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Querschnittlähmung (engl. transverse lesion)

Bei einer Querschnittlähmung oder Querschnittläsion wird das Rückenmark ganz oder teilweise unterbrochen. Das Rückenmark verläuft im Wirbelkanal, einem zentralen Hohlraum der Wirbelsäule. Das Rückenmark muss man sich als eine Säule aus Nervengewebe vorstellen, die durch die Wirbelsäule geschützt ist. Es ist das Hauptverbindungsorgan des Köpers für Informationen zwischen dem Gehirn und allen Teilen des Körpers. Zudem stellt es ein eigenständiges Nervenzentrum dar. So reguliert es vitale Funktionen, wie die Blasen-, Mastdarm-, Sexualfunktion sowie die Atmungs-, Temperatur- und Kreislauffunktion. Wird die Wirbelsäule verletzt, so kann es zu Einblutungen in das Rückenmark kommen und seine Funktionen werden eingeschränkt oder aufgehoben.

Was sind mögliche Ursachen für die Querschnittlähmung?

Die häufigste Störung am Rückenmark sind Rückenmarksverletzungen, die durch Motorrad-, Auto- oder Sportunfälle oder durch Stürze entstehen. In Deutschland erleiden pro Jahr ungefähr 900 Menschen unfallbedingt eine Querschnittlähmung. Männer sind dabei mit ca. 70% häufiger betroffen als Frauen. Das Durchschnittsalter liegt bei 40 Jahren. Querschnittlähmungen können beispielsweise auch durch Erkrankungen des Rückenmarks (Tumore, Syringomyelie), bestimmte Arten von Bandscheibenvorfällen oder aufgrund einer vorgeburtlichen Schädigung während der Embryonalentwicklung (Spina bifida = „offener Rücken“) entstehen.

Welche Formen der Querschnittslähmung gibt es?

Je nach dem, wo das Rückenmark unterbrochen ist, kommt es zu unterschiedlichen Funktionsausfällen. Tritt die Rückenmarkverletzung oder –erkrankung zwischen dem ersten Brustwirbel (Th1) und dem zweiten Lendenwirbel (L2) auf, sind die Arme nicht von Lähmungserscheinungen betroffen, jedoch können – je nachdem welche Nerven geschädigt sind – die Beine, die Beckenorgane und der Rumpf gelähmt sein. In diesem Fall spricht man von einer Paraplegie. Der Patient ist - teilweise oder vollständig - von der Brust oder Taille abwärts gelähmt. Wird das Rückenmark bereits im Bereich des vierten (C4) und fünften (C5) Halswirbels geschädigt, kommt es zu einer so genannten Tetraplegie. Hierbei ist der gesamte Körper vom Hals abwärts komplett oder partiell gelähmt oder gefühllos. Der Rumpf sowie die Arme und Beine sind betroffen. Besteht die Verletzung an noch weiter oben gelegenen Halswirbeln, kommt es häufig zur Lähmung der Atemmuskeln. Dies führt meist zum Tod des Betroffenen.

Welche Symptome und Komplikationen treten bei einer Querschnittlähmung auf?

Bei der Erkrankung kommt es zu Lähmungen unterhalb der geschädigten Stelle am Rückenmark. Über diese Lähmung hinaus kann es zu Verstopfung sowie Blutdruck- und Sexualstörungen kommen. Ebenso ist der Ausfall der Temperaturregulation sowie Harn- und Stuhlinkontinenz möglich. Die dauernde Unbeweglichkeit kann ernste Komplikationen nach sich ziehen. Häufige Positionswechsel und gute Hautpflege sind wichtig. Komplikationen, wie Nierensteine, Muskelverspannungen, Unterschenkelgeschwüre und Wundliegen, müssen sofort therapiert werden.

Wie wird die Querschnittlähmung diagnostiziert?

Die neurologischen Ausfälle sind charakteristisch. Kernspintomographie und Computertomographie lassen eine differenzierte Diagnosestellung zu.

Wie erfolgt die Behandlung der Querschnittlähmung?

Sind die Ursachen der Querschnittlähmung nicht durch einen Unfall bedingt, muss die Grunderkrankung therapiert werden. Eine möglichst sofortige Behandlung gleich nach einer Verletzung erhöht die Chance zur Wiederherstellung von wenigstens einigen Funktionen. Dazu gehört die Behandlung des so genannten spinalen Schocks mit hochdosierten Glukokortikoiden sowie eine Flachlagerung und Ruhigstellung des Patienten.

Weitere Maßnahmen sind:
  • operative Entfernung von Flüssigkeit und Gewebe, welches auf das Rückenmark drückt (Dekompressionslaminektomie),
  • operative Entfernung von Knochenstücken und Fremdkörpern,
  • Stabilisierung der gebrochenen Wirbel durch Zusammenfügen der Knochen und das Einsetzen von Stützvorrichtungen
  • Bettruhe,
  • Strecktherapie, mit der die Wirbelsäule ruhig gestellt und eine Wirbelverlagerung verhindert wird.
Kommt die Bewegungsfähigkeit und Sensibilität innerhalb einer Woche nach der Verletzung zurück, so können die die meisten Funktionen wieder hergestellt werden. Dies kann jedoch sechs Monate und länger dauern. Länger als sechs Monate bestehende Ausfälle bleiben wahrscheinlich bestehen. Ein Drittel der Betroffenen sind daher dauerhaft auf einen Rollstuhl angewiesen.

Die meisten Behandlungsmaßnahmen zielen deswegen auf eine Rehabilitation ab. Passive Übungen für Muskeln verhindern Kontrakturen (unwillkürliche Dauerverkürzungen der Muskeln), Physiotherapie wirkt einer Gelenkversteifung entgegen. Eine Beschäftigungs-, Psycho- oder Gesprächstherapie kann bei Depressionen oder sexuellen Problemen hilfreich sein.

Querschnittgelähmte müssen mit ihrer dauerhaft eingeschränkten Beweglichkeit zurechtkommen. Sie können dabei beispielsweise auf Hilfe im Haushalt, am Arbeitsplatz, in Verkehrsmitteln, beim Zugang zu Gebäuden oder in finanzieller Hinsicht angewiesen sein. Hilfe und Unterstützung benötigen Querschnittsgelähmte vor allem im ersten Jahr nach dem Krankenhausaufenthalt durch Verwandte und Freunde.

Trotz der Querschnittslähmung kann ein aktives Leben geführt werden.


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