigen Untersuchungen kein klares Krankheitsbild ergeben haben, wird die Feinnadelbiopsie durchgeführt. Mit Hilfe einer dünnen Hohlnadel wird aus der Schilddrüse eine Gewebeprobe entnommen und mikroskopisch untersucht. Bei der De Quervainschen Thyreoiditis finden sich neben den Entzündungszellen (bsp. Lymphozyten), für die Krankheit spezifische mehrkernige Riesenzellen. Bei der Hashimoto-Thyreoiditis findet sich eine große Anzahl von Lymphozyten.

4. Szintigraphie

Eine weitere Zusatzdiagnostik kann die Schilddrüsenszintigraphie sein. Dabei wird dem Patienten eine geringe Menge von radioaktivem Jod injiziert. Die Schilddrüse nimmt das Jod auf, da es ein wichtiger Bestandteil der Schilddrüsenhormone ist. Eine Spezialkamera misst die radioaktive Strahlung, die von der Schilddrüse ausgeht. Bei beiden Erkrankungsformen ist eine verminderte Speicherfähigkeit der Schilddrüse zu beobachten. Bei der Thyreoiditis De Quervain normalisiert sich der Befund in der Regel im Verlauf der Erkrankung, bei der Hashimoto-Thyreoiditis bleibt die geringe Anreicherungsfähigkeit erhalten.

Wie wird behandelt?

Bei leichten Verläufen der Thyreoiditis De Quervain, mit geringen Lokalbeschwerden und nicht ausgeprägter Beeinträchtigung des Allgemeinbefindens, reichen einfache Schmerzmittel (Acetylsalicylsäure, Ibuprofen, Diclophenac). Bei einem schweren Krankheitsverlauf wird mit Glukokortikoiden (Prednison) therapiert. Eine Besserung tritt innerhalb weniger Stunden auf! Die Dosierung der Kortisolabkömmlinge richtet sich nach dem Körpergewicht. Die Therapie kann bis zu einem Jahr dauern, wobei die Dosierung der Glukokortikoide langsam reduziert (ausgeschlichen) wird. Begleitend können Kombinationspräparate mit Calcium und Vitamin D3 sowie Magenmittel (Protonenpumpenhemmer) verordnet werden. Die Thyreoiditis De Quervain heilt durchschnittlich nach 6 Monaten vollständig aus. Bei der chronischen Thyreoiditis Hashimoto steht die Behandlung der Schilddrüsenunterfunktion im Vordergrund. Die fehlenden Schilddrüsenhormone müssen ein Leben lang genommen werden. Der Bedarf wird bei den regelmäßigen Kontrolluntersuchungen ermittelt. Die Autoantikörper selbst können noch nicht bekämpft werden.


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