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Reizdarmsyndrom (engl. irritable bowle syndrom)

Das Reizdarmsyndrom ist eine funktionelle Darmstörung, bei der keine biochemischen oder strukturellen Normabweichungen diagnostiziert werden können. Dies bedeutet, dass derzeit keine organischen Ursachen feststellbar sind, welche die typischen Beschwerden des Reizdarms erklären würden. Die Erkrankten leiden unter immer wiederkehrenden Bauchschmerzen, Blähungen und Stuhlunregelmäßigkeiten. Das Reizdarmsyndrom ist eine häufige Erkrankung, die circa 15 – 25% aller Menschen in den Industrieländern betrifft. Die Erkrankung wird auch Reizkolon, Colon spasticum, Colitis mucosa oder Kolonneurose genannt. Die Krankheit ist ungefährlich, die Lebensqualität kann jedoch erheblich eingeschränkt sein. Geeignete Therapien können helfen, ein normales Leben zu führen.

Was sind die Ursachen des Reizdarmsyndroms?

Die genauen Ursachen des Reizdarmsyndroms sind bisher nicht bekannt. Die Erkrankung wird als funktionell bezeichnet, da keine organischen Veränderungen, wie Entzündungen oder Tumore, zu finden sind.

Es handelt sich jedoch nicht um eine psychische Erkrankung. Eine Reihe von Faktoren beeinflussen und verstärken die Krankheit im negativen Sinne. Dazu zählen Stress, seelische Belastungen, falsche Ernährungsgewohnheiten, wie fettreiches und ballaststoffarmes Essen, Störungen der Darmflora, Medikamente, hormonelle Einflüsse, usw.

Bei einem Teil der Betroffenen (circa 25%) geht der Erkrankung eine Gastroenteritis (= Schleimhautentzündung des Magens und des Dünndarms/Dickdarms) voraus. Auch Lebensmittelunverträglichkeiten und Allergien gegen bestimmte Nahrungsmittel (beispielsweise Milch, Zitrusfrüchte, Kaffee) treten in Zusammenhang mit dem Reizdarmsyndrom auf.

Bei fast allen Patienten kann eine erhöhte Schmerzempfindlichkeit des Darms festgestellt werden. Der Grund dafür ist nicht bekannt.

Was sind die Krankheitszeichen des Reizdarmsyndroms?

Die einzelnen Krankheitsanzeichen für sich gesehen sind wenig aussagekräftig. In ihrer Gesamtheit geben sie ein charakteristisches Krankheitsbild. Kennzeichnend sind wiederkehrende Bauchschmerzen und Bauchkrämpfe, Blähungen und das Empfinden, dass der Bauch überbläht und gespannt ist. Die Stuhlkonsistenz ist verschieden und wechselt von Person zu Person oder von Zeit zu Zeit von Verstopfung zu Durchfall und umgekehrt. Häufig finden sich Schleimbeimengungen im Stuhl. Die Schmerzen treten an verschiedenen Stellen im Bauchraum auf und lassen sich häufig nicht exakt lokalisieren. Nach einer Stuhlentleerung bessern sich die Schmerzen häufig. Die Stuhlentleerung selbst ist oft schmerzhaft und die Erkrankten haben das Gefühl, dass der Darm nach dem Stuhlgang nicht vollständig entleert ist. Die American Gastroenterological Association und andere medizinische Gesellschaften haben zur Diagnose des Reizdarmsyndroms bestimmte Kriterien festgelegt.

Dabei müssen die Betroffenen innerhalb des letzten Jahres für mindestens 12 Wochen an abdominalen Schmerzen (= Schmerzen im Bauch und/oder Unterleib) oder Unwohlsein gelitten haben. Zwei von drei der folgenden Eigenschaften des Unwohlseins sollten erfüllt sein:
  • Eine Besserung der Beschwerden tritt mit dem Stuhlgang ein.
  • Der Beginn der Schmerzen ist verbunden mit einer Veränderung der Stuhlhäufigkeit.
  • Der Beginn der Schmerzen steht in Verbindung mit einer Veränderung der Stuhlkonsistenz.
Weitere Kriterien, welche die Diagnose unterstützen sind:
  • abnorme Stuhlhäufigkeit (mehr als drei Stühle pro Tag oder weniger als 3 Stühle pro Woche),
  • abnormale Stuhlkonsistenz,
  • abnormale Stuhlentleerung (beispielsweise starkes Pressen, Gefühl der unvollständigen Entleerung, imperativer Stuhldrang -> der Stuhl kann nicht mehr willentlich zurückgehalten werden),
  • schleimiger Stuhl,
  • Blähungen und das Gefühl aufgebläht zu sein.
Die Palette der Beschwerden, die zusätzlich zu den intestinalen (= den Darm betreffenden) Symptomen auftreten können ist vielfältig: Kopfschmerzen, Rückenbeschwerden, Müdigkeit, Schlafstörungen, Depressionen und Herzbeschwerden.

Wie erfolgt die Diagnosestellung des Reizdarmsyndroms?

Anhand einer genauen Anamnese (Befragung zur Krankengeschichte) kann sich der behandelnde Arzt ein Bild über die Beschwerden machen (siehe auch Krankheitszeichen). Eine gründliche körperliche Untersuchung folgt. Zum Ausschluss anderer Erkrankungen, wie beispielsweise eines Darmtumors oder entzündlichen Darmerkrankungen, können weitere Untersuchungen sinnvoll sein: Blut-, Stuhl-, und Urinutersuchungen, Ultraschall des Bauches, Magen- und/oder Darmspiegelung, Röntgenuntersuchungen und Tests auf Lebensmittelunverträglichkeiten und –allergien.

Wie wird das Reizdarmsyndrom behandelt?

Die Behandlung zielt hauptsachlich auf die Linderung der Beschwerden ab. Der behandelnde Arzt kann Medikamente gegen Verstopfung (Prokinetika und Quellmittel), Durchfall (kurzzeitig Loperamid) und die Bauchschmerzen (Spasmolytika) verordnen. Begleitend kann eine Psychotherapie angeboten werden. Auch Antidepressiva (Amitriptylin niedrig dosiert) wirken sich bei manchen Patienten positiv aus.

Zur Unterstützung der Darmflora werden Medikamente empfohlen, die Aktivkulturen von Milchsäurebakterien enthalten. Reizstoffe, wie Alkohol, Nikotin und Kaffee sollten gemieden werden.

Es gibt auch eine Reihe von Alternativtherapien beim Reizdarmsyndrom: Akupunktur, chinesische Kräuter, Reflexzonenmassage und Entspannungsmassagen sind hier beispielsweise zu nennen.


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