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Osteomyelitis - Knochenmarkentzündung

Die Entzündung des Knochenmarks wird im medizinischen Fachjargon auch als Osteomyelitis bezeichnet. In der Regel stellt sie die Folge einer Bakterien- oder Pilzinfektion einer anderen Körperregion dar, die sich auf den Knochen ausdehnt. Ursache kann beispielsweise ein Furunkel oder eine Ohreninfektion sein. Die Knochenmarkentzündung ist aber auch eine gefürchtete Komplikation bei offenen Knochenbrüchen.

Bei einer akuten Osteomyelitis leidet der Patient unter den Symptomen einer schweren Allgemeininfektion, wie Fieber und Schüttelfrost. Weitere Krankheitszeichen sind Schmerzen sowie Schwellung und Überwärmung des betroffenen Körperteils.

Die Osteomyelitis tritt am häufigsten bei Kindern und alten Menschen auf. Männer sind etwas häufiger betroffen als Frauen. Bei Kindern sind meist die langen Röhrenknochen betroffen, bei Erwachsenen die Wirbel und das Becken.

Aufbau des Knochens

Knochen sind aus mehreren Schichten aufgebaut. Die Äußerste ist die Knochenhaut oder das Periost. Sie dient der Knochenneubildung und der Versorgung des Knochens. Eine Entzündung dieser Schicht tritt oft gemeinsam mit einer Knochenmarkentzündung auf. Unter der Knochenhaut liegt die massive Randschicht, die lamellenartige Kompakta. Daran schließt sich die schwammartige Spongiosa an. Zwischen ihren Bälkchen befindet sich das rote Knochenmark, das der Blutbildung dient. Fetthaltiges gelbes Knochenmark füllt die Markhöhle.

Ursachen

Im Wesentlichen gibt es drei Wege, auf denen es zu einer Infektion des Knochenmarks kommen kann:
  • Die Erreger - meist Staphylokokken, Pneumokokken oder Streptokokken - streuen über das Blut aus anderen Infektionsquellen in das Knochengewebe. Primäre Infektionsherde können dabei eine Mandel- oder Ohrenentzündung, Abszesse im Zahn- und Kieferbereich sowie entzündliche Hautprozesse sein. Speziell bei Säuglingen kommen eine Nabelschnurinfektion, die Grindflechte (Impetigo) oder untypisch verlaufende Lungenentzündungen in Frage.
  • Die Erreger können auch von außen in das Knochenmarkgewebe eindringen. Dies kann beispielsweise bei einem offenen Knochenbruch oder einer Knochenoperation der Fall sein. Ein gewisses Risiko birgt zum Beispiel das Einbringen eines künstlichen Hüftgelenks. Prinzipiell kann jeder in den Knochen eingesetzte Gegenstand eine Infektion auslösen.
  • Eine Infektion kann auch über angrenzende Weichteile oder andere Knochen und Knochenbestandteile (bsp. Knochenhaut) auf das Knochenmark übergreifen. So kann sich beispielsweise eine Infektion des Weichteilgewebes um den Knochen innerhalb von Tagen oder Wochen auf den Knochen ausdehnen. Betroffen von dieser Infektionsart sind vor allem ältere Menschen. Der infektiöse Prozess fängt für gewöhnlich an einer Stelle an, an der das Gewebe durch eine Verletzung, Bestrahlung oder durch Krebs in Mitleidenschaft gezogen ist. Ein weiterer Infektionsherd kann ein Hautgeschwür sein, welches durch einen Diabetes mellitus oder schlechte Durchblutung entstanden ist. Infektionen, die sich in den Nasennebenhöhlen festgesetzt haben oder die Zähne und das Zahnfleisch betreffen, können sich auf den Schädelknochen ausdehnen.
Zu den spezifischen Formen der Knochenmarkentzündung zählen die syphilitische und die tuberkulöse Osteomyelitis. Auslöser ist dann beispielsweise Mycobacterium tuberculosis, der Tuberkulose-Erreger. Betroffen sind in diesem Fall besonders die Wirbelknochen.

Symptome

Akute Infektionen der Arm- und Beinknochen verursachen Fieber und meist etwas zeitverzögert Schmerzen im infizierten Knochen. Das Gewebe über dem Knochen kann berührungsempfindlich, warm und geschwollen sein. Bewegungen werden als schmerzhaft empfunden.

Bei Entzündungen im Wirbelbereich entwickeln sich die Rückenschmerzen langsam, jedoch bleiben sie hartnäckig bestehen. Der Schmerz verschlimmert sich durch Bewegung und ist durch Wärme, Ruhe und Schmerzmittel oft nicht beeinflussbar. Fieber fehlt häufig.

Bei Knochenentzündungen, die durch das direkte Eindringen der Erreger in den Knochen oder durch Übergreifen einer Weichteilinfektion entstehen, bilden sich Schwellungen und es bestehen Schmerzen im Gewebe über dem Knochen. In der Umgebung des Infektionsherdes können sich Abszesse und Fisteln bilden. Das Fieber kann ausbleiben, das Blutbild kann unauffällig sein.

Patienten mit einer Entzündung im Bereich eine Prothese leiden unter Dauerschmerzen in diesem Bereich. Folge einer nicht ausreichend behandelten Knochenentzündung kann die Chronifizierung der Erkrankung sein. Dabei stirbt Knochengewebe ab. Diese chronische Knochenmarkentzündung verläuft entweder sehr lange Zeit symptomlos oder sie macht sich durch Schmerzen, wiederkehrende Entzündungen des umgebenden Gewebes oder durch immer wieder kehrende Eiterabsonderungen durch die Haut bemerkbar. Dabei entsteht eine Fistel vom Knochen zur Haut, durch die sich der Eiter entleert.

Diagnose

Erste Hinweise auf die Erkrankung können die Symptome und die Ergebnisse der körperlichen Untersuchung nahe legen. Dies ist beispielsweise der Fall, wenn ein Patient unter ständigen Knochenschmerzen mit und ohne Fieber leidet und dauernd Müdigkeit verspürt. Blutuntersuchungen zeigen meist eindeutig Entzündungszeichen, wie eine eindeutige Erhöhung der Anzahl der weißen Blutkörperchen und des C-reaktiven Proteins sowie eine erhöhte Blutsenkungsgeschwindigkeit.

Mit verschiedenen bildgebenden Verfahren (Röntgen, Knochenszintigramm, CT) lässt sich der Ort der Entzündung meist lokalisieren, wenn auch erst eine gewisse Zeit nach Auftreten der Beschwerden. Zur genauen Diagnose und der Identifizierung des auslösenden Erregers werden Proben von Eiter, Gelenkflüssigkeit oder Knochengewebe entnommen und im Labor weiter untersucht.

Behandlung

Die Behandlung erfolgt mit Antibiotika, die über einen Zeitraum von vier- bis sechs Wochen verabreicht werden. Anfänglich wird dabei oft mit Infusionen, die das Antibiotikum in hohen Dosen enthalten, therapiert. Manche Patienten müssen über diesen Zeitraum hinaus behandelt werden. Hat sich ein Abszess gebildet, so muss dieser operativ entfernt werden.

Verursacht ein Pilz die Entzündung, so muss der Patient über mehrere Wochen ein Antimykotikum (Antipilzmittel) einnehmen. Ist bereits Knochengewebe abgestorben, so wird dieses operativ entfernt und durch ein Knochentransplantat oder anderes Gewebe ersetzt. Dann wird die Entzündung mit Antibiotika behandelt. Manchmal ist es nötig, zu amputieren.

Geht die Entzündung von einem künstlichen Gelenk aus, so wird dieses in der Regel entfernt. Bereits eine Zeit lang vor der geplanten Operation wird mit Antibiotika behandelt, um ein Neues einsetzen zu können.

Prophylaxe und Prognose

Bei Patienten mit künstlichen Gelenken oder auch anderen Implantaten kann das Infektionsrisiko durch Bakterien, die im Hals-, Nasen- oder Mundbereich oder anderen Körperregionen vorkommen, erhöht sein. Vor Operationen (auch operativen Zahneingriffen) erhalten sie daher vorbeugend Antibiotika. Die beste Prognose hat eine Knochenmarkentzündung, wenn sie früh erkannt und ausreichend und konsequent behandelt wird. Bei den chronischen Formen der Erkrankung kann sich der Heilungsprozess über Jahre hinziehen, eventuell ist sogar die Amputation eines Körpergliedes nötig.

med. Redaktion Dr. med. Werner Kellner
Aktualisierung 20.04.2008


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