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Pleuraerguss (engl. pleural effusion)

Bei einem Pleuraerguss sammelt sich krankheitsbedingt zu viel Flüssigkeit zwischen der Lunge und dem Brustkorb an. Genauer gesagt kommt es zu einer Flüssigkeitsansammlung zwischen den beiden Blättern des Brustfells (= Pleura). Dies kann auf einer oder beiden Körperseiten auftreten. Viele unterschiedliche Erkrankungen können dafür verantwortlich sein.

Was ist die Pleura genau?

Die Pleura wird auch Brustfell genannt und kleidet den Brutkorb von innen her aus. Sie ist eine dünne, transparente, zweischichtige Membran. Sie teilt sich in zwei Blätter oder "Lagen" auf: Das Lungenfell (Pleura visceralis) umkleidet die beiden Lungenflügel, das Rippenfell (Pleura parietalis) bedeckt die Rippen, das Zwerchfell und den Herzbeutel. Zwischen den beiden Pleurablättern befindet sich ein feiner Spalt, der sogenannte Pleuraspalt. Normalerweise ist er mit einigen Milliliter Flüssigkeit gefüllt. Dies führt dazu, dass sich die beiden Pleurablätter gegeneinander verschieben können, ohne aneinander zu reiben. Die Flüssigkeit im Pleuraspalt beträgt ungefähr 15 Milliliter, wovon täglich von der Pleura 10 Milliliter gebildet werden und etwa dieselbe Menge wieder resorbiert wird. Besteht ein Ungleichgewicht zwischen Resorption (= "Rückgewinnung") und Bildung von Pleuraflüssigkeit, so kommt es zu einer verstärkten Flüssigkeitsansammlung im Pleuraspalt - dem Pleuraerguss.

Ursachen

Es gibt eine Vielzahl von Erkrankungen, die zu einem Pleuraerguss führen können. Hauptsächlich kommen folgende Erkrankungen in Frage:
  • Krebserkrankungen (Lungenkrebs, Tochtergeschwulste aus anderen Organen (Brust, Niere oder Eierstöcke) oder Tumoren der Pleura selbst, wie das Pleuramesotheliom);
  • Lungenentzündung (Pneumonie) und Tuberkulose;
  • Herzmuskelschwäche (Rechtsherzinsuffizienz);
  • Lungenembolie;
  • Rippenfellentzündung;
  • Brustverletzungen.
Weiterhin führen Oberbaucherkrankungen, wie eine Bauchspeicheldrüsenentzündung (Erguss links), rheumatische Erkrankungen oder eine Leberzirrhose zum Pleuraerguss.

Symptome

Kleine Pleuraergüsse führen meist zu gar keinen Schmerzen. Typischer sind jedoch atemabhängige Schmerzen. Bei größeren Flüssigkeitsansammlungen entwickelt sich zunehmend Atemnot, da der Erguss auf das Lungengewebe drückt und sich dadurch die Menge der eingeatmeten Luft verringert. Bei ausgeprägten Ergüssen kommt es zum Sauerstoffmangel, eine Blaufärbung der Lippen (Zyanose) kann dann beobachtet werden. Erkrankte Menschen atmen schnell und flach.

Diagnose

Die Befragung zur Krankengeschichte lässt häufig auf die auslösenden Faktoren des Pleuraergusses schließen (bsp. bestehende Herzinsuffizienz, Lungenentzündung). Im Rahmen der körperlichen Untersuchung machen sich typische Veränderungen beim Beklopfen und Abhören der Lunge bemerkbar. Ein weiterer Schritt zur Diagnose ist die Röntgenaufnahme der Brust, bei der die Flüssigkeit im Pleuraraum sichtbar gemacht werden kann. Kleine Flüssigkeitsansammlungen und ihre genaue Lage können mit dem Ultraschall erkannt werden. Um festzustellen, was die genaue Ursache des Ergusses ist, wird die Pleura punktiert und Flüssigkeit mit einer Spritze unter Ultraschallkontrolle abgezogen. Dazu wird der Patient lokal betäubt. Das gewonnene Punktat kann im Labor u. a. auf seinen Eiweiß- und Fettgehalt (Albumin, Triglyceride, LDH), Krankheitserreger und Entzündungs- und Tumorzellen untersucht werden (genauer siehe unten). Bleibt der genaue Grund für den Erguss - trotz aller Maßnahmen - unklar, so wird eine Thorakoskopie durchgeführt. Bei dieser Inspektion des Pleuraraumes können verdächtige Stellen zur weiteren Untersuchung entnommen werden. Der Patient erhält eine Vollnarkose oder Lokalanästhesie.

Untersuchung der Pleuraflüssigkeit

Vielfältige Aufschlüsse über die zugrunde liegende Erkrankung des Pleuraergusses gibt die punktierte Pleuraflüssigkeit. Sie kann klar, getrübt, blutig oder eitrig sein. Blut im Pleuraraum (Hämothorax) deutet für gewöhnlich auf eine Brustverletzung hin. Eiter kann sich im Pleuraraum (= Pleuraempyem) sammeln, wenn eine Lungenentzündung oder ein Lungenabszess den Pleuraraum erfasst. Milchige Flüssigkeit im Pleuraraum (= Chylothorax) entsteht durch eine Verletzung des größten Lymphgefäßstamms in der Brust. Ein Tumor kann diesen Gang verschließen. Auch die Bestimmung der spezifischen Zellen der Pleuraflüssigkeit lassen Rückschlüsse auf die zugrunde liegende Erkrankung zu. Hier nur einige Beispiele: Karzinomzellen deuten auf Krebs hin, Lymphozyten (= weiße Blutkörperchen) auf rheumatische Erkrankungen oder Tuberkulose. Bei rheumatischen Erkrankungen ist zusätzlich noch ein hoher Cholesterin- und Fettgehalt in der Pleuraflüssigkeit auszumachen. Klare Flüssigkeit und sogenannte neutrophile Granulozyten sind Hinweise auf eine Lungenentzündung.

Behandlung

Grundsätzlich wird die Therapie an der zu verursachenden Erkrankung ausgerichtet. Sollte sie nicht mehr ausreichend behandelbar sein oder führen ausgeprägte Ergüsse zu massiver Atemnot, so sind weitere Optionen denkbar:

Der Pleuraerguss kann bei Atemnot, Pulsbeschleunigung und Sauerstoffmangel zu therapeutischen Zwecken punktiert werden. Bis zu 1,5 Liter Flüssigkeit kann so entfernt werden. Bildet sich der Erguss nicht zurück oder verursachen Bakterien oder Pilze den Erguss (bsp. Kokzidioidomykose) kann es manchmal erforderlich sein, eine dauerhafte Drainage der Pleura (= Thoraxsaugdrainage) durchzuführen. Dazu wird unter örtlicher Betäubung eine Plastikröhre zwischen zwei Rippen in die Brustwand eingebracht. Dann wird die Röhre mit einem abgedichteten Drainagesystem verbunden, das ein Eindringen von Luft in den Pleuraraum verhindert. Die Pleura kann auf diesem Wege auch mit Kochsalzlösung gespült werden. Wird die Pleuraflüssigkeit sehr schnell nachgebildet und kann zudem die zugrunde liegende Erkrankung nicht mehr ursächlich behandelt werden, verschließt man den Pleuraraum (= Pleurodese). Dazu werden Medikamente (bsp. Doxycyclin, Talkum) zwischen die beiden Pleurablätter eingebracht. Diese Mittel verkleben die beiden Schichten des Brustfells. Neue Flüssigkeitsansammlungen können nicht mehr entstehen. Befindet sich Blut in der Pleuraflüssigkeit, so wird dieses über eine Drainage entfernt, bis die Blutung aufhört. Hält die Blutung jedoch an und kann die Flüssigkeit über den Drainageschlauch nur unzureichend entfernt werden, so stoppt man die Blutung durch einen chirurgischen Eingriff.

med. Redaktion Dr. med. Werner Kellner
Aktualisierung 16.03.2008


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