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Magersucht

Die Magersucht, auch Anorexia nervosa oder Anorexia mentalis, ist eine psychogene Essstörung mit beabsichtigtem, selbst herbeigeführtem Gewichtsverlust. Betroffen sind vor allem junge Frauen aus westlichen Industrieländern. Der Altersgipfel liegt zwischen dem 10. und 25. Lebensjahr.

Was sind die Ursachen der Magersucht?

Die genauen Gründe für die Erkrankung sind noch immer nicht geklärt. Wahrscheinlich wirken bei der Entstehung der Krankheit mehrere Faktoren zusammen (Bio-Psycho-Soziales-Krankheitsmodell).

Mögliche Auslöser und Risikofaktoren sind:
  • belastende Ereignisse (beispielsweise Vergewaltigung),
  • Fastenkuren und Diäten,
  • unser derzeit herrschendes Schönheitsideal. Gertenschlanke Menschen gelten in sozialen Beziehungen und im Beruf als erfolgreich. An ihnen orientieren sich Jugendliche, wenn sie sich in der Pubertät von der Familie ablösen und versuchen, ihre eigene Identität zu finden.
  • das Streben nach Kontrolle über den Körper; durch die reglementierte Nahrungsaufnahme können die Betroffenen ihren Körper beherrschen und bekommen ein Gefühl der Selbstkontrolle.
  • gestörtes Körperempfinden; magersüchtige Mädchen haben zu ihrem Körper oft ein gestörtes Verhältnis. Sie nehmen ihn nicht so wahr wie er ist. Unbewusst versuchen sie sich durch extremes Hungern von der Mutter und dem Frausein abzugrenzen. Weibliche Formen, wie Hüften, Busen, Po oder Schenkel, entwickeln sich bei Magersucht nicht. Die Menstruation bleibt aus.
  • das Streben nach Autonomie und Abgrenzung.
Wie macht sich Magersucht bemerkbar?

Die Erkrankten haben ein Körpergewicht, welches mehr als 15 Prozent unter dem alters- und größenspezifischen Minimum liegt (bzw. Body-mass-index <= 17,5 kg/m2). Die Nahrungsvermeidung kann sogar zu einer Kachexie (Lebensgefahr!) führen.

Die Anorexie-Patienten zeichnen sich durch typische Verhaltensweisen aus:
  • Die tatsächliche Essensmenge wird verschleiert. Es werden nur ein paar Bissen genommen und dann behauptet, man habe schon vorher gegessen.
  • Kalorien werden zwanghaft ausgezählt und berechnet. Geist und Psyche konzentrieren sich völlig auf das Essen und die Frage, wie man Kalorien oder Nahrung einsparen kann.
  • Manchmal ist die Sucht auch durch übermäßige sportliche Aktivitäten (beispielsweise dem Laufen von Marathonstrecken) gekennzeichnet.
  • Die Anorexie-Patienten greifen auch zu Abführmitteln und Appetitzüglern.
  • Die Eigenwahrnehmung der Patienten ist gestört. Obwohl die Betroffenen bereits extrem dünn sind, empfinden sie sich als dick. Die abgemagerte Figur wird durch weite Kleidung kaschiert.
  • Viele Erkrankten erleben auch so genannte "Triebdurchbrüche“. Sie schlingen dann plötzlich Unmengen an Essen ohne jede Kontrolle in sich hinein. Oft versuchen sie dann, sich des Essens mittels Erbrechen wieder zu entledigen. Hier liegt für viele Magersüchtige der Übergang zu einer weiteren psychogenen Essstörung – der Bulimie.
  • Die Magersüchtigen verlieren auch oft ihre sozialen Kontakte, ziehen sich zurück und leben sehr isoliert.
Was sind die möglichen Folgen und Komplikationen einer Magersucht?

Magersüchtige müssen unbedingt in ärztliche Behandlung, da die Anorexie lebensbedrohlich werden und zu irreversiblen körperlichen Schäden führen kann.

Die Folgen der starken Abmagerung können sein:
  • Verlangsamung des Stoffwechsels und der hormonellen Kreisläufe. Der Eisprung, die Menstruation und die Brustentwicklung bleiben aus. Das Wachstum unterbleibt.
  • Extreme Abmagerung und Austrocknung mit Schwächung des gesamten Körpers . -> Schäden am Herzen und den Nieren, Ödembildung, Entkalkung der Knochen (Osteoporose).
  • Psychotische Zustände, wenn selbst das Gehirn nicht mehr mit Nährstoffen versorgt wird.
  • 5 bis 10 Prozent aller Magersüchtigen sterben im Verlauf ihrer Erkrankung. Circa 20 Prozent bleiben gefährdet, das heißt sie pendeln zwischen Klinikaufenthalten, künstlicher Ernährung und Phasen eines normalen Lebens hin und her. 30 Prozent der Magersüchtigen haben ihr Leben lang Essprobleme, jedoch sind sie nicht so gravierend, dass sie in die Klinik müssen. Bei den übrigen Betroffenen verschwindet die Magersucht für immer.
Wie erfolgt die Behandlung der Magersucht?

Magersüchtige in einem kritischen gesundheitlichen Zustand werden fast immer in einer Klinik behandelt. Ihr Gewicht wird dort durch künstliche Ernährung stabilisiert. Bereits in der Klinik sollte mit einer Psychotherapie begonnen werden. Oft ist eine mehrmonatige stationäre Behandlung in einer psychosomatischen Klinik oder in einer Spezialklinik für Essstörungen nötig. Im Anschluss daran wird die Psychotherapie noch über ein bis zwei Jahre fortgeführt. Viele Anorexie-Patienten werden aber auch nur ambulant betreut. Die körperliche Verfassung wird regelmäßig kontrolliert. Die Psychotherapie oder Gesprächsgruppen für Personen mit Essstörungen können helfen, den Weg aus der Krankheit zu finden.


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