Gesundheit Lexikon
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Hysterie (engl. hysteria)

Bei der Hysterie handelt es sich um ein psychisch bedingtes Leiden. Aus dem Begriff Hysterie entwickelte sich das Krankheitsbild der histrionischen Persönlichkeitsstörung (lat. histrio = Schauspieler). Drei Arten von Krankheitssymptomen können sich gleichzeitig bei Patienten mit einer histrionischen Persönlichkeitsstörung finden:
  • Konversionsstörungen: hier zeigen sich vielfältige körperliche Störungen, die jedoch keine organischen Grundlagen haben. Es können Gehstörungen, Ausfälle von Sinnesorganen (Blindheit, Taubheit), Lähmungen, Gleichgewichts- und Sprechstörungen sein.
  • Dissoziative Störungen: hierunter fallen Amnesien (Erinnerungslücken) für seelisch verletzende oder belastende Ereignisse und psychogene Dämmerzustände.
  • Histrionische Persönlichkeitsstörungen: Damit sind folgende Charakterzüge und Verhaltensweisen gemeint: Übertreibungen, theatralisches Verhalten, labile Stimmungslagen, dauerndes Verlangen nach Anerkennung und der Wunsch, stets im Mittelpunkt zu stehen, gesteigerte Beeinflussbarkeit, Tendenz zur Dramatisierung und übermäßiges Interesse an körperlicher Attraktivität und labile Stimmungslagen.
Hysterische Krankheitsbilder lassen sich in den westlichen Industrienationen nur noch selten beobachten. Dennoch wird von einem Anteil von 2 bis 3% ausgegangen. Während früher lediglich Frauen dieses Krankheitsbild zugeschrieben wurde, nimmt man heute an, dass die Geschlechtsverteilung ausgeglichen ist.

Wann spricht man von einer histrionischen Persönlichkeitsstörung?

Um die Diagnose stellen zu können, müssen mindestens vier der folgenden Eigenschaften und Verhaltensweisen auf die Person zutreffen:
  • Theatralisches Auftreten, dramatische Selbstdarstellung oder übertriebene Gefühle (bsp. Weinkrämpfe bei banalen Anlässen);
  • Leichte Beeinflussbarkeit durch Ereignisse oder andere Menschen;
  • Ständiges Verlangen nach besonderen Erlebnissen oder Aktivitäten, bei denen die Betroffenen im Mittelpunkt stehen;
  • Übermäßige Beschäftigung damit, körperlich attraktiv zu erscheinen,
  • Verhaltensweisen und äußerliche Aufmachung, welche unangemessen verführerisch erscheinen,
  • Oberflächliche, labile Affekte (=Zustand starker emotionaler Erregung)
Wie stellt sich die hysterische Persönlichkeitsstörung dar?

Es ergeben sich vielfältige Probleme in der Partnerschaft, der Familie, dem Arbeitsplatz und im Freundeskreis.

Bemängelt wird an den Betroffenen die Unfähigkeit zu emotionaler Tiefe im zwischenmenschlichen und vor allem im sexuellen Bereich. Einerseits wird versucht, durch emotionale Manipulation oder Verführung die Mitmenschen zu kontrollieren, andererseits sehen sich die Betroffenen gerne in der Opferrolle. Gleichgeschlechtliche Freunde, Bekannte und Arbeitskollegen fühlen sich daher häufig in ihrer eigenen Position angegriffen (eigene Beziehung oder berufliche Position) und meiden den Betreffenden.

Der Umgang mit den Betroffenen ermüdet sehr rasch, da sie eine ständige Gier nach Anerkennung und Aufmerksamkeit haben. Werden sie nicht mehr ausreichend beachtet, so reagieren sie schnell beleidigt, deprimiert und sind nicht selten gereizt oder aggressiv. Eine gefährliche Variante, um die Aufmerksamkeit anderer zu erregen, ist die Androhung sich selbst zu töten oder dieses Vorhaben auch auszuführen.

Menschen mit hysterischer Persönlichkeitsstruktur sind permanent auf der Suche nach Aufregung und Neuigkeiten. Alltägliches wird schnell als langweilig empfunden. Alte Freundschaften werden häufig vernachlässigt, neue oberflächliche geschlossen. Neue Projekte können sie mit großer Begeisterung angehen, jedoch fehlt ihnen der lange Atem, um sie durchzuziehen.

Der hysterische Charakter ist häufig kombiniert mit depressiven Verstimmungen, Angststörungen und Konversionsstörungen. Mit letzteren sind die seelisch bedingten Lähmungen, Schwächeanfälle und Ausfälle von Sinnesorganen gemeint

Welche Therapieansätze können bei der histrionischen Persönlichkeitsstörung angeboten werden?

Eine Einzel- und Gruppenpsychotherapie hat folgende Ziele:
  • Erhöhung der geringen Enttäuschungs- und Frustrationstoleranz.
  • Konflikte der Patienten müssen individuell erkannt und die unbewussten Verarbeitungsweisen verdeutlicht werden.
  • Das Selbstwertgefühl sollte gefestigt und die Autonomie stabilisiert werden.
  • Ziel ist es, eine höhere Lebenszufriedenheit zu erreichen.
Je nach Persönlichkeitsstruktur können auch tiefenpsychologische Verfahren zur Anwendung kommen.


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