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Rinderwahn - BSE, bovine spongiforme Enzephalopathie

Der Rinderwahn ist eine bei Rindern vorkommende Infektionskrankheit, die das zentrale Nervensystem befällt. Der wissenschaftliche Ausdruck der Seuche ist "bovine spongiforme Enzephalopathie" oder BSE. Übersetzt bedeutet dies: "schwammartige Hirnkrankheit des Rindes". Verursacher der Erkrankung sind Prionen. Dabei handelt es sich um infektiöse Eiweißpartikel.

Der Rinderwahn wurde erstmals 1984 in England bei Kühen entdeckt, die über vier Jahre alt waren. Die Tiere verhielten sich aggressiv, litten unter schweren Koordinationsstörungen und fielen oft hin. Sie verstarben innerhalb weniger Monate. Im Laufe der nächsten Jahre breitete sich die Erkrankung Zusehens aus. Als Infektionsquelle identifizierte man Tiermehl, das an die Rinder verfüttert wurde. Massenschlachtungen, Exportverbote von Rindfleisch und das Verbot Tiermehl zu verfüttern, waren Maßnahmen, der Seuche Einhalt zu gebieten.

Man schätzt, dass trotz Kenntnis der Tierkrankheit, 800 000 infizierte Rinder zu Nahrungsmitteln verarbeitet wurden. Die Krankheitserreger sind in der Lage, die Artengrenzen zu überschreiten und auch den Menschen zu infizieren. So wurde 1996 in Großbritannien - dem Hauptverbreitungsland von BSE - eine bis dahin unbekannte Variante der Creutzfeldt-Jakob-Krankheit (abgekürzt: CJK), die new variant Creutzfeldt-Jakob-Disease (nvCJD) beobachtet. Die Erkrankung wird vermutlich durch den Genuss von Rindfleisch übertragen.

Ursache

Als Krankheitsursache werden sogenannte Prionen angenommen. Dabei handelt es ich um eiweißartige, ansteckende Teilchen, also infektiöse Proteine, die kleiner als Viren sind und weder DNA noch RNA enthalten. Sie bewirken eine Strukturänderung eines körpereigenen Proteins (PrPC), das vornehmlich im Gehirn und Rückenmark vorkommt, in eine krankmachende Konformation (= Struktur) (PrPSc).

Die Prionen wurden auf die Kühe durch die Verfütterung von ungenügend erhitztem Tiermehl übertragen, das vermutlich Schlachtabfälle von Rindern und Schafen enthielt. Bei Schafen ist schon lange eine BSE-ähnliche Erkrankung bekannt, die sogenannte Traberkrankheit oder Scrapie. In dem verfütterten Tiermehl befanden sich wahrscheinlich Teile von an Scrapie erkrankten Schafen und BSE-befallenen Kühen. Die Aufnahme der Erreger über die Nahrung gilt am wahrscheinlichsten. Kälber können sich schon im Mutterleib über die Plazenta (= Mutterkuchen) anstecken. Andere Infektionswege werden aber auch nicht ausgeschlossen.

Symptome

Die Rinder erkranken erst im Alter von vier bis fünf Jahren. Dies deutet auf eine relativ lange Inkubationszeit hin. Die bis dahin völlig gesund erscheinenden Tiere fallen dann durch folgende Symptome auf:
  • Aggressivität
  • Schmerzempfindlichkeit
  • Ängstlichkeit
  • Zunehmender Verlust der Muskelkontrolle, in deren Folge die Rinder torkeln, stürzten oder hinfallen.
Eher unspezifische Symptome sind eine verminderte Milchproduktion und Gewichtsabnahme. Wenige Monate nach Auftreten der ersten Symptome sterben die Rinder.

Diagnose

Eine Möglichkeit der Diagnose ist die mikroskopische Untersuchung von Hirngewebe, das charakteristische Veränderungen aufweist ("Schwammgewebe"). Der BSE-Schnelltest basiert auch auf einer Untersuchung von entnommenem Hirngewebe und zeigt eindeutige Testergebnisse erst, wenn die Tiere bereits hochinfektiös sind. Dazu wird von geschlachteten Tieren Hirngewebe entnommen, verflüssigt und auf das krankheitsspezifische Prionenprotein untersucht. Beide Verfahren werden an toten Tieren durchgeführt.

Neuere Entwicklungen sind Prionen-Schnelltests, die auf geringere Konzentrationen des Erregers ansprechen, die Erkrankung auch schon Monate vor ihrem Ausbruch nachweisen und am lebenden Tier durchgeführt werden können. Die Probenentnahme erfolgt aus dem Blut.

Dennoch können Rinder ungetestet auf den Markt kommen, da die Schlachttiere meist jünger als die für die Tests vorgeschriebenen 30 beziehungsweise 24 Monate sind.

Ein weiterer neu entwickelter Test zielt auf die genaue Untersuchung von Nahrungsmitteln ab. Mit seiner Hilfe können Spuren von Hirn- und Rückenmarksgewebe, das am meisten belastet ist, in Lebensmitteln nachgewiesen werden.

Therapie

Eine Therapie ist derzeit nicht möglich.

med. Redaktion Dr. med. Werner Kellner
Aktualisierung 16.03.2008


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