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Persönlichkeitsstörung (engl. personality disorder)

Personen mit Persönlichkeitsstörungen zeigen Verhaltensweisen, die stark von den gesellschaftlichen und kulturellen Erwartungen abweichen. Auch Extremvarianten menschlichen Verhaltens, welche die Fähigkeit in der Gesellschaft zu leben einschränken, sind Kennzeichen einer Persönlichkeitsstörung. Weitere Merkmale einer Persönlichkeitsstörung sind starre Verhaltensmuster, die unterschiedlichen Lebenssituationen nicht angepasst werden können. Die Betroffenen unterschieden sich von der Mehrheit der Bevölkerung durch offenkundige Abweichungen im Bereich der Wahrnehmung, des Denkens und Fühlens und den Beziehungen zu anderen Menschen.

Von einer Persönlichkeitsstörung spricht man nur dann, wenn hinlänglich viele dieser Merkmale zutreffen und die Störung dauerhaft besteht. Von der Persönlichkeitsstörung abzugrenzen ist die Persönlichkeitsänderung, die erst im Erwachsenalter erworben wird und beispielsweise auf extreme Belastungssituationen zurückzuführen ist. Die Persönlichkeitsstörung entsteht bereits im Kindesalter oder in der Pubertät und dauert bis in das Erwachsenenalter an.

Welche Ursachen für Persönlichkeitsstörungen werden diskutiert?

Persönlichkeitsstörungen sind das Ergebnis einer Kombination von Lebenserfahrung und Erbfaktoren. Häufig stellen sie die Folge ungelöster Konflikte dar, die bis in die Kindheit zurückreichen können.

Wie erfolgt die Einteilung der Persönlichkeitsstörungen?

Persönlichkeitsstörungen werden aufgrund ihres markantesten Merkmals eingeordnet. Dabei können Überschneidungen auftreten. Klassifikationssysteme sind ICD-10 oder DSM-IV. Medizinisch werden zehn Persönlichkeitsstörungen unterschieden:

Die abhängige Persönlichkeitsstörung ist gekennzeichnet durch die mangelnde Bereitschaft, (Alltags-)Entscheidungen ohne die Hilfe von anderen zu treffen und eigene angemessene Ansprüche zu äußern. Typisch ist die Angst, verlassen zu werden und nicht allein für sich sorgen zu können.

Die ängstliche Persönlichkeitsstörung ist geprägt durch eine übermäßige Sorge bis hin zur Überzeugung unbeholfen, unattraktiv und minderwertig zu sein. Die Betroffenen leben in übertriebener Sorge in sozialen Situationen kritisiert und abgelehnt zu werden. Ihr Lebensstil ist oft starken Einschränkungen unterworfen.

Die anankastische oder zwanghafte Persönlichkeitsstörung ist gekennzeichnet durch übermäßige Zweifel und Vorsicht, ständige Beschäftigung mit Details, Regeln, Organisation oder Plänen. Perfektionismus, übermäßige Gewissenhaftigkeit, Rigidität, Eigensinnig und unbegründetes Bestehen auf die Unterordnung anderer unter die eigenen Gewohnheiten sind ebenfalls charakteristisch. Im Beruf sind Menschen mit zwanghafter Persönlichkeitsstörung fleißig, übermäßig gewissenhaft und übergenau. Der übertriebene Perfektionismus verhindert mitunter die Aufgabenerfüllung, ihre Angst vor Fehlern führt zur Unentschlossenheit. Das Verhalten der Betroffenen ist häufig von merkwürdigen Ritualen geprägt.

Für die dissoziale oder soziopathische Persönlichkeitsstörung sind charakteristisch: eine niedrige Schwelle für gewalttätiges und aggressives Verhalten, sehr geringe Frustrationstoleranz, fehlendes Schuldbewusstsein, Verantwortungslosigkeit und Missachtung von Regeln, Verpflichtungen und sozialen Normen. Das Lernen aus Erfahrungen und Bestrafungen fehlt. Teilweise sind die Patienten auch sehr reizbar, daher besteht oft eine Neigung zu Kriminalität, Drogen- und Alkoholmissbrauch. Der Begriff „Psychopath“ für die Betroffenen ist veraltet.

Die histrionische oder hysterische Persönlichkeitsstörung ist gekennzeichnet durch dramatische Selbstdarstellung, theatralisches Verhalten, übertriebenen Gefühlsausdruck, labile Stimmungslage und leichte Beeinflussbarkeit. Kennzeichnend sind zudem, das dauernde Verlangen nach Anerkennung und der Wunsch, immer im Mittelpunkt zu stehen.

Die multiple Persönlichkeitsstörung ist eine Bezeichnung für die (scheinbare) Existenz von zwei oder mehr unterscheidbaren Persönlichkeitszuständen innerhalb einer Person, die abwechselnd die Kontrolle über das Verhalten über die Person übernehmen.

Die paranoide Persönlichkeitsstörung ist geprägt von einem tief greifenden Misstrauen und Argwohn gegenüber anderen Personen. Bezeichnend sind auch übertriebene Empfindlichkeit, Selbstbezogenheit, rechthaberische und querulatorische Tendenzen. Handlungen und Äußerungen von anderen Menschen werden oft missdeutet oder als feindlich betrachtet.

Menschen mit schizoider Persönlichkeitsstörung zeichnen sich durch auffällige emotionale Gleichgültigkeit bzw. Distanz aus. Weitere Merkmale sind Unfähigkeit zu Gefühlsäußerungen, starke Introvertiertheit, Kontaktstörungen sowie Mangel an tragfähigen Beziehungen. Eine Variante ist die Borderline-Persönlichkeitsstörung, eine schwere Persönlichkeitsstörung mit sehr wechselhaften Stimmungen, mangelndem Selbstvertrauen, gestörten zwischenmenschlichen Beziehungen und autoaggressivem Verhalten.

Schizotypische Persönlichkeitsstörungen äußern sich in eigenartigen Denk- und Verhaltensweisen. Die Betroffenen reden zusammenhanglos, einige glauben, magische Kräfte zu besitzen. Enge Beziehungen bereiten Unbehagen.

Die narzisstische Persönlichkeitsstörung zeichnet sich durch ausgeprägte Überheblichkeit aus. Die Erkrankten erwarten, dass man ihnen ein übertriebenes Maß an Aufmerksamkeit schenkt. Sie denken, sie seien etwas Besonderes und haben aber gleichzeitig ein sehr schwaches Selbstwertgefühl.

Wie erfolgt die Behandlung der Persönlichkeitsstörungen?

Häufig müssen mehrere Methoden, u.a. Psychopharmaka und psychotherapeutische Verfahren, ausprobiert werden.


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