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Laktoseintoleranz (engl. lactose intolerance)

Laktoseintoleranz oder Milchzucker-Unverträglichkeit ist die angeborene oder erworbene Unfähigkeit, Milchzucker (Laktose) abzubauen oder zu resorbieren. Die Laktoseintoleranz führt zu typischen Verdauungsproblemen (Völlegefühl, Durchfällen, Bauchschmerzen und Flatulenzen), wenn Milch oder Milchprodukte getrunken oder gegessen werden.

Die Laktoseintoleranz ist in der Gesamtbevölkerung unterschiedlich stark ausgeprägt. In Deutschland und in anderen industrialisierten Ländern geht man von einer Intoleranzquote von schätzungsweise 15 bis 20% aus. Die genetisch bedingte Form der Laktoseintoleranz betrifft jedoch bis zu 90% der Asiaten, 70% der Afroamerikaner und 25% der Kaukasier.

Wie funktioniert die Verdauung von Milchzucker?

Milchzucker (Laktose) kommt in allen Milchsorten (bsp. Kuhmilch, humane Milch, Ziegen- und Schafsmilch) vor. Der Milchzucker ist ein so genannter Zweifachzucker. Er besteht aus Glukose und Galaktose. Damit Laktose verdaut werden kann, muss sie in ihre Bestandteile aufgespalten werden, die dann ins Blut aufgenommen werden können. Das dazu benötigte Enzym – die Laktase – befindet sich im Bürstensaum der Dünndarmschleimhaut. Vor allem Säuglinge benötigen sehr große Mengen an Laktase, da ihre Nahrung häufig ausschließlich aus Milch besteht. Mit der Nahrungsumstellung nimmt dann die Laktasemenge ab. Aber auch Erwachsene haben noch das Enzym, um die aufgenommene Milch zu verdauen.

Was sind die Ursachen der Laktoseintoleranz?

Ist zu wenig oder gar keine Laktase vorhanden, um den Milchzucker in seine Bestandteile zu spalten, so wird die Laktose nur unvollständig oder gar nicht verdaut.

Die Laktoseintoleranz tritt in drei Formen auf. Es wird in eine erbliche (primäre), erworbene (sekundäre) und angeborene komplette Laktoseintoleranz unterschieden.

Die weitaus häufigste Form ist genetisch (erblich) bedingt. Die Aktivität der Laktase verringert sich mit zunehmendem Lebensalter. Ist die Laktaseproduktion im Kindesalter oft noch hoch genug, um den Milchzucker ausreichend zu verdauen, so nimmt die Enzymaktivität im Laufe des Lebens so stark ab, dass der Verzehr von Milch Probleme bereitet.

Der erworbene oder sekundäre Laktasemangel ist nicht genetisch bedingt. Auslöser sind hier häufig Magen-Darm-Infektionen, Zöliakie, Morbus Crohn, Operationen sowie Therapien mit Antibiotika oder Zytostatika. Vor allem bei Kindern führt eine Schädigung der Dünndarmschleimhaut nach Magen-Darm-Infekten zu einer vorübergehenden Laktoseintoleranz. Die erworbene Laktoseintoleranz ist prinzipiell reversibel, das heißt, wenn die ursächliche Krankheit beseitigt ist, kann sich die Darmschleimhaut wieder regenerieren und die Enzymproduktion normalisieren. Sehr selten ist die angeborene komplette Laktasemangel, die so genannte Alaktasie. Dabei handelt es sich um einen angeborenen Enzymdefekt, der weitervererbt wird. Bereits die Säuglinge leiden unter einem völligen Laktasemangel. Die Beschwerden zeigen sich schon in den ersten Lebenswochen. Eine lebenslange laktosefreie Diät muss eingehalten werden, damit keine Gehirnschädigungen auftreten.

Wie macht sich die Laktoseintoleranz bemerkbar?

Die Beschwerden treten direkt nach oder einige Stunden nach dem Verzehr von Milch oder Milchprodukten (Eis, Sahne, Käse) auf. Da die unverdaute Laktose im Darm Wasser bindet, kommt es zu Durchfällen. Im Dickdarm wird der Zucker von Bakterien in Milchsäure und Gase umgebaut, was zu Blähungen und Koliken führen kann. Die Symptome können mehr oder weniger stark ausgeprägt sein. Die Heftigkeit der Beschwerden hängt auch von der aufgenommenen Menge an Laktose und dem Ausmaß des Enzymmangels ab.

Wie erfolgt die Diagnose der Laktoseintoleranz?

Erste Hinweise auf die Unverträglichkeit gibt die Selbstbeobachtung. Trinkt man auf nüchternen Magen ein Glas Milch und treten die typischen Beschwerden auf, so ist dies ein starkes Indiz für die Laktoseintoleranz. Treten die Beschwerden nach dem erstmaligen Genuss von laktosehaltigen Lebensmitteln nach einer laktosefreien Diät auf, so ist dies ein weiteres Zeichen für eine Milchzucker-Unverträglichkeit. Die gesicherte Diagnose stützt sich auf den so genannten Laktosetoleranztest, der oft noch mit dem H2-Atemtest kombiniert wird. Dabei muss der Patient 50 Milligramm Laktose trinken. Steigt daraufhin der Blutzuckerspiegel nur gering oder gar nicht an, so muss von einer Laktoseintoleranz ausgegangen werden. Häufig sind auch Symptome wie Blähungen und Durchfall zu beobachten. Der Wasserstoff (H2)-Atemtest beruht darauf, dass die nicht verdaute Laktose von Bakterien im Darm zu Milchsäure und Wasserstoff abgebaut wird. Der Betroffene atmet in verstärktem Maße Wasserstoff (H2) ab. Dies kann in der Atemluft gemessen werden.

Wie wird die Laktoseintoleranz behandelt?

Eine ursächliche Therapie der Laktoseintoleranz ist nicht möglich. Eine laktosefreie oder laktosearme Ernährung führt zur Beschwerdefreiheit. Eine Beratung durch einen Diätassistenten ist dabei zu empfehlen. Er kann auf versteckte Laktosequellen (Medikamente, Wurst, Schokolade) hinweisen und einen Plan erarbeiten, wie man trotz laktosearmer Ernährung die wichtigen Bestandteile aus Milch und Milchprodukten ersetzt.

Die individuelle Unverträglichkeit muss auch von jedem selbst ausgetestet werden. Viele vertragen durchaus geringe Mengen an Milch (eine Tasse pro Tag), andere bekommen bereits Durchfall, wenn sie sehr wenig Laktose zu sich nehmen. Viele Milchprodukte wie Joghurt oder Quark enthalten auch nur wenig Laktose und werden daher oft gut vertragen.

Bei einem leichten Laktasemangel kann beispielsweise auf Sojamilch (enthält keine Laktose) umgestiegen werden und die "Laktase" in Medikamentenform eingenommen werden.


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