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Quecksilbervergiftung (engl. mercurialism; mercury poisoning)

Eine Quecksilbervergiftung (Merkurialismus) kann durch die Einnahme, Inhalation oder Absorption (über die Haut) von Quecksilberverbindungen verursacht werden. Quecksilber ist ein Zellgift, das in der Leber, den Nieren, in der Milz und im Gehirn gespeichert wird. Eine Ausscheidung über die Nieren erfolgt nur langsam. Traurige Berühmtheit erlangte Quecksilber in den 1950er-Jahren. In einem japanischen Fischerdorf mit dem Namen Minamata (-> Minamata-Krankheit) kam es zu einer Massenvergiftung. Die Bewohner hatten Meeresfrüchte gegessen, die mit Quecksilber belasteten Industrieabfällen verseucht waren.

In welchen Konzentrationen wird Quecksilber als giftig angesehen und wo kommt es vor?

Quecksilber ist ein natürlich vorkommendes Metall mit außergewöhnlichen physikalischen Eigenschaften. Es ist bei Raumtemperatur flüssig und verdunstet. Daher erklärt sich seine hohe Giftigkeit durch Einatmen. Die Auswirkungen auf den Körper hängen vom Ausmaß der Exposition und von der Art der Quecksilberverbindung ab. Auch das Lebensalter kann für die Giftigkeit ausschlaggebend sein. Vor allem methyliertes Quecksilber ist plazentagängig und kann bei Ungeborenen schwere Hirnschäden bewirken, während die Mütter häufig noch keine Vergiftungserscheinungen haben.

Quecksilber kann auf vielerlei Wege in unseren Organismus gelangen, jedoch führt es nicht gleich zu einer Quecksilbervergiftung. Die „normale“ mittlere tägliche Quecksilberbelastung durch die Nahrung und die Atemluft beträgt 20-25µg. Die WHO hält einen Wert von 45µg/d (d = Tag) für vertretbar. 400µg pro Tag werden als kritische Dosis angesehen. Als Richtwerte für die höchstzulässige Menge von Arbeitsstoffen (BAT-Werte = biologische Arbeitsstofftoleranz) gelten für:
  • metallisches Quecksilber und seine anorganischen Verbindungen 25µl/l im Blut und 100µg/l im Urin.
  • organische Quecksilberverbindungen 100µg/l im Blut.
In unseren Organismus gelangt Quecksilber beispielsweise durch:
  • defekte quecksilberhaltige Thermometer, Barometer oder Batterien (Inhalation!);
  • Desinfektions- und Holzschutzmittel,
  • Nahrungsmittel wie Fisch und Meeresfrüchte; auch Algen oder Algenpräparate können das Metall enthalten;
  • Verbrennung von Steinkohle in Kraftwerken oder über Müllverbrennungsanlagen und Kläranlagen;
  • Amalgam-Zahnfüllungen, einer Legierung aus Kupfer, Silber, Zinn und Zink; Wissenswert ist, dass die Quecksilberfreisetzung aus modernen Amalgamen - auch bei vielen großflächigen Füllungen - nur einen Bruchteil der „normalen“ täglichen Quecksilberbelastung (20-25µg) erreicht. Jedoch sollten bei Schwangeren, Stillenden und Kleinkindern bis 6 Jahren keine neuen Amalgam-Zahnfüllungen gelegt oder alte ausgebohrt werden. Durch das Ausbohren entsteht Quecksilberdampf und dadurch eine akute hohe Belastung. Sehr selten besteht eine Allergie gegen Amalgam.
Wie macht sich eine Quecksilbervergiftung bemerkbar?

Bei Quecksilbervergiftungen unterscheidet man in chronische und akute Vergiftungen. Chronische Vergiftungen entstehen, wenn nach und nach kleine Mengen von Quecksilberverbindungen geschluckt oder absorbiert werden. Das Metall hat die Eigenschaft, dass es sich in Körpergeweben, wie dem Gehirn, der Leber und den Nieren ablagert. Akute Vergiftungen treten auf, wenn innerhalb kurzer Zeit große Mengen an Quecksilberverbindungen aufgenommen wurden.

Anzeichen einer chronischen Quecksilbervergiftung

Zunächst können Allgemeinsymptome wie Mattigkeit, sowie Kopf- und Gliederschmerzen auftreten. Typische Vergiftungserscheinungen sind vermehrter Speichelfluss (Hypersalivation) mit Drüsenschwellungen. Beispielsweise wischen sich die Betroffenen ständig Speichel aus den Mundecken; Kopfkissen sind ständig nass. Charakteristisch sind zudem Entzündungen der Mundschleimhaut (Stomatitis) mit Geschwürbildung und Entzündungen des Zahnfleisches (Gingivitis). Es können ein schwarzer Quecksilbersaum am Zahnfleischrand und ein Lackrachen auftreten, Zahnausfall ist nicht selten.

Weitere Symptome sind Durchfälle und Eiweiß im Harn (Albuminurie). Hauptsächlich wirkt das Quecksilber jedoch auf das zentrale Nervensystem. Es bilden sich in motorischen Zentren entzündliche Veränderungen mit entsprechenden Reizäußerungen. Charakteristisch sind der Erethismus (= krankhaft gesteigerte Erregbarkeit) mercurialis mit Reizbarkeit, Schlaflosigkeit, Angstgefühlen, Sprachstörungen, sowie Konzentrations- und Erinnerungsschwäche. Motorische Störungen machen sich durch einen Tremor mercurialis bemerkbar. Es handelt sich um ein Zittern, kurz bevor eine Bewegung zu Ende geführt wird (Intentiostremor). Das Zittern kann den Kopf, die Zunge oder die Hände betreffen. Der Ablauf der Vergiftung kann durch wiederholte Schriftproben quantitativ erfasst werden (mehr oder weniger ausgeprägte Zitterschrift).

Anzeichen einer akuten Quecksilbervergiftung

Die Symptome dieser Vergiftungsform sind ein Brennen im Rachenraum und Metallgeschmack im Mund. Die Betroffenen haben Bauchschmerzen, erbrechen sich und haben blutige Durchfälle. Ebenso besteht eine übermäßige Speichelproduktion. Eine Nierenentzündung mit verminderter Harnausscheidung kann zu einem Nierenversagen führen.

Wie wird die Quecksilbervergiftung behandelt?

Bei einer chronischen Quecksilbervergiftung ist auf jeden Fall eine weitere Aufnahme von Quecksilber vermieden werden. Die Patienten müssen wiederholte Kuren mit einem Antidot (Gegengift) – in diesem Falle BAL = Dimercaprol – oder D-Penicillamin durchführen. Dabei werden die Quecksilberausscheidungen über den Harn laufend kontrolliert.

Bei akuten Vergiftungen kann noch nicht resorbiertes Quecksilber durch Aktivkohle adsorbiert werden. Bereits aufgenommenes Quecksilber wird mit den oben genannten Antidoten behandelt, eventuell werden so genannte Chelatbildner eingesetzt. Gegen die Ätzschmerzen helfen zentral wirksame Schmerzmittel, den Koliken wird mit Spasmolytika begegnet. Flüssigkeitsverluste müssen rasch und fortlaufend ersetzt werden.


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