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Nebenhodenentzündung, akute - Epididymitis

Die Entzündung der Nebenhoden, die im medizinischen Fachjargon auch als Epididymitis bezeichnet wird, ist meist die Folge einer fortgeleiteten bakteriellen Infektion der Prostata (= Vorsteherdrüse) oder der Harnwege (Blase, Harnleiter, Harnröhre). Geht die entzündliche Erkrankung auf das Hodengewebe über, so spricht man von einer Epididymo-Orchitis. Bemerkbar macht sich die Nebenhodenentzündung durch eine massive Anschwellung meist einer Hodenseite und durch starke Schmerzen. In jedem Fall ist die Nebenhodenentzündung ein medizinischer Notfall, der sofort behandelt werden muss.

Die Epididymitis ist die häufigste Erkrankung der Nebenhoden. Sie tritt für gewöhnlich erst ab der Pubertät auf. Ein erhöhtes Erkrankungsrisiko besteht nach chirurgischen Eingriffen im Bereich des Unterleibs, nach dem Legen eines Katheters oder bei Männern, die ungeschützten Geschlechtsverkehr mit häufig wechselnden Partnern praktizieren.

Anatomie

Hoden und Nebenhoden liegen dicht nebeneinander im Hodensack. Die schweifartig gebogenen Nebenhoden liegen am hinteren oberen Rand jedes Hodens. Der Nebenhodenkopf, das dickere Ende des Nebenhodens, sitzt dem oberen Pol des Hodens auf. Nach unten zu wird der Nebenhoden immer dünner und geht schließlich in den Samenleiter über. Die vornehmliche biologische Funktion des Nebenhodens ist die Lagerung der Spermien bis zum Samenerguss. Gebildet werden die Samenzellen in den Hoden, von wo aus sie über 10 bis 20 gestreckte Ausführkanäle in die Nebenhoden gelangen.

Ursachen

Die verschiedenen möglichen bakteriellen Erreger, die eine Nebenhodenentzündung hervorrufen können, werden meist aus der Harnröhre und Prostata über die Samenleiter in den Nebenhoden fortgeleitet. Die bakteriell verursachte Entzündung wird daher durch das Tragen eines Dauerblasenkatheters begünstigt. Weiterhin kann die Entzündung die Folge von sexuell übertragbaren Krankheiten sein. Während früher eine Infektion mit der Bakterienart Neisseria gonorrhoeae (Gonokokken), dem Erreger des Trippers oder der Gonorrhoe, die Hauptursache war, spielt heutzutage eine Infektion mit Chlamydien (Chlamydia trachomatis, Bakterienart), die größte Rolle. Weitere bakterielle Mikroorganismen, die zu einer Nebenhodenentzündung führen können, aber nicht zu den klassischen sexuell übertragbaren Krankheiten gehören, sind Escherichia coli, Klebsiellen, Pseudomonas aeruginosa und Enterokokken.

Selten erfolgt eine Keimeinschwemmung in das Nebenhodengewebe auf dem Blutweg. Dabei gelangen die Bakterien aus einem anderen Infektionsherd mit dem Blut in die Nebenhoden. Dies kann beispielsweise bei einer Prostata- oder Blasenentzündung der Fall sein. Ein weiterer Grund für das Auftreten einer Nebenhodenentzündung kann ein traumatisches, nicht-infektbedingtes Ereignis, wie ein Schlag oder Tritt auf den Hodensack sowie eine unfallbedingte Quetschung sein.

Symptome

Innerhalb ganz kurzer Zeit kommt es meist ohne erkennbare Ursachen zu einer massiven Anschwellung (vier- bis fünffach vergrößert) einer Hodenseite. Die Haut auf dem Hodensack ist rot, erwärmt, glänzend und gespannt. Der Patient leidet unter starken Schmerzen, die in die Leiste und den Unterbauch ausstrahlen können. Begleitend kann hohes Fieber auftreten. Bereits vor dem Auftreten der akuten Beschwerden leiden viele Patienten unter Schmerzen beim Wasserlassen oder häufigem Harndrang, also Anzeichen eines Harnweginfektes.

Diagnose

Die geschilderten Symptome und der Augenschein geben erste Hinweise auf die Erkrankung. Bei der körperlichen Untersuchung hebt der behandelnde Mediziner den Hodensack leicht an, was oft sofort deutlich eine Besserung der Beschwerden bringt. Der Samenleiter regiert bei der Tastuntersuchung oft sehr empfindlich und ist geschwollen. Bisweilen besteht Ausfluss aus der Harnröhre.

Neben der körperlichen Untersuchung dienen noch weiterer Methoden der genauen Diagnostik:
  • Urinuntersuchung: Sie zeigt fast immer einen Harnweginfekt an. Urinkulturen werden angelegt, um den krankheitserregenden Keim zu bestimmen und seine Empfindlichkeit auf Antibiotika auszutesten. Anhand dieser Untersuchungen kann das geeignete Antibiotikum ausgewählt werden. Bei einem Verdacht auf Chlamydien wird zusätzlich ein Abstrich aus der Harnröhre durchgeführt.
  • Ultraschalluntersuchung: Diese ungefährliche Methode eignet sich besonders, um den Verlauf der Erkrankung zu beurteilen. Der behandelnde Urologe kann beispielsweise die Ausdehnung der entzündlichen Vorgänge beurteilen. Er sieht auch, ob Komplikationen, wie eine Abszessbildung (= eingekapselte Eiteransammlung), entstanden sind. Ebenso kann per Ultraschall eine Hodentorsion (akuter medizinischer Notfall!), die ähnliche Symptome verursacht, ausgeschlossen werden.
  • Weitergehendere Untersuchungen, wie eine (Urografie), werden beispielsweise bei einem Verdacht auf Abflussstörungen im Harntrakt durchgeführt.

Behandlung

Medikamentös wird die Nebenhodenentzündung mit Antibiotika (meist Gyrasehemmer) behandelt. Die Betroffenen sollten Bettruhe einhalten. Das Hochlagern der Hoden in Rückenlage trägt zur Linderung der Schmerzen bei. Kühlende Maßnahmen und Salbenverbände können das Abschwellen beschleunigen. Schmerzstillende und entzündungshemmende Medikamente werden oft ergänzend verordnet. Eventuell wird auch über einen kurzen Zeitraum Kortison verschrieben. Das Ruhigstellen des Hodensacks mit einem Suspensorium kann die Schmerzen ebenfalls günstig beeinflussen. Die akute Entzündungsphase klingt meist erst nach acht bis zehn Tagen ab.

Waren Chlamydien die Auslöser für die Nebenhodenentzündung, so sollten unbedingt auch der/die Sexualpartner mit Antibiotika behandelt werden, um eine gegenseitige Wiederansteckung zu verhindern. Ein Test auf Chlamydien beim Sexualpartner sollte auch dann erfolgen, wenn er vordergründig keine Beschwerden hat. Das Heimtückische an einer Chlamydien-Infektion ist, dass nicht alle Betroffenen Symptome entwickeln, aber den bakteriellen Keim durchaus weitergeben können. Chlamydien können bei Männern und Frauen zur Unfruchtbarkeit führen. Gründe dafür sind Vernarbungen beider Nebenhodengänge (Männer) oder Verschlüsse und Verklebungen der Eileiter (Frauen).

med. Redaktion Dr. med. Werner Kellner
Aktualisierung 20.04.2008


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