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Metabolisches Syndrom

Das metabolische Syndrom wird auch als Wohlstandssyndrom oder tödliches Quartet bezeichnet. Es handelt sich um eine bestimmte Stoffwechselkonstellation. Dazu gehören eine bauchbetonte Adipositas (Fettsucht), Fettstoffwechselstörungen (erhöhte Blutfettwerte), Bluthochdruck und eine Zuckerstoffwechselstörung (erst Insulinresistenz, dann Diabetes Typ II). Alle vier Symptome sind kardiovaskuläre (das Herz und die Blutgefäße betreffende) Risikofaktoren.

Eine einheitliche Definition für das metabolische Syndrom gibt es noch nicht. Die Klassifikation orientiert sich an der Insulinresistenz (WHO-Klassifikation) oder dem Lebensstil (NCEP-ATP-III = National Cholesterol Education Program). Begünstigt wird diese Stoffwechselkonstellation durch eine Lebensweise, die sich durch Überernährung und körperliche Inaktivität auszeichnet.

Evolutionshistorisch hatten Menschen mit einem metabolischen Syndrom bei harter körperlicher Arbeit und knappen Nahrungsangebot einen gewissen Selektions- oder Überlebensvorteil. Jedoch haben sich die Lebensumstände in der modernen Zivilisation geändert, die genetische Prägung aber nicht.

Es wird angenommen, dass bereits 20-30% (wenn nicht mehr) der Mitteleuropäer ein metabolisches Syndrom aufweisen. Dabei sind beide Geschlechter gleich häufig betroffen. Die Tendenz ist steigend. Ebenso steigt die Anzahl der Folgeerkrankungen des metabolischen Syndroms, wie Diabetes Typ II und arteriosklerotische Erkrankungen (Herzinfarkt, Schlaganfall, usw.).

Wie kann eine Diagnosestellung erfolgen?

Ein metabolisches Syndrom liegt vor, wenn drei der nachstehenden Kriterien erfüllt sind (Definition nach NCEP-ATP-III):
  • Der Taillenumfang liegt bei Männern über 102 cm oder bei Frauen über 88 cm. Gemessen wird damit das so genannte abdominelle Fett, also Fett das sich im Bauchraum oder um die inneren Organe anlagert. Es wird häufig auch als reaktives Bauchfett bezeichnet. Es ist sehr stoffwechselaktiv und beeinflusst den Zucker- und Fettstoffwechsel. Es stellt einen der Risikofaktoren für Diabetes Typ II und Fettstoffwechselstörungen.
  • Blutfettwerte: Serumtriglyzeride von über 150 mg/dL;
  • Blutfettwerte: HDL (high density Lipoprotein) von unter 40 mg/dL bei Männern und < 50 mg/dL bei Frauen); Anhaltspunkt Gesamtcholesterin von über 230 mg/dL.
  • Blutdruck von über 135/85 mmHg.
  • Vorliegen eines Typ II Diabetes oder Nüchternblutzucker von über 110 mg/dL (besser ist der orale Glucose-Toleranztest = OGTT).
Wie wirkt sich das metabolische Syndrom aus - Zusammenhänge?

Alle vier Faktoren treten selten einzeln auf. Jeder für sich ist ein Risikofaktor für das Auftreten der koronaren Herzkrankheit, etwa kumulative Effekte rücken erst neuerdings ins Visier von Untersuchungen. Eine besondere Rolle des metabolischen Syndroms spielt die Insulinresistenz. Insulin, ein Hormon, welches in den Inselzellen der Bauchspeicheldrüse gebildet wird, ist für die Aufnahme von Zucker (Glukose) in die Zellen verantwortlich und bewirkt somit eine Senkung des Blutzuckerspiegels. Wird häufig zu üppig gegessen, ist der Blutzuckerspiegel auch häufig hoch. Die hohe Glukosekonzentration im Blut lässt den Insulinspiegel steigen. Dies bedingt eine Reduzierung der Insulinrezeptoren an den Körperzellen, sie reagieren weniger empfindlich auf Insulin (Insulinresistenz).

Die Bauchspeicheldrüse schüttet eigentlich genügend Insulin aus, jedoch reicht die Menge nicht mehr aus, um den Blutzuckerspiegel zu senken. Es besteht ein "relativer Insulinmangel". Die Bauchspeicheldrüse reagiert mit einer starken Erhöhung der Insulinproduktion. Mit der Zeit werden die Inselzellen der Bauchspeicheldrüse so übermäßig belastet, dass sie zu Grunde gehen. Es entwickelt sich ein Diabetes mellitus vom Typ II, der allerdings erst Jahre nach Bestehen eines metabolischen Syndroms auftritt.

Es besteht auch ein Zusammenhang zwischen Insulin und dem Fettstoffwechsel. So sorgt das Insulin dafür, dass in den Fettzellen Enzyme aktiviert werden, die Glukose in Fett umwandeln, auf der anderen Seite hemmt es den Abbau von Fett. Hohe Insulinspiegel fördern also die Bildung von Fettpolstern. Erhöhte Blutfettwerte können auch über eine Reduktion der Fettaufnahme reguliert werden. Fette sollten nicht mehr als 15% aller aufgenommen Nahrungsmittel betragen. Sind genetische Störungen die Ursache der erhöhten Blutfettwerte, so können Medikamente dem entgegenwirken. Durch eine konsequente Reduktion der Fettaufnahme kann der Entstehung eines Diabetes vom Typ II vorgebeugt werden.

Die erhöhten Blutfettwerte begünstigen Ablagerungen in den Gefäßen. Durch die Ablagerungen werden die Arteriolen (kleine Blutgefäße) immer unelastischer, das heißt, sie können sich nicht mehr so einfach eng und weit stellen und verlieren dadurch ihre Fähigkeit der Blutdruckregulierung.

Wie kann dem metabolischen Syndrom entgegengewirkt werden?

Da das metabolische Syndrom der Ausgangspunkt vieler schwerer Erkrankungen ist, muss rechtzeitig mit Gegenmaßnahmen begonnen werden. Eine radikale Umstellung der Lebensführung und eventuell medikamentöse Maßnahmen sind dafür nötig. Um eine Reduktion des Gewichts zu erreichen sind mehrere Maßnahmen hilfreich. Wichtig ist sportliche Betätigung (Ausdauersport von 1 Stunde täglich wäre optimal), die Nahrungsfette müssen reduziert werden, eventuell müssen Medikamente bei Fettstoffwechselstörungen genommen werden.

Um den Insulinpegel optimal einzustellen, sollte langsam wirkenden Kohlenhydraten (= bsp. Vollkornbrot) der Vorzug gegeben werden. Gleichzeitig kann die Sensibilität der insulinsensitiven Körperzellen für Insulin durch Medikamente (bsp. Pioglitazon, Rosiglitazon, Sulfonylharnstoffe, Metformin) gesteigert werden (Achtung ev. Leberschäden!).


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