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Polyzystisches Ovarsyndrom (engl. polycystic ovaries)

Das polyzystische Ovarsyndrom - abgekürzt PCOS - ist eine der häufigsten hormonell bedingten Erkrankungen bei Frauen. Hervorstechende Merkmale sind verlängerte Menstruationszyklen (zwischen 35 und 45 Tagen), vergrößerte Eierstöcke, die flüssigkeitsgefüllte Hohlräume (Zysten) aufweisen, sowie maskulines Behaarungsmuster und Glatzenbildung. Ungefähr die Hälfte der PCOS-Patientinnen sind adipös (=übergewichtig). Häufig ist die Erkrankung der Grund für eine ungewollte Kinderlosigkeit. Das Krankheitssyndrom wird nach seinen Erstbeschreibern auch als Stein-Leventhal-Syndrom bezeichnet. Schätzungen gehen davon aus, dass circa eine Million Frauen in Deutschland betroffen sind. Der Krankheitsbeginn setzt meist mit der Pubertät ein.

Normaler Menstruationszyklus

Bereits bei der Geburt besitzt ein Mädchen an die 400 000 Eizellen in den Ovarien (= Eierstöcken), die im Laufe seines Lebens heranreifen können. Etwa 13-mal im Jahr entwickelt sich aus der Eizelle, die in einem Eibläschen eingebettet ist, ein so genannter Graafscher Follikel oder Bläschenfollikel. In ihm wird das weibliche Hormon Östrogen gebildet. Außerdem enthält er die Eizelle, die beim Eisprung (idealerweise am 14. Tag nach Menstruationsbeginn) in den Eileiter entlassen wird und durch eine Samenzelle befruchtet werden kann. Der Graafsche Follikel bildet sich nach dem Eisprung zum Gelbkörper um, der das so genannte Gelbkörperhormon Progesteron produziert. Dieses Hormon sorgt dafür, dass eine befruchtete Eizelle sich in der Gebärmutterschleimhaut einnisten kann und eine Schwangerschaft erhalten bleibt. Unterbleibt die Befruchtung, so geht der Gelbkörper zugrunde. Eine bindegewebige Narbe am Eierstock zeugt von diesem Ereignis. Die Menstruationsblutung setzt ein. Die Dauer eines ganzen Reifungszyklus, also vom ersten Tag der Blutung bis zum ersten Tag der Folgeblutung, wird Menstruationszyklus genannt und dauert im Idealfall 28 Tage.

Pro Zyklus macht nicht nur eine Eizelle die Startentwicklung zur reifen Eizelle durch, sondern circa 20 bis 40. Ungefähr um den 9. Tag nach Menstruationsbeginn, kristallisiert sich das Eibläschen heraus, welches sich zum Graafschen Follikel entwickelt, die anderen gehen zugrunde. Die Vielzahl der Eibläschen wird benötigt, um die Hormonproduktion sicherstellen zu können, die für die Entwicklung des Haupteibläschens nötig ist.

Gesteuert wird das Zyklusgeschehen durch ein komplexes Wechselspiel von Hormonen, die im Hypothalamus, in der Hypophyse (=Hirnanhangdrüse) oder in den Eierstöcken gebildet werden. In der Hypophyse wird das Hormone FSH (follikelstimulierendes Hormon), welches das Heranreifen der Eibläschen fördert, und das LH (luteinisierendes Hormon) gebildet, das den Eisprung auslöst. Die Ausschüttung dieser Hormone unterliegt der Kontrolle des Hypothalamus, der dieses Geschehen über das GnRH (Gonadotropin freisetzendes Hormon) reguliert. Zudem beeinflussen die Geschlechtshormone der Eierstöcke (das Östrogen Estradiol und Progesteron) den Aufbau der Gebärmutterschleimhaut, die dadurch in der Lage ist, eine befruchtete Eizelle aufzunehmen.

Beim PCOS unterdrücken zu hohe Konzentrationen männlicher Hormone das Heranreifen eines Haupteibläschens. Vielmehr wachsen alle Eibläschen weiter und gehen ohne Bildung einer befruchtungsfähigen Eizelle zugrunde. Der Eisprung findet nicht statt und der Gelbkörper wird nicht gebildet. Eine Folge dessen ist ein verlängerter Zyklus (Oligomenorrhoe), das heißt, ein Zyklus zwischen 35 und 45 Tagen oder ein gänzliches Aussetzen der Menstruationsblutung (Amenorrhoe).

med. Redaktion Dr. med. Werner Kellner
Aktualisierung 23.9.2007


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