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Gebärmutterkrebs - Korpuskarzinom, Endometriumkarzinom, Carcinoma corporis uteri

Gebärmutterkrebs ist ein bösartiger Tumor des Gebärmutterkörpers (= Korpus). Der Krebs hat seinen Ursprung in der Gebärmutterschleimhaut, die medizinisch als Endometrium bezeichnet wird. Davon leitet sich der Name Endometriumkarzinom ab.

Der Gebärmutterkrebs betrifft hauptsächlich Frauen, welche die Wechseljahre schon hinter sich haben. Bei jüngeren Patientinnen steht er meistens im Zusammenhang mit einem polyzystischen Ovarsyndrom.

Das Korpuskarzinom stellt den häufigsten gynäkologischen Krebs dar. Schätzungen zu Folge erkranken jährlich 11 300 Frauen an dieser Tumorform.

Anatomie

Die Gebärmutter oder der Uterus zählt zu den inneren Geschlechtsorganen. Sie liegt im kleinen Becken der Frau, zwischen Harnblase und Enddarm. Das muskulöse Hohlorgan ist birnenförmig, 7 - 9 Zentimeter groß und etwa 50 - 60 Gramm schwer. Das Organ besteht aus zwei Arealen: dem Gebärmutterkörper mit der Gebärmutterhöhle und dem Gebärmutterhals mit dem Gebärmuttermund. Letztere ragen in die Scheide hinein.

Der Gebärmutterkörper ist der obere, breitere Teil der Gebärmutter. Er besteht hauptsächlich aus einer dicken Muskelschicht, die außen von einer Bindegewebshülle umgeben ist. Innen zur Gebärmutterhöhle hin, ist der Gebärmutterkörper mit einer Schleimhautschicht, dem Endometrium, ausgekleidet. Das Endometrium wird hormonabhängig während des Zyklus aufgebaut. Nistet sich keine befruchtete Eizelle ein, so werden die obersten Schichten abgestoßen und es kommt zur Menstruation oder Monatsblutung.

Ursachen und Risikofaktoren

Diese Krebsform steht in engen Zusammenhang mit dem Hormon Östrogen. Es fördert das Gewebewachstum und eine rasche Zellteilung in der Gebärmutterschleimhaut. Viele der folgenden Faktoren erhöhen das Erkrankungsrisiko, weil sie den Östrogenspiegel erhöhen, aber nicht den Progesteronspiegel. Das Hormon Progesteron unterbricht letztendlich die teilungsfördernde Wirkung des Östrogens auf die Gebärmutterschleimhaut und führt zur Menstruation. Zu den Risikofaktoren zählen:
  • Erhebliches Übergewicht, da hier je nach Menge des Fettes viel Östrogen gebildet wird.
  • Frühes Einsetzen der Menstruation und/oder spätes Einsetzen der Wechseljahre: In diesem Fall hat die Frau viele Menstruationen erlebt und war sehr oft einem hohen Östrogenspiegel ausgesetzt, da dieser Hormonspiegel in bestimmten Phasen des Zyklus hoch ist.
  • Keine oder wenige Geburt(en): Auch hier spielt die Gesamtzeit der Östrogenwirkung auf die Gebärmutterschleimhaut eine Rolle.
  • Behandlung mit Tamoxifen (Antiöstrogene, Aromatasehemmer): Diese Medikamente werden bei der Brustkrebsbehandlung eingesetzt. In der Brust hemmen sie die Östrogenwirkung, die Gebärmutterschleimhaut regen sie zu Teilungen an. Allerdings überwiegt bei der Brustkrebsbehandlung der antiöstrogene Effekt in der Brust. Patientinnen, die entsprechende Medikamente einnehmen, sollten sich daher regelmäßig gynäkologisch untersuchen lassen.
  • Östrogenbehandlungen ohne Gestagenzusatz: Bei einer Hormonersatztherapie in den Wechseljahren wurden früher nur Östrogene gegeben. Heutzutage ist eine Kombinationstherapie mit Gestagenen üblich.
  • Genetische Veranlagung: Die Neigung an Gebärmutterkrebs zu erkranken, kann erblich sein. In diesem Fall sind nahe Verwandte, wie Schwestern oder die Mutter, ebenfalls erkrankt. Ein erhöhtes Risiko besteht auch, wenn die Patientin bereits an Dickdarm- oder Brustkrebs leidet.
  • Bestrahlungstherapie: Nach einer Strahlenbehandlung im Bereich des Unterleibs oder des Bauchraumes erhöht sich ebenfalls das Risiko, an dem Korpuskarzinom zu erkranken.

Symptome

Ungewöhnliche Blutungen aus der Scheide sind die häufigsten Frühsymptome dieser Krebsart. Dazu zählen:
  • Blutungen nach den Wechseljahren;
  • außergewöhnlich starke oder ungewöhnlich lange Monatsblutungen ab dem 35. Lebensjahr;
  • Zwischenblutungen (bei Frauen ab dem 35. Lebensjahr);
  • wässriger Ausfluss mit Blutbeimengungen außerhalb der Menstruation;
Weitere Symptome sind gelegentliche wehenartige Schmerzen im Unterleib oder unerklärlicher Gewichtsverlust. Bei einer Ausdehnung des Tumors oder dem Übergreifen auf die Nachbarorgane kann es auch zu Beschwerden beim Wasserlassen oder unregelmäßigem Stuhlgang kommen.

Diagnose

Bei Verdacht auf Gebärmutterkrebs (typische Beschwerden, auffälliger Pap-Test) werden eine Reihe von Untersuchungen durchgeführt. Mit ihrer Hilfe kann abgeklärt werden, ob es sich tatsächlich um Krebs handelt, wie weit dieser fortgeschritten ist und welche Tumorart vorliegt (bsp. Adenokarzinom, Sarkom). Zunächst erfolgt eine Tastuntersuchung. Mithilfe eines Vaginalultraschalls wird die Gebärmutterschleimhaut beurteilt. Verdächtiges Gewebe, das mikroskopisch untersucht werden kann, wird bei einer Spiegelung der Gebärmutter gewonnen. Meist erfolgt auch eine Ausschabung der Gebärmutterschleimhaut.

Entscheidend für die Diagnosestellung ist die feingewebliche, mikroskopische Untersuchung von verdächtigem Schleimhautgewebe.

Besteht eine Krebserkrankung der Gebärmutterschleimhaut, so wird mit einem oder mehreren Verfahren geprüft, ob sich der Krebs über die Gebärmutter hinaus ausgedehnt hat. Mögliche Untersuchungen sind: Blutuntersuchungen, Leberfunktionstest, Blasen- und Darmspiegelung, Ultraschall der Nieren und Harnleiter, Computer- und Magnetresonanztomografie sowie Röntgenuntersuchungen.

Anhand der ermittelten Befunde erfolgt die Einteilung des Tumors in die einzelnen Stadien. Daran orientiert sich das Vorgehen bei der Behandlung.

Die Stadieneinteilung erfolgt nach der sogenannten TNM-Klassifikation und den FIGO-Stadien. Dabei ist der Krebs im Stadium I nur auf den Gebärmutterkorpus beschränkt, im Stadium IV hat er sich am weitesten ausgebreitet. Betroffen können dann die Blase oder der Mastdarm sein. Auch können schon Fernmetastasen in der Lunge, der Leber, dem Skelett oder dem Gehirn bestehen.

Behandlung

Abgestimmt auf die Größe und Ausdehnung des Tumors, dem Alter der betroffenen Frau und auch ihrem allgemeinen Gesundheitszustand, werden die einzelnen Behandlungsschritte durchgeführt. Als mögliche Methoden kommen eine Operation, die Strahlen- und Chemotherapie sowie eine Antihormontherapie in Frage. Die einzelnen Methoden können auch miteinander kombiniert werden.

Das wichtigste Verfahren, um eine Heilung zu erreichen, ist die Entfernung des befallenen Gewebes durch eine Operation. Dazu kann es unumgänglich sein, die Gebärmutter (Hysterektomie) und eventuell auch die Eileiter und Eierstöcke zu entfernen. Hat der Tumor bereits den Gebärmutterkörper überschritten, werden auch die nahe gelegenen Lymphknoten entnommen. Eventuell kann es auch nötig sein, benachbarte befallene Organe (Scheide, Enddarm, Blase) teilweise oder gänzlich zu entfernen.

Die Strahlentherapie kommt in Frage, wenn der operative Eingriff aus gesundheitlichen Gründen nicht durchgeführt werden kann (Alter der Patientin!) oder der Tumor sehr weit fortgeschritten ist. Auch im Anschluss an eine Operation kann diese Therapie eingesetzt werden, um Krankheitsrückfälle zu vermeiden und der Verdacht besteht, dass noch Tumorzellen im Körper vorhanden sind. Die Bestrahlung kann von außen oder innen durchgeführt werden. Bei der inneren Bestrahlung werden radioaktive Implantate direkt auf den Tumor gesetzt und verbleiben (einige Tage), bis die gewünschte Strahlendosis erreicht ist.

Eine Behandlung mit hoch dosiertem Gestagen wird bei Frauen erwogen, deren Zellbefund zwar Auffälligkeiten, aber noch keine bösartigen Veränderungen, ergeben hat. Auch bei noch bestehendem Kinderwunsch wird diese Behandlungsform in Erwägung gezogen. Die hochdosierten Gestagene kommen auch zum Einsatz, wenn eine Operation nicht möglich ist.

Die Chemotherapie wird vorwiegend durchgeführt, wenn eine Heilung durch eine Operation oder Strahlenbehandlung nicht mehr möglich ist. Sie wird zur Behandlung von Metastasen oder zur Linderung der Symptome eingesetzt.

Schmerzen können durch eine effektive Schmerztherapie beseitigt werden.

Verlauf

Gelingt es den Tumor zu entfernen, solange er noch auf die Gebärmutterschleimhaut begrenzt ist, sind die Heilungsaussichten sehr gut. Hat sich der Tumor in der ganzen Gebärmutter festgesetzt, aber noch nicht in den Nachbarorganen, besteht durch eine Operation und Nachbestrahlung eine Heilungschance von über 50 Prozent. Die Heilungsaussichten verschlechtern sich drastisch, wenn der Tumor sich bereits auf die Nachbarorgane ausgeweitet oder bereits Fernmetastasen gebildet hat. Die Behandlung zielt dann auf eine Linderung der Symptome ab.

Nachbehandlung

Durch die Therapieverfahren können erhebliche Nebenwirkungen, wie Blasen- und Darmentleerungsstörungen, Wechseljahresbeschwerden, Schwellungen in den Beinen oder sexuelle Beeinträchtigungen, auftreten. Auch seelische, soziale und berufliche Probleme sind möglich. Daher schließt sich an die primäre Therapie eine Nachsorgebehandlung in einer spezialisierten Klinik oder in einer ambulanten Einrichtung an.

med. Redaktion Dr. med. Werner Kellner
Aktualisierung 19.06.2008


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